Timeline wird zur Pflicht

Facebook-Chronik: Bringt das neue Profil mehr Transparenz oder mehr Gefahren? (Update)

Das neue Facebook-Profildesign - die Chronik - steht bereits seit einiger Zeit für den freiwilligen Gebrauch zur Verfügung. Der nun angekündigte Zwang ist jedoch neu und viele Anwender stehen der Änderung skeptisch gegenüber. Dabei spricht das Soziale Netzwerk im Zusammenhang mit der Chronik von mehr Transparenz, Hamburger Datenschützer hingegen sprechen von mehr Gefahren. Netzwelt sprach mit beiden Seiten. Update: Altbischof protestiert gegen Chronik.

Facebook führt bald für alle Nutzer die Chronik ein. (Bild: Facebook)
Facebook führt bald für alle Nutzer die Chronik ein. (Bild: Facebook)

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Schieke: Chronik wird falsch verstanden
  2. 2Kühn: SIeben Tage sind zu kurz
  3. 3Gefahren für jugendliche Nutzer
  4. 4Update vom 31. Januar: Altbishof protestiert gegen Chronik
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Das Update vom 31. Januar finden Sie am Ende des Artikels.

Bei Stefanie Schieke, Sprecherin von Facebooks PR-Agentur in Deutschland, klingelt seit der Ankündigung der Chronik-Pflicht pausenlos das Telefon. "Journalisten und Datenschützer verstehen das neue Design oft falsch. Die Chronik zeigt nichts an, was nicht auch schon vorher zu sehen war und auch Löschungen können weiterhin vorgenommen werden", betont sie. Schieke hält die Unsicherheit und Skepsis der Nutzer daher für unbegründet.

Schieke: Chronik wird falsch verstanden

De facto würde das neue Layout sogar für mehr Transparenz und Sicherheit sorgen, denn nun könnten mit einem Klick die Statusmeldungen von vor einem Jahr überprüft werden. Beiträge, die der Anwender dann als unangemessen empfindet, kann er nachträglich löschen.

Auch mit der Chronik könne der Anwender zudem weiterhin entscheiden, welche Beiträge für wen zu sehen sein sollen. Die sieben Tage Umstellungszeit stellten dabei eine angemessene Frist dar, um sich mit den Neuerungen auseinanderzusetzen. Der Hamburgische Datenschützer Ulrich Kühn sieht dennoch Gefahren durch die Profilumstellung.

Kühn: SIeben Tage sind zu kurz

Vor allem die kurze Frist von nur einer Woche für die Vorbereitung der Profilumstellung ist ihm ein Dorn im Auge. "Wenn ein Nutzer zu dieser Zeit im Urlaub ist oder aus anderen Gründen keine Zeit hat, verliert er die Gelegenheit sein Profil vor der Umstellung angemessen zu überprüfen," so Kühn.

Er stimmt zwar Schieke zu, dass die Chronik auch für mehr Transparenz sorgen könne, aber gleichzeitig biete sie anderen Nutzern die Möglichkeit, mit wenigen Klicks einen umfassenden Überblick über veraltete Posts zu erhalten. Dies war vorher nur unter größeren Anstrenungen möglich. Aus diesem Grund müsse die Umstellungsfrist auf vier Wochen verlängert werden.

Gefahren für jugendliche Nutzer

Darüber hinaus bemängelt der Datenschützer die grundsätzliche Zielsetzung der Chronik, die darauf abziele, noch mehr Nutzerdaten zu erhalten. "Wir hoffen, dass jeder Nutzer reif genug ist, die im Sozialen Netzwerk befindlichen Informationen über sich vorab zu prüfen und selbst zu entscheiden, ob diese sich für die Veröffentlichung eignen." Speziell jüngere Anwender wie Schüler stünden dieser Verlockung allerdings oft unaufgeklärt gegenüber. Kühn sieht hier auch die Schulen in der Pflicht, mehr Aufklärungsarbeiten zu leisten.

Update vom 31. Januar: Altbishof protestiert gegen Chronik

Aus Protest gegen den neuen Chronik-Zwang hat sich Altbischof Wolfgang Huber aus dem Sozialen Netzwerk abgemeldet und verkündete seinen Unmut über die Facebook-Änderung auf dem Internetportal der Evangelischen Kirche in Deutschland, evangelisch.de.

"Die für alle Nutzer verpflichtende Chronik ist mit der Vorstellung vom Respekt gegenüber den Persönlichkeitsrechten nicht vereinbar. Deshalb ist für mich überhaupt nicht Schluss mit lustig, aber Schluss mit Facebook", ließ der ehemalige Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland verlauten.

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