Umstrittene Analyse-Software gibt weiter Rätsel auf
Carrier IQ: Möglicherweise doch Einsatz in Europa (Update)
Die umstrittene Mobilfunkanalyse-Software Carrier IQ wurde entgegen der Aussagen von Netzbetreibern und Smartphone-Herstellern möglicherweise auch auf Smartphones in Europa eingesetzt. Datenschützer ermitteln bereits. Unterdessen ist noch immer unklar, welche Daten die Software protokolliert. Update: Samsung überprüft einen möglichen Einsatz von Carrier IQ in Deutschland.
Das Update vom 6. Dezember, 17.25 Uhr finden Sie am Ende des Artikels.
Der Datenskandal um Carrier IQ scheint sich über die USA hinaus auszuweiten. Nach dem Apple bereits eingeräumt hat, bis zu iOS 5 die Software auf seinen iPhones verwendet zu haben, wurden nun auch Teile der Software auf Smartphones weiterer Hersteller gefunden. Die Online-Magazine Heise und Golem berichten unabhängig voneinander über Funde der Software auf in Deutschland gekauften Geräten von Samsung und Huawei. Netzwelt konnte auf insgesamt neun untersuchten Android-Devices keinen Hinweis auf Carrier IQ finden.
Vodafone Portugal auf der Kundenliste
Dass Carrier IQ zudem auch Kontakte zu europäischen Netzbetreibern unterhält, belegt eine Pressemitteilung aus dem Jahr 2009. Carrier IQ teilt in dieser mit, dass sich die Carrier IQ-Software bei Vodafone Portugal nach einem Testbetrieb nun im operativen Einsatz befinde. Gegenüber dem US-Magazin PC World dementierte eine Vodafone-Sprecherin dies. Deutsche Netzbetreiber versichern dagegen, Carrier IQ oder eine ähnliche Software nie verwendet zu haben. Die europäische Niederlassung von Carrier IQ befindet sich in London.
In den USA wurden inzwischen erste Klagen gegen Hersteller und Netzbetreiber eingereicht, berichtet der Technikblog Ars Technica. Dabei ist immer noch unklar, was die Carrier IQ-Software genau protokolliert und was nicht. Der Sicherheitsforscher Dan Rosenberg zweifelt beispielsweise an, dass Carrier IQ den Inhalt von SMS- oder Mail-Nachrichten lesen kann, auch Tastenanschläge könne das Programm mit Ausnahme von Rufnummern nicht mitprotokollieren, ergab seine Analyse der Software.
Carrier IQ selbst hat sich gegenüber dem US-Online-Magazin The Verge inzwischen erneut verteidigt und die Schuld an dem Datenskandal zum Teil auf die Hersteller, namentlich HTC, geschoben. Der Nutzer Trevor Eckhart hatte auf seinem HTC-Handy entdeckt, dass die Carrier IQ-Software die gesammelten Daten in einem ungeschützten Logfile speicherte. Dieser Logfile soll aber nicht von Carrier IQ angelegt werden, sondern eine von HTC angelegte Kopie der gesammelten Information sein, meldet The Verge.
Update 17.23 Uhr: Samsung überprüft Funde
Samsung schließt den Einsatz von Carrier IQ auf Geräten in Deutschland offiziell nicht aus. "Als verantwortungsvoller Hersteller nehmen wir die Anliegen unserer Kunden ernst, und auch was die Einhaltung der gesetzlichen und datenschutzrechtlichen Vorgaben angeht. Wir prüfen derzeit sorgfältig den Sachverhalt. Nach erfolgter Prüfung werden wir umgehend unsere Kunden entsprechend informieren. Wir bitten um Verständnis und ein wenig Geduld", teilte der Hersteller netzwelt per E-Mail mit.


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