Visueller Editor versteckt Wikitext im Hintergrund

In Planung: Neuer WYSIWYG-Editor für die Wikipedia

Die Wikipedia ist die größte Sammelstelle menschlichen Wissens, die es jemals gegeben hat. Allerdings hat das Projekt ein gravierendes Problem: Es ist bis heute recht aufwändig, eigene Inhalte dort einzustellen - vor allem die Wiki-Syntax macht Neulingen zu schaffen. Ein neuer Seiten-Editor soll das endlich ändern.

Die Wikipedia bekommt bald einen neuen Editor. (Bild: Wikipedia)
Die Wikipedia bekommt bald einen neuen Editor. (Bild: Wikipedia)

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Heutiger Status
  2. 2Der neue Editor
  3. 3Fazit
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Die Wikipedia basiert auf der MediaWiki-Software, die auch andere Wiki-Projekte antreibt - insbesondere die Open-Source-Community nutzt das Programm sehr gerne, weil es ausschließlich auf offenen Standards basiert. Trotzdem hält sich MediaWiki nicht an gängige Standards, wenn es um Inhalte von Seiten geht.

Heutiger Status

Diese müssen in Wikitext geschrieben werden, während andere Content-Management-Systeme ganz auf die Hypertext Markup Language (HTML) setzen und diese direkt in ihrer Datenbank aufnehmen. Bei der Wikipedia läuft das etwas anders: Aus dem Wikitext eines beliebigen Artikels muss die HTML-Version erst generiert werden, was natürlich Änderungen am Aussehen der Wikipedia über Millionen von Artikeln hinweg einfacher macht. Obwohl Wikitext an sich leichter als HTML ist, ist der Umfang an Steuerelementen deutlich größer und die Sprache so viel komplizierter. Im MediaWiki-Handbuch nimmt Wikitext ein ganzes Kapitel ein.

Allerdings führt an Wikitext kein Weg mehr vorbei, da eine Konvertierung von Millionen Artikeln in Dutzenden Länder-Wikis praktisch nicht durchführbar wäre. Daher verfügen Wikipedia beziehungsweise MediaWiki über einen Editor, der Autoren beim Umgang mit der Wiki-Syntax hilft: So können Nutzer heute zum Beispiel über eine Symbolleiste die Formatierung von Text in fett oder kursiv vornehmen, auch Dateien, Signaturen, Links und Belege lassen sich direkt einfügen. Die erweiterte Werkzeugleiste ermöglicht Überschriften, Listen sowie feste Zeilenumbrüche und andere Dinge. Auch mit Sonderzeichen kann der aktuelle Editor umgehen.

Der neue visuelle Editor soll mehr Autoren in die Wikipedia locken. (Bild: Wikipedia)
Der neue visuelle Editor soll mehr Autoren in die Wikipedia locken. (Bild: Wikipedia)

Der neue Editor

Allerdings ist der bisherige Editor nur dazu da, WikiText-Befehle zu generieren - ein fett markiertes Wort wird also nicht automatisch auch fett auf dem Bildschirm angezeigt, wie der Nutzer es aus einer Textverarbeitung kennt. Dieses unschöne Verhalten soll sich bald ändern: Seit einigen Wochen steht einer neuer visueller Editor zum Test bereit, der schon bald in MediaWiki (und damit die Wikipedia) einfließen könnte, wenn keinerlei größere Fehler mehr entdeckt werden. Er bietet echtes "What you see is what you get". Nutzer können direkt neue Absätze und Formatierungen einfügen, ohne Wikitext verstehen zu müssen - die Syntax bleibt komplett im Hintergrund. Spannend ist, dass Profis auf Wunsch ein zweispaltiges Layout wählen können: Dabei zeigt der visuelle Editor links die WYSIWYG-Ansicht, während rechts Wikitext, HTML oder JSON-Code einsehbar ist. Sogar für die Versionsgeschichte gibt es einen Reiter, die sich damit viel schneller überblicken lässt.

Natürlich ist der neue Editor noch nicht fix und fertig: So werden derzeit nur der Internet Explorer 8/9, Mozilla Firefox 4 und Google Chrome 8 oder neuer unterstützt - für ältere Versionen gibt es noch keinen Ersatz. Außerdem liegt der neue Editor bisher nur in Englisch vor, eine Übersetzung ist für die zahllosen länderspezifischen Wikis aber unbedingt notwendig.

Fazit

Im Kurztest erwies sich der visuelle Editor bereits als recht stabil, sodass einem Einbau in die Wikipedia zur Mitte des kommenden Jahres nicht mehr viel im Wege stehen dürfte. Ob der neue Seiten-Editor wirklich dafür sorgen kann, dass sich mehr Frauen an der Enzyklopädie beteiligen, darf allerdings bezweifelt werden.

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