Programmfehler
Carrier IQ: Speicherung von SMS eingeräumt
Die umstrittene Mobilfunk-Analysesoftware Carrier IQ speichert entgegen erster Dementi des Herstellers doch den Inhalt von SMS-Nachrichten. Der Grund ist aber nicht der Versuch, Nutzer auszuspionieren, sondern ein Programmfehler.

Das erklärte Carrier IQ in einer neuerlichen Stellungnahme zu seiner eigenen Software. Demnach würde in seltenen Fällen, etwa wenn der Nutzer während eines Telefonates eine SMS-Nachricht erhält, der Inhalt der SMS mitsamt der Analysedaten des Telefonates gespeichert. Allerdings in einer verschlüsselten Form. Carrier IQ und die Netzbetreiber hätten keine Möglichkeit ohne spezielle Tools, die das Unternehmen nicht entwickelt hat, den Inhalt auszulesen. Der Grund sei ein Programmfehler, der demnächst behoben werde. Die Schuld für die Speicherung der SMS-Inhalt in ungesicherten, lesbaren Logfiles, wie sie in einem YouTube-Video zu sehen ist, schiebt Carrier IQ weiterhin auf HTC.
Verteidigung die Vierte
Das mit Anhang 19 Seiten umfassende Dokument ist die mittlerweile vierte Stellungnahme von Carrier IQ zur Funktionsweise der eigenen Software. Mitte November hatte der Systemadministrator Trevor Eckhart die Analysesoftware auf seinem HTC-Handy gefunden und analysiert. Sein Vorwurf: Carrier IQ sei ein Rootkit, das ungefragt das Nutzerverhalten ausspioniert, wies das Unternehmen entschieden zurück.
Bei seiner Verteidigung verstrickte sich Carrier IQ aber in Widersprüche. Fragen werfen unter anderem ein Patentantrag für ein Smartphone-Werbesystem sowie eine Kooperation mit dem Marktforschungsunternehmen Nielsen auf. Carrier IQ spielt diese Vorfälle aber herunter. Das Unternehmen kündigte jedoch an, künftig das nun veröffentlichte Dokument zu erweitern, sollten weitere Fragen zur Software auftauchen. Bislang ist noch nicht abschließend geklärt, ob Carrier IQ auch auf Geräten in Deutschland zum Einsatz kommt.
