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Der große Einkaufsberater: Smartphones
Von Apps, Zollgrößen und Megapixel-Auflösungen

von Jan Kluczniok Uhr veröffentlicht

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Android, iOS, Windows Phone? 3,5 Zoll oder größer? Mit Tastatur oder ohne? Wer ein Smartphone kaufen will, sollte sich vor dem Kauf mit diesen und weiteren Fragen auseinandersetzen. Netzwelt hilft im Smartphone-Dschungel den Überblick zu behalten.

Die Zeiten, in denen Handys nur zum Telefonieren und SMS schreiben verwendet wurden, sind Vergangenheit. Dank moderner Smartphones sind Mobiltelefone heute Digitalkamera, Navigationsgerät, Handheld und Mini-Rechner in einem. Beim Kauf sollte man sich aber mehr von den eigenen Bedürfnissen als von gigantischen Displaygrößen, hochauflösenden Kameras und der Zahl der verfügbaren Apps leiten lassen.

Mit dem iPhone begründete Apple 2007 den Smartphone-Trend. (Quelle: Screenshot)

Vorsicht vor Star, Cookie und Co.

Auf der Suche nach einem Smartphone trifft man vor allem in den Prospekten diverser Discounter auf so genannte Touchscreen-Handys, die für Preise von unter 100 Euro angeboten werden. Die bekanntesten Modelle dieser Handy-Art sind Samsungs Star I, Samsung Star II und LG Cookie Fresh. Wer aber ein echtes Smartphone haben möchte, sollte tunlichst die Hände von diesen Geräten lassen. Denn diese bieten nur rudimentäre Smartphone-Eigenschaften, beispielsweise die Steuerung via Touchscreen.

Ein bequemes Surfen im Internet oder das Nachinstallieren von Anwendungen, so genanter Apps, ist allerdings nicht möglich. Die Bedienung über den berührungsempfindlichen Bildschirm fällt aufgrund älterer Touchscreen-Techniken (resistiv) ebenfalls wenig komfortabel aus. Beim Gebrauch macht sich schnell Frust breit.

Eigene Bedürfnisse kommen vor Featureprahlerei

Vor dem Kauf eines Smartphones sollte man sich über die eigenen Bedürfnisse klar werden: Soll das Gerät die Knipskamera in der Tasche ersetzen? Will man aufwendige 3D-Spiele spielen, das Handy als Navi im Auto nutzen? Viel im Internet surfen?

Samsung Star 2: Touchscreen-Handy ist nicht gleich Smartphone. (Quelle: Samsung)

Je nachdem, ob man die Fragen mit Ja oder Nein beantwortet, kann man bei der Ausstattung des Wunsch-Smartphones an der ein oder anderen Stelle Abstriche machen. Wer viel surft, aber wenig fotografiert braucht beispielsweise eher ein größeres Display als eine hochauflösende 8-Megapixel-Kamera.

Displaygröße und Schutzmechanismen

Je nach Tragegewohnheit sollten Nutzer vor dem Smartphone-Kauf sich auch Gedanken über die Displaygröße machen. Männer, die ihr Handy gerne in der Hosentasche verschwinden lassen, werden dabei mit 4 Zoll- oder 4,3 Zoll-Modellen Probleme bekommen. Auch in Hemd und Jackentasche lassen sich nicht alle Smartphones problemlos verstauen ohne aufzutragen. Eine Alternative sind daher die kompakteren 3,5 oder 3,7 Zoll großen Modelle. Bei Handys mit Displays unter 3,5 Zoll nimmt der Bedien- und Lesekomfort dagegen kontinuierlich ab.

Passend zum Smartphone sollten sich Nutzer auch gleich eine Schutzhülle oder zumindest eine Schutzfolie besorgen, die das zentrale Bedienelement, den Touchscreen, vor Kratzern bewahrt. Robuste Smartphones wie das Motorola Defy sind bislang eher noch die Ausnahme.

Mit oder ohne Tastatur

Die meisten Smartphones werden nur über den Touchscreen gesteuert. Text-Eingaben erfolgen über eine virtuelle Tastatur. Das Tippen auf der Bildschirm-Tastatur ist allerdings nicht jedermanns Sache. Gerade Vielschreiber und Schnelltipper bevorzugen eher eine Hardware-Tastatur. Dies haben auch die Smartphone-Hersteller erkannt und liefern einige Modelle mit einer physikalischne Tastatur aus. Hier gibt es zwei verschiedene Formfaktoren: Entweder die Tastatur befindet sich direkt unter dem Touchscreen, wie etwa bei den meisten BlackBerry-Modellen, oder sie lässt sich bei Bedarf unter dem Display hervorschieben (Slider-Variante).

Viele Nutzer schätzen an den BlackBerry-Modellen die physikalische Tastatur.

Der Vorteil der Slider-Handys: Sie müssen trotz Tastatur keine Abstriche bei der Displaygröße machen und haben stets die Wahl zwischen virtueller oder physikalischer Tastatur. Der Nachteil: Die meisten Slider-Handys sind so genannte horizontale Slider. Das heißt die Tastatur wird zur Seite aus dem Smartphone herausgeschoben, um zu tippen, muss der Nutzer das Handy ins Querformat drehen. Das Problem: Nicht alle Handy-Betriebssysteme lassen sich durchgängig im Querformat bedienen, sodass manche Menüs auch bei ausgeschobener Tastatur nur im Hochformat angezeigt werden. Zudem unterscheiden sich die Tastaturen je nach Hersteller im Layout. Tippen Sie im Laden also vor dem Kauf ein paar Textzeilen zur Probe und prüfen Sie, ob sich das Handy auch im Querformat noch durchgängig bedienen lässt.

Plattformwahl

Aktuell ringen mehrere Smartphone-Betriebssysteme um Käufer. Die Bekanntesten sind Apples iOS, das auf dem iPhone sowie auf dem Tablet-PC iPad und dem MP3-Player iPod Touch zum Einsatz kommt, und Googles Android, das auf Smartphones von HTC, Samsung, Sony Ericsson, Motorola, LG und weiteren Herstellern Verwendung findet. Daneben ringen Microsoft mit Windows Phone, das vereinzelt ebenfalls auf HTC, Samsung und LG-Geräten zu finden ist, und Research in Motion mit seinem BlackBerry OS um Marktanteile. Nur noch ein Auslaufmodell ist Nokias Symbian, seit dem Lumia 800 setzt Nokia auf Windows Phone. Außenseiter sind Samsungs Bada-Betriebssystem oder Qualcomms Brew MP.

Smartphone-Nutzer haben die Wahl zwischen verschiedenen Systemen. (Quelle: O2)

Alle Plattformen haben Stärken und Schwächen. Beim BlackBerry OS, Windows Phone, und iOS handelt es sich um so genannte geschlossene Systeme. Der Kunde ist hier weitesgehend an die Angebote (Musik-, Video-, App-Downloads) des System-Herstellers gebunden. Das schützt vor Betrügern und Schadsoftware, macht den Nutzer aber abhängig von einem Konzern. Android ist dagegen eine offenere Plattform. Neben den Google-Angeboten tummeln sich hier auch weitere Anbieter. Bei Windows Phone und iOS kann der Speicher des Gerätes zudem nicht per Speicherkarte erweitert werden.

Apps, Apps, Apps

Ein weiterer großer Unterschied ist die Zahl der verfügbaren Apps. Hier haben iOS und Android klar die Nase vorn. Die wichtigsten Applikationen gibt es aber mit Ausnahme von Bada für fast alle Betriebssysteme, weshalb einen das im Vergleich geringere App-Angebot nicht vom Kauf eines Windows Phone oder BlackBerry abhalten muss. Bei einem Bada-Handy müssen die Nutzer dagegen bei diesem Punkt mit Einschränkungen leben.

Wer neben kostenlosen Apps auch kostenpflichtige Programme downloaden will, sollte auch einen Blick auf die Zahlungsmöglichkeiten der einzelnen System werfen. Während Apples iOS beispielsweise auch das Zahlen per Gutschein-Karte ermöglicht, setzen Android und Co. derzeit für den App-Kauf noch eine Kreditkarte voraus.

Auf die Android-Version achten

Beim Kauf eines Android-Handys sollte darauf geachtet werden, welche Version von Googles-Betriebssystem auf dem Handy zum Einsatz kommt. Aktuell hat Google die Version 4.0 vorgestellt, die meisten Android-Smartphones laufen aber noch mit Android 2.2 oder Android 2.3. Manche Hersteller bieten für ältere Handys ein kostenloses Update auf eine neuere Version an. Eine Übersicht über verfügbare und geplante Updates finden Sie hier, eine Übersicht über die verschiedenen Funktionen der einzelnen Android-Versionen hier.

Von Android-Handys mit der Versionsnummer 2.1 oder 1.6 sollte der Nutzer, sofern kein Update in unserer Übersicht gelistet ist, dagegen die Finger lassen - sie sind veraltet und werden von vielen Apps nicht mehr unterstützt. Die Chancen auf ein Android 4.0-Update steigen mit dem Kauf eines Android 2.3-Handys.

Preisklasse Einsteiger: 100 bis 250 Euro

Für 100 bis 250 Euro erhalten Nutzer ein rudimentäres Smartphone. Es eignet sich zum Surfen, Navigieren und für kleinere Spiele. Aufwendige 3D-Spiele oder grandiose Fotos sind mit den Geräten eher nicht möglich. Die Prozessoren takten mit 600 bis 800 Megahertz. Ein Gigahertz-Prozessor wie beim Nokia 500 oder Sony Ericssons Live with Walkman sind die Ausnahme. Für die Preisklasse herausragende Fotos liefern die Modelle Xperia ray und Xperia neo von Sony Ericsson.

Die untere Preisklasse wird fast ausschließlich von Android-Handys dominiert. Preisbrecher ist hierbei das Huawei Ideos X3, das für 99 Euro aktuell gehandelt wird. Wer sich mit Windows Phone 7 anfreunden kann, findet in der Preisklasse mittlerweile auch ältere Flaggschiff-Modelle, die es technisch durchaus mit aktuellen Mittelklassen-Modellen aufnehmen können.

Mittlere Preisklasse: 300 bis 450 Euro

Die mittlere Preisklasse lässt dem Nutzer die freie Wahl. Neben Android-Handys tummeln sich hier auch Symbian-Smartphones, BlackBerry-Geräte und mit Apples iPhone 3GS auch ein günstiges iPhone. Die Geräte eignen sich für nahezu alle Aufgaben bis hin zum Ersatz von Knipskameras. Lediglich bei den Video-Aufnahmen müssen die Nutzer zumeist Abstriche machen. Full-HD-Aufnahmen ermöglichen aktuell nur Highend-Geräte.

Die Prozessoren takten in dieser Preisklasse meist zwischen einem und 1,4 Gigahertz. Auch Dual-Core-Prozessoren finden sich hier bereits vereinzelt, beispielsweise beim HTC  Sensation oder dem LG Optimus Speed.

Highend-Bereich: 500 bis 750 Euro

Highend-Smartphones bieten genügend Rechenpower um ein Netbook zu ersetzen. Manche Geräte bieten dafür bereits entsprechendes Zubehör, etwa das Motorola Atrix. Video- und Foto-Aufnahmen ragen in diesem Bereich bereits an das Niveau von günstigen Kompaktkameras heran.

Zudem können sich Nutzer über Gimmicks wie etwa Apples Sprachassistent Siri oder die "intelligenten Aktionen" von Motorola freuen. Highend-Smartphones zeichnen sich fast nahtlos durch den Einsatz von Dual-Core-Prozessoren und einer 8-Megapixel-Kamera mit Full-HD-Videofunktion aus.

Fazit

Smartphones gibt es mittlerweile in jeder Preisklasse, ein Griff zum Feature-Phone ist daher überflüssig. Wer auf 3D-Spiele und hochwertige Fotos weniger Wert legt, für den dürfte bereits ein Modell bis 250 Euro ausreichen. Teurere Modelle sind dagegen eher  ambitionierten Anwendern, die mit dem Smartphone zahlreiche Geräte möglichst gleichwertig ersetzen wollen, zu empfehlen.

Eine Top-Ten der aus Sicht der Redaktion besten Smartphones finden Sie hier, ebenso wie eine Top-Ten der besten Android-Handys.

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Der große Einkaufsberater: Smartphones
Der große Einkaufsberater: Smartphones
Smartphones liegen voll im Trend. Beim Kauf gilt es aber einiges zu beachten. Netzwelt hilft im Modell-Dschungel das passende Smartphone zu finden.
http://www.netzwelt.de/news/89900-grosse-einkaufsberater-smartphones.html
2011-12-14 13:46:23
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/iphone-begruendete-apple-2007-smartphone-trend-bild-screenshot10505.png
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