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Amazon Kindle im Test: Jetzt auch mit deutscher Menüführung
Mit Anbindung an die Cloud

von Lisa Bruness Uhr veröffentlicht

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Amazon bietet seinen neuen Kindle für 99 Euro an, erstmals besitzt dieser ein deutsches Menü. Was der Nutzer noch alles von dem E-Book-Reader erwarten darf, zeigt der netzwelt-Test.

Einfach nur Kindle: Amazon verzichtet bei der vierten Generation seines E-Book-Readers auf irgendwelche Namenszusätze. Zum ersten Mal gibt es den Kindle hierzulande jetzt auch mit deutscher Menüführung, für 99 Euro. Was das digitale Lesegerät von Amazon zu bieten hat, zeigt der netzwelt-Test.

Amazon bewirbt den neuen Kindle als den leichtesten, schnellsten und günstigsten Kindle aller Zeiten. Mit 170 Gramm zählt der Kindle tatsächlich zu den leichtesten E-Book-Readern - und der Preis von 99 Euro ist auch nicht schlecht. Das Design ist eher schlicht gehalten, der Kindle ist anthrazitfarben, wobei der Rand in einem etwas dunkleren Ton gehalten ist. Auch die Rückseite ist in zwei grauen Farbtönen gehalten. Die Rückseite besteht nicht aus einem Block, denn zumindest beim Testgerät klappert diese leicht, da beide Teile etwas Spielraum besitzen - unschön.

Display und Setup

Das Display des Kindle ist sechs Zoll groß. Zum Einsatz kommt wie bei den meisten anderen E-Book-Readern auch die E-Ink-Technologie. Einen Touchscreen besitzt der Kindle allerdings nicht. Der Text ist auch bei hellem Licht gut lesbar und die Blickwinkel sind groß, da die Anzeige kaum spiegelt. Dadurch, dass der Rand um das Display sehr flach ist, wirft dieses auch kaum störende Schatten.

Das Einrichten des Kindles gestaltet sich sehr einfach, sofern der Nutzer den Kindle für sich selbst bestellt. Amazon verknüpft den E-Book-Reader direkt mit dem eigenen Amazon-Konto, sodass dieser fertig eingerichtet beim Nutzer ankommt. Anders ist dies, wenn der Nutzer im Bestellvorgang angibt, dass der Kindle als Geschenk verschickt werden soll. In diesem Fall kann ausgewählt werden, dass ein anderes Konto als das eigene eingesetzt wird und der E-Book-Reader wird unregistriert verschickt. Der Empfänger muss das Setup dann selbst durchführen.

Die Bedienoberfläche

Die Bedienoberfläche des Kindle ist sehr schlicht gehalten. Im Home-Bereich werden sämtliche auf dem Kindle vorhandenen Dokumente und Sammlungen angezeigt. Dabei handelt es sich um eine reine Aufzählung in Textform. Auf die Darstellung von Covern, was optisch ansprechender wäre und bei anderen Herstellern eingesetzt wird, verzichtet Amazon.

Per Voreinstellung werden die neuesten und zuletzt geöffneten Inhalte oben angezeigt. Zu sehen ist dabei der Anfang des Titels sowie der jeweilige Autor. Falls ein Nutzer viele Bücher auf dem Kindle hinterlegt, kann es schnell unübersichtlich werden. Um mehr Ordnung zu schaffen, kann der Nutzer Sammlungen anlegen und dort Bücher gruppieren.

Neben den Büchern, die auf dem Kindle gespeichert sind, kann der Nutzer über die Startseite noch auf das Archiv zugreifen. Amazon hinterlegt sämtliche Einkäufe oder Inhalte, die auf den Kindle übertragen werden in der Cloud. Falls zum Beispiel ein Titel vom E-Book-Reader gelöscht wurde, kann er über das Archiv ganz einfach bei Bedarf erneut heruntergeladen werden.

Das Menü wird über eine gesonderte Taste aufgerufen. Hierüber gelangt der Nutzer zum Beispiel in den Kindle-Shop, ins Archiv oder zu den Einstellungen. Bei den Einstellungen kann unter anderem der Benutzer verändert sowie die WLAN-Verbindung eingerichtet werden. Hier kann auch ein Twitter- und Facebook-Account hinterlegt werden, falls der Nutzer Textstellen mit Freunden teilen möchte.

In den Einstellungen versteckt sich auch die Möglichkeit, beliebte Markierungen auszublenden. Beim Test ist es vorgekommen, dass beim Lesen eines Buchs auf einmal Textmarkierungen aufgetaucht sind, die nicht selbst vorgenommen wurden. Amazon stellt hier von vornherein ein, dass die Passagen, die von anderen Nutzern am häufigsten markiert wurden, automatisch angezeigt werden. Streckenweise beeinträchtigt dies allerdings den Lesefluss.

Hinter dem Menüpunkt "Experimentell" verbirgt sich ein Browser, der von Amazon derzeit noch getestet wird. Zu Recht: Die Navigation gestaltet sich über das Steuerkreuz umständlich. Außerdem werden Webseiten nicht automatisch an die Displaygröße des E-Book-Readers angepasst. Spaß macht das Surfen auch dadurch nicht, dass die Darstellung nur in Graustufen und nicht in Farbe erfolgt.

Die Bedienung

Amazon verzichtet bei dem 99-Euro-Kindle sowohl auf einen Touchscreen als auch auf eine Tastatur. Der Nutzer bewegt sich durch die Bedienoberfläche oder Bücher anhand eines 5-Wege-Steuerkreuz und von vier Navigationstasten. Es gibt eine Zurück-Taste, eine Taste zum Aufrufen der Tastatur sowie die Menü-Taste und einen Home-Button.

Die Verwendung der Pfeiltasten des Steuerkreuzes variiert, je nachdem in welchem Bereich sich der Nutzer befindet. Ist der Startbildschirm geöffnet, wird mit der oberen und unteren Taste durch die Inhaltsliste navigiert. Ist ein Buch geöffnet, bewegt der Nutzer damit den "Mauszeiger", um zu einem bestimmten Wort zu kommen. Bleibt der Nutzer bei einem Wort stehen, wird automatisch eine Definition des Begriffs in der Sprache des Buchs angezeigt. Um aus diesem Modus wieder herauszukommen, muss die Zurück-Taste verwendet werden, was nicht sehr intuitiv ist.

An der linken und rechten Seite befinden sich die Tasten, mit denen umgeblättert werden kann. Allerdings heben sich die Tasten kaum vom Rahmen ab, sodass sie nur schwer zu ertasten beziehungsweise in dunkleren Umgebungen kaum zu erkennen sind. Beim Testen kam es vor, dass der Einsatz der Steuerkreuz-Pfeiltasten nach rechts und links teilweise mit den Umblättertasten vertauscht wurde. So werden die an den Seiten angebrachten Tasten zum Beispiel auch verwendet, um im Startbereich auf die nächste Seite zu kommen. Da man allerdings mit dem Steuerkreuz durch die Bücherliste nach oben und unten navigiert, ist man dazu verleitet zu denken, dass man auch mit dem Steuerkreuz zwischen den Seiten wechseln kann.

Amazon Kindle

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Kindle: Die neueste Version des E-Book-Readers von Amazon kommt ohne Namenszusätze aus und kostet 99 Euro. (Bild: netzwelt)

Der Verzicht auf einen Touchscreen beziehungsweise eine physikalische Tastatur macht sich zum Beispiel bei der Suche nach Büchern im Shop bemerkbar. Die virtuelle, alphabetisch angeordnete Tastatur muss umständlich mit dem Steuerkreuz bedient werden. Immerhin macht Amazon im Shop während der Eingabe Vorschläge, sodass der Nutzer nicht immer den kompletten Titel oder Autor-Namen eingeben muss. Falls der Nutzer aber eine Notiz zu einer Textpassage in einem Buch hinterlegen will, ist die Bedienung auf Dauer nervig, zeitraubend und unpraktisch.

Der Shop und das Übertragen von Büchern

Der Kindle-Shop unterteilt in deutsche Bücher, englische Bücher, Zeitungen und Zeitschriften. Auch die Kindle-Bestseller und -Neuheiten sind auf der Shop-Startseite hinterlegt. Hier zeigt Amazon zudem Empfehlungen für den Nutzer anhand bisher getätigter Einkäufe an. Derzeit stehen über 50.000 deutsche E-Books und über 900.000 fremdsprachige zur Auswahl. Amazon unterteilt die Bücher in 22 Kategorien, die Titel in den Kategorien sind nach Bestsellern sortiert. Leider werden die Preise nicht bei der Auflistung der Bücher angezeigt, sondern erst wenn der Nutzer einen Titel anklickt. Auch kostenlose Bücher werden anders als auf Amazon.de nicht getrennt gelistet. Der Nutzer hat auch nicht die Möglichkeit, nach dem Preis zu sortieren.

Hat sich der Nutzer für einen Titel entschieden, so ist dieser in einigen Sekunden bereits auf den E-Book-Reader geladen. Der Kauf eines Buchs ist mit nur einem Klick erledigt. Praktischerweise kann der Kauf aber direkt wieder storniert werden, falls man einen Titel versehentlich erworben hat. Allgemein können Bücher sieben Tage lang zurückgegeben werden. Hierfür muss sich der Nutzer per E-Mail oder Telefon an den Support wenden.

Wer sich lieber auf Amazon.de nach passenden Büchern umsieht, kann wählen, ob er ein Buch direkt an den Kindle senden möchte, der den Titel dann gleich lädt. Falls der Reader gerade nicht mit dem WLAN verbunden ist, kann das E-Book auch auf dem Computer gespeichert oder an die Kindle-Software des Rechners gesendet werden. Amazon hinterlegt den Titel dann auch im Archiv des Lesegeräts, sodass der Nutzer nicht zwangsläufig eine Kabelverbindung benötigt, um das Buch zu übertragen. Wenn wieder eine WLAN-Verbindung steht, kann der Titel einfach direkt aus dem Archiv geladen werden.

Eine Kabelverbindung ist auch dann nicht nötig, wenn der Nutzer eigene Dokumente oder nicht bei Amazon gekaufte E-Books auf den Kindle übertragen möchte. Jedem Kindle wird automatisch eine E-Mail-Adresse zugewiesen. An diese können dann Dokumente geschickt werden, die auf dem Reader gespeichert werden. Um Spam zu vermeiden, müssen Absender, die nicht der E-Mail-Adresse des Amazon-Kontos des Nutzers entsprechen, extra über die Amazon-Seite genehmigt werden.

Mit dem Kindle lesen

Der Kindle unterstützt folgende Dateitypen: AZW (Kindle), TXT, PDF, ungeschützte MOBI, PRC jeweils nativ sowie HTML, DOC, DOCX, JPEG, GIF, PNG, BMP nach einer durch Amazon vorgenommenen Konvertierung. Es fällt auf, dass das weit verbreitete EPUB-Format fehlt. Amazon selbst setzt ein proprietäres Format ein, sodass Bücher, die über den Online-Händler gekauft wurden, nicht auf E-Book-Reader anderer Hersteller übertragen werden können.

Der Nutzer kann bei E-Books über das Menü die Schriftgröße verändern, acht Stufen stehen zur Wahl. Die Schriftart kann nur zwischen normal, schmal und Sans Serif verändert werden. Ebenfalls einstellbar sind der Zeilenabstand und die Anzahl der Wörter pro Zeile. Der Nutzer kann zudem festlegen, ob das Buch im Hoch- oder Querformat angezeigt werden soll, automatisch ändert sich die Orientierung jedoch nicht. Während mit den seitlichen Tasten jeweils um eine Seite umgeblättert wird, kann mit den Pfeiltasten des Steuerkreuzes direkt von Kapitel zu Kapitel gesprungen werden.

Der Kindle kann zwar PDFs darstellen, allerdings eignet sich die Anzeige nicht für Dateien nach dem DINA-4-Format. Die Schriftgröße ist dann sehr klein und die Schrift wirkt unscharf. Zwar kann gezoomt werden, allerdings bricht die Schrift dann nicht automatisch neu um. Dadurch wird das Lesen sehr umständlich, da immer nach rechts und links gesteuert werden muss, um eine Zeile lesen zu können.

Aktuelle Preise
Shop Preis Bewertung
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Gebraucht ab ?
Keine Bewertung
netzwelt
5.6
Amazon Kindle
Vorteile
  • direkter Zugriff auf Amazon
  • Cloudanbindung
Nachteile
  • Bedienung ist nicht intuitiv
  • kleinere Verarbeitungsmängel
  • keine EPUB-Unterstützung
  • kein PDF-Reflow

Günstiger Minimalist

Der Kindle von Amazon überzeugt besonders durch seine Cloud-Anbindung. Bücher, die über Amazon.de gekauft wurden, lassen sich kabellos per WLAN einfach auf den Reader übertragen. Einmal erworbene Bücher können außerdem jederzeit erneut auf den E-Book-Reader geladen werden. Ebenfalls praktisch ist die Möglichkeit, Dokumente per E-Mail an das Lesegerät zu senden. Während des gesamten Tests war es nicht nötig, den Kindle auch nur einmal per Kabel mit dem Rechner zu verbinden. Von Vorteil ist auch, dass der Kindle einsatzbereit beim Nutzer ankommt, außer er möchte ihn verschenken. Ein Setup ist nicht mehr nötig, da das Amazon-Konto des Nutzers bereits hinterlegt ist. Dadurch müssen zum Beispiel auch keine Bankdaten mehr hinterlegt werden. Das Einkaufen und Lesen kann direkt beginnen. Über kostenlose Apps können die Bücher auch auf dem PC, Mac, iOS- oder Android-Gerät gelesen werden. Minuspunkte sammelt der Kindle durch die Bedienung. Diese ist teilweise nicht intuitiv und durch das Fehlen eines Touchscreens oder einer physischen Tastatur an manchen Stellen recht umständlich. Die Bedienoberfläche ist schon fast ein wenig zu simpel gehalten, eine optisch ansprechendere Gestaltung wäre wünschenswert. Auch die Verarbeitung des Geräts kann nicht gänzlich überzeugen. Falls der Nutzer nicht vor hat, viele Notizen anzulegen und auch nicht viel Wert legt auf eine nett gestaltete Bedienoberfläche, ist der Kindle für 99 Euro aber auf jeden Fall eine sehr gute Option.


Einzelergebnisse
1
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6
7
8
9
10
Design/Verab.
5
Anzeige
5
E-Book-Store
8
Bedienung
6
Software
4
Einsortierung
Amazon Kindle von Amazon wurde als E-Book Reader abgelegt. Zusätzlich wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Mobile, Testbericht, Digitalkamera, Mobile Computing, E-Book, Amazon, E-Book Reader, Amazon Kindle und Review .
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Amazon Kindle im Test: Jetzt auch mit deutscher Menüführung
Für 99 Euro bietet Amazon den neuen Kindle an. Dieser zeichnet sich durch diverse Cloud-Funktionalitäten und die Verknüpfung mit dem Amazon-Konto des Nutzers aus.
http://www.netzwelt.de/news/89744-amazon-kindle-test-deutscher-menuefuehrung.html
2011-12-03 12:33:44
http://img.netzwelt.de/dw320_dh240_sw320_sh240_sx430_sy514_sr4x3_nu0/picture/original/2014/08/amazon-kindle-produktbild-114916.jpeg
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