Schlafende Schönheiten im Schrott

Im Kurztest: Deponia

Es muss nicht immer hollywoodreif inszenierter Krawall sein: Die Spiele der deutschen Softwareschmiede Daedalic besitzen vielmehr Herz, Hirn und Seele, sind mit ihren skurrilen Geschichten ein Statement gegen das Schema F in der Computerspielbranche - und womöglich deshalb so erfolgreich. Das letzte Werk der Hamburger, das feinsinnige Adventure "Harveys neue Augen", wurde zuletzt vier Mal mit dem Deutschen Entwicklerpreis ausgezeichnet und kann für das Genre respektable Verkaufszahlen vorweisen. Nun bringt Daedalic sein nächstes Spiel auf den Markt: "Deponia". Wieder ist's ein intelligent erzähltes und unterhaltsames Point&Click-Adventure voller verschrobener Figuren. Und wieder steckt Kreativkopf Jan Müller-Michaelis ("Edna bricht aus") hinter dem Projekt.

Deponia - Teaser-Trailer: Das Adventure Deponia schickt den Spieler auf eine Müllkippe. Dieser Trailer zeigt den Helden Rufus von seiner tollpatschigen und vom Pech verfolgten Seite. Erscheinen wird Deponia, aus dem Hause Daedalic Entertainment, für den PC. Zum Video: Deponia - Teaser-Trailer

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Müll. Wohin das Auge reicht. Deponia ist ein Schrottplanet. Und seine Bewohner haben sich offenbar damit abgefunden, in den rostenden Resten auf alle Ewigkeit zu darben. Nur Rufus nicht. Er will weg. Ins Elysium. Ein Zufluchtsort für die Reichen und Schönen, hoch über den Wolken. Und fast gelingt ihm dieses Vorhaben auch - hätten nicht wieder einmal Narzissmus, Chaos und grandiose Selbstüberschätzung über die Tüftlerfähigkeiten des Taugenichts gesiegt. Immerhin sorgt sein kleiner Ausflug mit einer abenteurlich gebastelten, aber nicht zusammengeschraubten Rakete dafür, dass die wunderschöne Goal aus privilegierten Sphären auf dem Boden der Tatsachen landet - und dort ins Koma fällt.

So verbringt der Spieler die nächsten sechs bis acht Stunden damit, Rufus bei seinem neuen Plan zu unterstützen: Er will Goal aus ihrem Aschenputtel-Schlaf erwecken, sie in ihre vermeintlich paradiesische Heimat zurückbringen und dort ein schönes Leben fernab all des Drecks führen, aus dem er kommt. Was natürlich leichter gesagt als getan ist. Bis Rufus allein die Zutaten für einen Super-Espresso beisammen hat, wollen zahllose schräge, aber nur selten unlogische Rätsel gelöst werden, in deren Verlauf der Tüftler mit Vater-Trauma seine Ex-Freundin mit Giftpfeilen betäubt, den Keller seines Kumpels flutet und sich eine Audienz beim Bürgermeister ersprengt.

Im späteren Verlauf wird aus "Deponia" eine rasante Verwechslungskomödie, eine abgefahrene Liebesgeschichte und ein comichafter Klassenkampf - allerdings ohne große Schlusspointe. Vielmehr deuten die Zeichen, vor allem das "?" hinter dem obligatorischen "The End" im Abspann, auf eine Fortsetzung hin - sofern die Verkaufszahlen stimmen und die Entscheidung, "Deponia" ohne Kopierschutzmaßnahmen auszuliefern, von den Spielern nicht ausgenutzt wird.

Es wäre jedoch eine Schande, "Deponia" nicht als das zu würdigen, was es ist: ein urkomisches, clever konstruiertes und liebevoll handgezeichnetes Adventure voller schräger Vögel, die auch noch erstklassig synchronisiert wurden. Allen voran Rufus, dem Comedian Monty Arnold die Stimme lieh. Aber auch die anderen Sprecher leisten großartige Arbeit und tragen ihre Rollen mit Hingabe vor - wie Lotti, eine burschikose Empfangsdame, die nur kurze Zeit die Säuselhöhe halten kann, ehe die Stimme in ungeahnte Türsteher-Tiefen rutscht.

Im Kurztest: Deponia

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Im Kurztest: Deponia - Mit "Deponia" veröffentlicht Daedalic seinen nächsten Adventure-Hit nach "Harveys neue Augen". (Bild: Daedalic)
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Mit "Deponia" veröffentlicht Daedalic seinen nächsten Adventure-Hit nach "Harveys neue Augen". (Bild: Daedalic)

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Im Kurztest: Deponia - Um eine Audienz beim Bürgermeister zu bekommen, muss sich Rufus (links) an den drei schrägen Gestalten im Vordergrund und der burschikosen Lotti (rechts) vorbeimogeln. (Bild: Daedalic)
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Um eine Audienz beim Bürgermeister zu bekommen, muss sich Rufus (links) an den drei schrägen Gestalten im Vordergrund und der burschikosen Lotti (rechts) vorbeimogeln. (Bild: Daedalic)

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Im Kurztest: Deponia - Ex-Freundin Toni und Kumpel Wenzel beobachten Rufus' neuen Versuch, von Deponia zu verschwinden. (Bild: Daedalic)
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Ex-Freundin Toni und Kumpel Wenzel beobachten Rufus' neuen Versuch, von Deponia zu verschwinden. (Bild: Daedalic)

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Im Kurztest: Deponia - Müll, wohin das Auge blickt: Deponia ist ein rostbrauner Schrottplanet. (Bild: Daedalic)
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Müll, wohin das Auge blickt: Deponia ist ein rostbrauner Schrottplanet. (Bild: Daedalic)

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Ankreiden kann man dem Spiel nur wenig - zumal sich eingestreute Knobeleien und Minispiele auf Wunsch auch überspringen lassen. Das Inventar lässt sich elegant mit einem Schwung am Mausrad öffnen, quillt zuweilen aber über. Vor allem im ersten von drei Kapiteln sammelt der Spieler Unmengen von Krimskrams ein, der sich bestimmt irgendwo im Mülldorf Kuvaq sinnvoll einsetzen lässt. Doch weil "Deponia" bis auf eine Hot-Spot-Anzeige jede Hilfe verweigert und in diesem Abschnitt recht offen gestaltet wurde, kann schon mal etwas Zeit vergehen, bis man den entscheidenden Hinweis gefunden oder ein Rätsel gelöst hat.

Datenblatt

Deponia
SpielnameDeponia
HerstellerDaedalic
VertriebDaedalic
GenreAdventure
Erhältlich ab27.01.2012
Preisca. 25 Euro
EAN Code4009750502136
SchwierigkeitFür Einsteiger und Fortgeschrittene
Alterab 6 Jahren
Multiplayernein
Sonstiges 
Bewertung Grafikgut
Bewertung Steuerungsehr gut
Bewertung Soundsehr gut
Bewertung Spielspasssehr gut
Bewertung Gesamtsehr gut
SystemPC

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