Gesamtvolumen 90 Millionen Euro

U+C: Kanzlei versteigert Urheberrechtsforderungen im Internet (Update)

Die Kanzlei Urmann+Collegen (U+C) hat offenbar eine Versteigerung im Internet gestartet, bei der sie Forderungen aus Urheberrechtsverletzungen mit einem Gesamtvolumen von 90 Millionen Euro an andere Anwälte und Inkassounternehmen verkauft. Die Ansprüche speisen sich vermutlich aus rund 70.000 Abmahnungen gegen Nutzer von Peer-to-Peer-Netzwerken im Bereich "Adult Entertainment". Update: Das Auktionsende wurde aufgrund der "hohen Nachfrage" verlängert.

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Die Kanzlei Urmann + Collegen versteigert offenbar Urheberrechtsforderungen im Internet. (Bild: Screenshot/u+c)
Die Kanzlei Urmann + Collegen versteigert offenbar Urheberrechtsforderungen im Internet. (Bild: Screenshot/u+c)

Inhaltsverzeichnis

  1. 1"Ungewöhnlicher Schritt einer Kanzlei"
  2. 2Bisher kein Kommentar von U+C
  3. 3Update 12.12: Auktionsende verschoben
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Das Update vom 12.12 finden Sie am Ende dieses Artikels. Die Informationen über die Kanzlei wurden der netzwelt-Redaktion in einem Fax zugespielt, das zu der Versteigerung einlädt. Demnach sollen die Abmahnungen, die U+C gegen Filesharer ausgesprochen hat, scheinbar in Paketen in Höhe von über 1.200 Euro versteigert werden. Die jeweiligen Fälle seien "gleichartig und aus dem gleichen Rechtsgrund" ausgesprochen und vertreten die Ansprüche von "namhaften Mandanten aus dem Bereich des Adult Entertainment", so ist in dem Fax zu lesen. Bis einschließlich Montag, den 12. Dezember, um 10 Uhr dauert die Auktion an.

"Ungewöhnlicher Schritt einer Kanzlei"

Rechtsanwalt Christian Solmecke, der sich auch im Fall Origin und Electronic Arts zu Wort meldete, bezeichnet das Vorgehen der Kanzlei als "ungewöhnlichsten Schritt einer Kanzlei seit Beginn der Filesharing-Abmahnungen." Zudem sei die rechtliche Basis der Auktion mehr als fraglich, denn entsprechenden Abmahnungsverfahren lägen oft strafrechtliche und zivilrechtliche Auskunftsansprüche zugrunde, die nicht einfach an Dritte weitergegeben werden könnten. Darüber hinaus sei es vollkommen unklar, ob die Schadensersatzansprüche aus den rund 70.000 Abmahnungen überhaupt berechtigt seien, so Solmecke.

Nach Ansicht des Rechtsanwalts kommen als Käufer der Forderungspakete von U+C vor allem professionelle Inkassounternehmen in Frage, die auf die Betroffenen mit ihrem "standardisierten Verfahren" Druck ausüben und so an Gelder gelangen, die auf konventionellem Weg nicht einzutreiben sind.

Bisher kein Kommentar von U+C

U+C gewinnt durch die Versteigerung der Forderungen Geld, ohne langwierige und möglicherweise sogar ergebnislose Gerichtsprozesse begehen zu müssen. Bisher gibt es keine offizielle Stellungnahme der Kanzlei. Heise Online zufolge antwortete U+C auf Nachfrage, dass aus "zeitlichen Gründen" kein Kommentar möglich sei.

Bereits seit Jahren ist die Kanzlei für ihre Abmahnpraktiken gegenüber Nutzern von Peer-to-Peer-Netzwerken bekannt. Entsprechende Erfahrungsberichte finden Sie auch hier im netzwelt-Forum.

Update 12.12: Auktionsende verschoben

Die Kanzlei Urmann+Collegen (U+C) hat das Auktionsende wegen des "erfreulich hohen Andrangs" verschoben. Der Originaltext auf der Internetseite lautet: "Aufgrund des erfreulich hohen Andrangs und um allen Interessenten gerecht zu werden sowie eine pünktliche Zahlung der Kaution zu ermöglichen, wird das Auktionsende verschoben um 48 h, d. h. bis zum 14.12.2011, 12:00 MEZ."

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