...und den Chinesen europäische Egozentrik beibringt

Verkehrte Netzwelt: Wie Facebook uns alle zu Chinesen macht

Warum melden sich Menschen bei Facebook an? Dümmste aller dummen Fragen. Weil man da Freunde finden, Botschaften austauschen, sich zu Partys verabreden, Fotos einstellen und sein Profil pflegen kann. Das mit dem persönlichen Profil ist wichtig. Da legt man seine Startposition fest. Das Soziale Netzwerk kann einen in dieser Hinsicht ganz schön unter Druck setzen.

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Die chinesische Seite von Facebook: Bringt das soziale Netzwerk den europäischen Individualismus nach China? (Bild: netzwelt)
Die chinesische Seite von Facebook: Bringt das soziale Netzwerk den europäischen Individualismus nach China? (Bild: Facebook)
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So eine Facebook-Freundesgruppe mit, sagen wir mal, hundert oder zweihundert Freunden, ist ja so etwas wie ein Dorf. Jeder kennt jeden, jeder passt sich ein bisschen an. Man passt auf, was man sagt, welche Fotos man hochlädt, wie man sich darstellt und welche Informationen man preisgibt. Denn es heißt nicht umsonst "soziales Netzwerk".

"Sozial" heißt, dass jeder unter Beobachtung steht. Und "Netzwerk", dass man nie ganz frei ist, sondern gefangen in einem Netz der Beziehungen. Es muss sich also jeder ein bisschen anpassen an das soziale Klima, an die Werte und Normen der Freundesgruppe. Facebook macht uns alle ein bisschen sozialer, ein bisschen weniger individualistisch - und ein bisschen konformer. Aus den Individualisten macht Facebook die Menschen der Masse.

Facebook in Asien

Welche Wirkung hat Facebook wohl in asiatischen Ländern? Zum Beispiel in China? Es heißt doch immer, dass in der asiatischen Kultur nur die Gemeinschaft zählt und der Einzelne nichts gilt. Gerade im sozialistisch-autoritär regierten China geht seit einigen Jahren konsumtechnisch und hightech-technisch voll die Post ab.

Da treibt der Kapitalismus die farbigsten Blüten und produziert täglich neue Millionäre. Die freie Marktwirtschaft bringt durch den Wettbewerb sehr reiche, mittelreiche und arme Menschen hervor. Die Marktwirtschaft fördert die Unterschiede zwischen den Menschen zutage. Dazu kommt der ganze Hightech-Kram, den die Chinesen sich jetzt kaufen können.

Jedem sein eigenes Smartphone mit individuellem Klingelton, personalisierter Oberfläche und so weiter. Und jeder baut sich in Facebook sein eigenes Profil und stellt seine persönlichen Fotos online. Hightech-Kultur und Facebook tragen folglich in China dazu bei, dass der Mensch individueller wird.

So macht Facebook die individualistischen Europäer alle zu Chinesen und die gleichgesinnten Chinesen zu egogetriebenen Europäern. Irgendwann treffen sich die Kulturen in der Mitte. Damit wäre Facebook endgültig das globale Multikulti-Dorf geworden. Nur der Bürgermeister heißt Mark Zuckerberg und ist Amerikaner…

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