Schwere Vorwürfe
Apple-Zulieferer: Ex-Manager berichten von großen Missständen
Vor wenigen Tagen präsentierte Apple Rekordzahlen aus dem vergangenen Geschäftsquartal, der Aktienkurs stieg kräftig. Allerdings hat der Erfolg von Apple auch seinen Preis, aktuell rücken wieder die Arbeitsbedingungen bei Apple-Zulieferern in die Öffentlichkeit. Diese werfen kein gutes Licht auf den iPhone-Hersteller.

Schnell müssen Apple-Produkte hergestellt werden und billig soll es sein. Unter welchen Bedingungen die Geräte produziert werden, ist nebensächlich - diesen Eindruck erweckt jedenfalls ein ausführlicher Artikel der New York Times über die Arbeitsbedingungen bei Apple-Zulieferern.
"Miese Arbeitsbedingungen"
Für den umfangreichen Artikel führte die Zeitung Interviews mit über drei Dutzend aktuellen oder ehemaligen Mitarbeitern und Vertragspartnern von Apple. Viele davon sind oder waren in leitenden Positionen beschäftigt. Auch wenn sich die Arbeitsbedingungen und der Umgang mit den Arbeitnehmern in den letzten Jahren zwar verbessert hat, geben viele Befragte an, dass grundlegende Probleme auch weiterhin bestehen.
"Apple hat sich noch nie um was anderes als die Erhöhung der Produktqualität und sinkende Produktionskosten gekümmert", so Li Mingqi, ehemaliger Manager einer Foxconn-Fabrik. "Das Wohl der Arbeiter hat nichts mit ihren Interessen zu tun." Die New York Times spricht von "miesen Arbeitsbedingungen": Maßlose Überstunden (manchmal sieben Tage die Woche), überfüllte Schlafräume und Umgang mit gefährlichen Stoffen. Die Gesundheit der Arbeiter spielt für die Zulieferer oftmals keine große Rolle.
"Wir wissen seit vier Jahren von Arbeitsmissständen in einigen der Fabriken und sie bleiben auch weiterhin bestehen", erklärte ein ehemaliger Apple-Manager gegenüber der Zeitung. Der Grund: "Dieses System lohnt sich für uns." Nicht alle Führungskräfte bei Apple sind mit dieser Herangehensweise einverstanden. Einige würden gerne die Bedingungen in den Fabriken verbessern, allerdings stehen dem der Wunsch nach einer schnelle Lieferung neuer Produkte und wichtige Zulieferer-Beziehungen im Weg.
Probleme werden ignoriert
Anfang dieses Jahres wurde bekannt, dass Apple als erster Technikkonzern der Fair Labor Association (FLA) beigetreten ist - möglicherweise ein Schritt in die richtige Richtung. Im vergangenen Jahr führte Apple 229 Überprüfungen bei seinen Lieferanten durch, bei denen zwar durchaus Verbesserungen in einigen Kategorien vermeldet wurden. Trotzdem, so die New York Times, arbeiteten in rund 93 Einrichtungen mindestens die Hälfte der Mitarbeiter über 60 Stunden pro Woche, eine ähnliche Anzahl arbeitete mehr als sechs Tage die Woche. Außerdem kam es vergangenes Jahr in mehreren Einrichtungen zu Explosionen, bei denen sogar vier Menschen starben.
"Wenn dieselben Probleme Jahr für Jahr auftreten, bedeutet dies, dass die Firma die Angelegenheit ignoriert, anstatt sie zu lösen", wird eine ehemalige Führungskraft von Apple zitiert. "Wenn wir es ernst meinten, dann würden die Kernprobleme verschwinden." Momentan toleriere Apple Regelverstöße, solange die Lieferanten versichern, dass sie sich das nächste Mal stärker bemühen.
Es ist nicht das erste Mal, dass Apple wegen der Arbeitsbedingungen bei Zulieferern in der Kritik steht. So kam es bei Foxconn schon häufiger zu Zwischenfällen, bei denen sich Mitarbeiter das Leben nahmen.
