Viva Bürostuhl!

Kommentar: Warum mobiles Arbeiten nicht funktioniert

Die Prognosen der Marktforscher für den PC-Markt kennen seit einigen Jahren nur noch eine Richtung, nämlich abwärts. Das belegen auch die aktuellen Zahlen der Marktforscher von Gartner und IDC. Laut Gartner beispielsweise wurden im vierten Quartal 2011 weltweit etwas mehr als 92 Millionen PCs verkauft, das sind 1,4 Prozent weniger als im Vorjahresquartal 2010. Im gleichen Zeitraum wurden laut Gartner 440,5 Millionen Smartphones abgesetzt.

Viva Bürostuhl! Den Desktop-Rechner wird es immer geben. (Bild: sxc.hu)
Viva Bürostuhl! Den Desktop-Rechner wird es immer geben. (Bild: sxc.hu)

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Vision der Arbeitswelt
  2. 2Fünf Argumente gegen den Mobil-Hype
  3. 3Bessere Geschäfte mit Mobilrechnern
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Die Verbraucher stecken ihr Geld eben am liebsten in Tablet-PCs und Smartphones. Wenn unbedingt ein PC gebraucht wird, dann muss es wenigstens ein Notebook oder Netbook sein. Der klassische PC ist ein Auslaufmodell, so scheint es.

Vision der Arbeitswelt

Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn man Trendforscher und IT-Gurus fragt, wie die Zukunft der Arbeitswelt aussieht. Die Antwort klingt ungefähr so: Einen richtigen Arbeitsplatz in der Firma wird es gar nicht mehr geben. Stattdessen gibt es unpersönliche Arbeitsstationen, an denen jeder, der gerade kommt, sein Notebook einstöpseln und loslegen kann. Meistens ist man aber sowieso nicht mehr in der Firma, denn man arbeitet im Home Office oder, noch besser, unterwegs. Im Hotel, im Internetcafé, im Zug, im Flugzeug, in der U-Bahn - Hauptsache mobil, der Rest ist egal. Tablet-PCs, Notebooks und neuerdings Smartphones haben ja alles, was man zum Arbeiten braucht. Wie uncool und vorgestrig sind da doch die Malocher im Büro. Desktop-PC? Den braucht doch keiner mehr. Alle Aufgaben werden mit Apps erledigt, die man sich aufs Smartphone geladen hat.

Jeder weiß, dass die Wirklichkeit ganz anders aussieht, aber ärgerlich ist doch, wie penetrant uns die tolle neue Mobilwelt von Marktforschern, IT-Gurus und den Herstellern aufgeschwatzt wird.

Fünf Argumente gegen den Mobil-Hype

Aber das wird aus mehreren Gründen nicht funktionieren. Erstens ist ohnehin nur ein kleiner Teil der Arbeitnehmer betroffen. Mobil sind eben in der Regel nur vielreisende Manager, Freiberufler oder Außendienstler. Die große Mehrheit der Kollegen wird nach wie vor auf ein festes Büro angewiesen sein. Zweitens machen Techniken wie Videokonferenzen einen Teil der Reisen überflüssig.

Drittens ist der ständige Wechsel des Arbeitsplatzes ja mit zusätzlichem Aufwand verbunden, er kostet Zeit und unterbricht die Konzentration. Für die Arbeitsleistung ist das Gift.

Viertens sind die von den Arbeitswelt-Futuristen propagierten Notebook-Stationen auch sehr unpersönliche Arbeitsplätze. Ungemütlicher als der gute alte Schreibtisch, den man an die persönlichen Bedürfnisse angepasst hat. Hier verbringt man jeden Tag acht Stunden und wenn es mal besonders stressig wird, guckt man aufs Foto vom Lebensabschnittsgefährten und den Kindern. Wer jeden Tag an einem anderen Platz mit Notebook-Anschluss sitzt, muss auf das persönliche Ambiente verzichten.

Das fünfte und wichtigste Argument gegen das mobile Arbeiten ist aber die Ergonomie. Dafür gibt es eine Bildschirmarbeitsverordnung. Diese regelt alles, was für dauerhaftes Arbeiten notwendig ist, wenn man Gesundheitsschäden vermeiden will. Geregelt werden Aspekte wie Qualität von Bildschirm und Tastatur, die Möglichkeit, den Bildschirm in der Höhe und Neigung zu verändern, ein bequemer Arbeitsstuhl und vieles mehr.

In der Ergonomie sind die Mobilgeräte dem klassischen Desktop-Rechner weit unterlegen. Allenfalls das an eine Dockingstation angeschlossene Notebook mag da noch akzeptabel sein. Aber die vielgepriesenen Tablet-PCs sind für längeres Arbeiten ungeeignet – anders als die Hersteller uns suggerieren wollen. Über Smartphones und Tablets als Arbeitsgeräte freuen sich höchstens die Optiker und Augenärzte.

Bessere Geschäfte mit Mobilrechnern

Gelobt und als Trend hochgejubelt werden die Mobilgeräte ja hauptsächlich von den Hardware-Herstellern. Die Gründe hierfür sind ziemlich naheliegend. Die Mobilgeräte sind im Verhältnis zur Rechenleistung wesentlich teurer als ein klassischer PC und sie lassen sich viel schwerer oder gar nicht aufrüsten. Der klassische Personal Computer ist ein genialer Technik-Baukasten, der sich leicht aufrüsten und an die persönlichen Bedürfnisse anpassen lässt. Neue Festplatte, mehr Arbeitsspeicher, bessere Grafikkarte oder leiserer Lüfter, alles kein Problem. So lässt sich die Lebensdauer eines Rechners um mehrere Jahre verlängern.

Das geht bei Notebooks oder Tablet-PCs nicht oder nur sehr eingeschränkt. Angesichts des rasanten technischen Fortschritts sind die Dinger spätestens nach drei Jahren wieder überholt. Das freut natürlich die Hersteller, die uns dann wieder neue Modelle verkaufen können.

Schlussendlich kommt es aber darauf an, wie man am besten arbeiten kann. Und da führt auch in Zukunft kein Weg vorbei am Desktop-PC - mit großem Monitor, guter Tastatur und bequemem Bürostuhl. Zugegeben, Tablet-PC, Ultrabook und Smartphone sind faszinierende Geräte, aber die Versuche der Industrie uns diese 20-Minuten-Gadgets als Arbeitsplatz der Zukunft zu verkaufen, sind einfach nur lächerlich…

Forum

Im Forum diskutierenBeiträgeinsgesamt 3 Beiträge

Das ist dann natürlich Auslegungssache und eine Frage nach den subjektiven Vorlieben. Ein Plätzchen im Großraumbüro empfinde ich ebenso wenig als eine persönlichere Arbeitsstation. Man stelle sich vor,...

1+ sehr schön //mehr text

welche werbung drückt uns das denn aus, wird es nicht ehr als zusatzliches nützliches gerät angepriesen?!

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