140 Millionen Geräte weltweit betroffen

CarrierIQ: Netzbetreiber-Software spioniert Handy-Nutzer aus

Die Firma CarrierIQ stellt Analysesoftware für Handy-Hersteller und Mobilfunkbetreiber her. Das gleichnamige Programm kommt mittlerweile auf über 140 Millionen Geräten weltweit zum Einsatz. Sie soll helfen, Gesprächsabbrüche zu vermeiden und die Akku-Laufzeiten zu verbessern. Warum das Unternehmen dafür aber Tastenanschläge, SMS und weitere sensible Informationen ohne Wissen des Nutzers protokolliert, ist fraglich.

CarrierIQ sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. (Bild: Screenshot)
CarrierIQ sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. (Bild: Screenshot)

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Abschalten nahezu unmöglich
  2. 2In Europa noch nicht nachgewiesen
  3. 3Hersteller verteidigt sich
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"Wir geben Mobilfunkanbietern und Handy-Herstellern einen beispiellosen Einblick in das mobile Erlebnis ihrer Kunden", schreibt CarrierIQ auf seiner Webseite. Was der 25-Jährige Trevor Eckhart aus Conneticut zufällig auf seinem Android-Handy entdeckte und in einem YouTube-Video festhielt, ist wirklich beispiellos. Die tief ins System eingenistete App hat es in sich: Sie kann Audio-Aufnahmen machen, Telefonnummern anrufen, SMS-Nachrichten auslesen, die Telefoneinstellungen verändern und noch mehr. Über den USB-Debugging-Modus demonstriert Trevor Eckhart in dem Video auch, dass die Software nicht nur die Erlaubnis hat, entsprechende Aktionen durchzuführen, sondern es auch tut. Unter anderem liest sie sogar den Inhalt einer SMS aus.

Abschalten nahezu unmöglich

Besonders perfide: Die Applikation ist bestens versteckt. Sie wird automatisch mit Android gestartet, wird aber nicht in der Liste der laufenden Dienste angezeigt. Ein Stoppen ist nicht möglich. Entfernen lässt sich die Software laut Eckhart nur durch ein Ersetzen des Betriebssystem auf dem Handy durch eine alternative Firmware wie etwas das Cyanogen-Mod.

Trevor Eckhart demonstriert, was die CarrierIQ-Software alles aufzeichnet. (Quelle: YouTube)

Auf welchen Geräten CarrierIQ zum Einsatz kommt, ist bislang unklar. Vor allem in den USA soll das Programm von Netzbetreibern genutzt werden und zwar nicht nur auf Android-Handys, sondern auch auf BlackBerry- und Nokia-Geräten. Auch in Apples iOS wurden Hinweise auf CarrierIQ gefunden, berichtet das US-Online-Magazin The Verge. Für Android-Handys hat Eckhart eine App entwickelt, die testet, ob auf dem Smartphone die Software installiert ist.

In Europa noch nicht nachgewiesen

In Deutschland beziehungsweise Europa wurde die Software bislang noch nicht auf Geräten gefunden. Gegenüber der Wirtschaftszeitung Handelsblatt erklärte Nokia, dass die Software in Europa nicht eingesetzt werde. Bei unabhängigen Recherchen des Handelsblattes und von netzwelt wurde auf einem HTC-Handy allerdings eine verdächtige Software entdeckt, bei der es sich um eine Variante der CarrierIQ-Software handeln könnte.

Bei der verdächtigen Software handelt es sich um die App "HTC Report Agent". Sie startet automatisch mit Android, läuft im Hintergrund, wird aber nicht in den laufenden Diensten angezeigt. Unter anderem besitzt sie das Recht auf den Standort, das Internet sowie persönliche Informationen des Nutzers zuzugreifen. Sie zeigt also das Verhalten der CarrierIQ-Software, die App von Eckhart gab im netzwelt-Test aber keinen Alarm aus. Eine Anfrage zu der App bei HTC läuft noch. Weitere Tests von netzwelt mit Android-Smartphones von Samsung, ZTE, Motorola und Sharp verliefen ebenfalls negativ.

Eckhart bietet eine App an, um zu prüfen, ob das Handy mit der CarrierIQ-Software versehen ist. (Bild: XDA-Developers)
Eckhart bietet eine App an, um zu prüfen, ob das Handy mit der CarrierIQ-Software versehen ist. (Bild: XDA-Developers)

Hersteller verteidigt sich

CarrierIQ selbst distanziert sich von den Vorwürfen. Die Software zeichne weder Tastenanschläge noch den Inhalt von SMS oder E-Mails auf und tracke auch nicht die Nutzer. Daten würden zudem nicht in Echtzeit an die Provider übertragen und ein Verkauf der Daten an Dritte finde nicht statt. Eine angedrohte Unterlassungsklage gegen Eckhart hat das Unternehmen mittlerweile aber auf Druck der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) zurückgezogen. Man wolle nun mit Eckhart und der EFF über die Thematik diskutieren, teilte CarrierIQ mit.

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Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir folgende redaktionelle Übersichten erstellt: Android, App und Android App.

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