Kampf an allen Fronten
Im Kurztest: Battlefield 3
Das Geschäft mit dem virtuellen Krieg ist ein einträgliches. Und bislang verdiente daran fast ausschließlich der Publisher Activision Blizzard mit seiner Shooter-Reihe "Call of Duty". Deren Ableger verkaufen sich millionenfach, landen regelmäßig im "Guinessbuch der Rekorde". Um diese Vormachtstellung zu brechen, brachte EA nun unter gigantischem Marketing-Getöse seinen Konkurrenztitel "Battlefield 3" in Stellung. Doch der PC-, PS3- und Xbox-360-Titel hat momentan in erster Linie mit Datenschützern und schlechter Presse zu kämpfen.
Battlefield 3 - Back to Karkand Gameplay Premiere Trailer: Beliebte Mehrspieler-Karten aus dem Vorgänger wurden in neuer Optik auch für Battlefield 3 neu aufgelegt. So können Spieler erneut in Karkand oder am Golf von Oman kämpfen. Dieser Trailer gibt einen optischen Eindruck der Karten und zeigt, wie diese sich im Spielgeschehen präsentieren. Der Shooter ist für die PlayStation 3, die Xbox 360 und den PC erhältlich. Zum Video: Battlefield 3 - Back to Karkand Gameplay Premiere Trailer
"Battlefield 3" ist in aller Munde - nicht nur wegen seines hervorragend umgesetzten Mehrspielermodus'. Schuld daran ist "Origin", eine Software, die für das Starten auf dem PC Grundvoraussetzung ist, vereint sie doch Kopierschutz und Online-Vertriebsplattform in einem. Nach Meinung von Datenschützern interessiert sich das Programm jedoch viel zu sehr für die Daten des Rechners. Die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der Software verstießen zudem in vielerlei Hinsicht gegen geltendes deutsches Recht, heißt es.
Käufer sind empört, Tausende machen ihrem Unmut mittels schlechter Bewertungen bei Online-Händlern Luft, andere haben eine Petition unterzeichnet, die ein Verkaufsverbot des Spiels fordert. Media Markt und Co haben bereits reagiert und nehmen das Spiel wegen "Origin" zurück - und das, obwohl EA selbst mittlerweile erste Konsequenzen gezogen und die Nutzungsbestimmungen verändert hat. Nicht genug jedoch nach Meinung von Experten, Nordrhein-Westfalens oberster Datenschützer fordert vom Publisher eine Erklärung für die datenhungrige "Schnüffelsoftware".
Viel Aufregung, wenig Nutzen für "Battlefield 3", von dem EA allein in den ersten Tagen nach der Veröffentlichung weltweit über zehn Millionen Exemplare ausgeliefert hat. Denn jenseits des Datenschutzdesasters zählt "Battlefield 3" zu jener Gattung Spiel, die technisch Maßstäbe setzt und die Anschaffung neuer Hardware rechtfertigt. Der Shooter bietet zumindest auf dem PC spektakuläre Grafiken und einen herausragenden Mehrspielermodus.
Die Solo-Kampagne hingegen fällt im Vergleich zu den Online-Gefechten deutlich ab. Eine herbe Enttäuschung, betonten die Designer doch immer wieder, der "Battlefield"-Reihe erstmals eine ernsthafte Kampagne zu bescheren. Dies ist zwar richtig, doch im Vergleich mit "Call of Duty: Modern Warfare" ziehen der "Terroristen bedrohen die Welt"-Plot und dessen Inszenierung eindeutig den Kürzeren. Da hilft es auch nicht, dass sich der schwedische Entwickler Dice munter den großen Konkurrenten zum Vorbild genommen und bei Aufbau und Inszenierung der Geschichte fleißig kopiert hat.
So schlüpfen die Spieler bei der Hatz nach Atomsprengköpfen in die Rollen von verschiedenen Soldaten im Iran, Irak, Frankreich oder den USA, nehmen an Bord eines Panzers oder Kampfjets Platz und erleben hier und da dramtisch inszenierte Zeitlupen- und Quicktime-Momente, bei denen zur rechten Zeit der richtige Knopf gedrückt werden müssen. Zugegeben, das ist bei "Modern Warfare" nicht anders, doch stimmen hier Bombastfaktor und Tempo. War die Atombombenexplosion in "Modern Warfare 1" eine grausame Überraschung, die sich ins Gehirn eingebrannt hat, wird eine ähnliche Situation in "Battlefield 3" mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen - wenn überhaupt.
Auch sonst bietet die Kampagne von "Battlefield 3" wenig Neues: Feinde strömen aus dem Nichts auf den Gegner zu, bis eine bestimmte Aufgabe erledigt oder ein vorgegebener Punkt erreicht wurde. Der simulierte Krieg läuft streng nach Skriptplan ab, alternative Wege gibt es in den engen Schlauchleveln nicht. Da mutet es fast schon albern an, dass ein Todes-Countdown läuft, sollte der Spieler es wagen, sich zu weit von der Wegvorgabe zu entfernen.
Immerhin sorgt die sogenannte Frostbite-2-Engine dafür, dass die Kampagne zumindest auf dem PC die optische Messlatte in schwindelerregende Höhen legt: "Battlefield 3" trumpft mit sensationellen Licht- Schatten- und Partikeleffekten auf. Dazu begeistert der Titel mit butterweichen Animationen. Die Konsolenfassung fällt indes qualitativ ab und entspricht in etwa der "Gering"-Einstellung der PC-Fassung, was sich in Form von matschigen Texturen und weniger Details niederschlägt. Xbox-360-Besitzer sollten auf jeden Fall eine Festplatteninstalltion des 1,5 Gigabyte großen Texturpakets vornehmen. Störend wirkt jedoch, dass es die Macher scheinbar nicht geschafft haben, die Charaktere lippensynchron sprechen zu lassen. Dafür besitzt der Sound systemübergreifend Referenzcharakter. Explosionen, Schussgeräusche und Wortfetzen tönen mit Wucht und perfekt positioniert aus den Boxen, was im Mehrspielermodus überlebenswichtig ist.
Der dürfte dafür sorgen, dass "Battlefield 3" auch dann noch gespielt wird, wenn die Geschehnisse der Kampagne und die Datenschutz-Diskussion längst Schall und Rauch sind: Bis zu 24 Konsolen-Besitzer ziehen in den Kampf, auf dem PC sogar bis zu 64 Internet-Krieger. Es gibt vier Klassen, Veteranen des zweiten Teils müssen sich umgewöhnen. Allerdings hat Entwickler Dice die Fähigkeiten sinnvoll verteilt: Ein Sturmsoldat agiert beispielsweise sowohl als Todesengel als auch Feldarzt, der Scharfschütze ist gleichzeitig Scout.
Im Test: Battlefield 3
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Bild vergrößern Großer kommerzieller Erfolg und PR-Desaster in einem: "Battlefield 3" macht sowohl durch seine spetakuläre Technik als auch durch seine Datenschutzverletzungen von sich reden. (Bild: EA) - Bild 2 von 11
Bild vergrößern In der Solokampagne verschlägt es den Spieler an die unterschiedlichsten Krisenherde - unter anderen in den Irak und Iran. (Bild: EA) - Bild 3 von 11
Bild vergrößern Abgehoben: Eine Mission bestreitet man auch an Bord eines Kampfjets. (Bild: EA) - Bild 4 von 11
Bild vergrößern Auch Panzerschlachten stehen in "Battlefield 3" auf dem Programm. Dabei lässt die verwendete Grafik-Engine die Konkurrenz mächtig Staub schlucken. (Bild: EA) - Bild 5 von 11
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Der Fuhrpark kann sich sehen lassen: 22 Jeeps, Jets und Panzer können gelenkt werden. Die Karten sind abwechslungsreich ausgefallen und erstklassig designt. Die zerstörbaren Umgebungen sorgen einmal mehr für taktische Vielfalt und spannende Duelle mit viel Bewegung, weshalb das Fazit eindeutig ausfällt: Aufgrund der Solo-Kampagne muss niemand "Battlefield 3" besitzen. Hier dürfte das kommende "Modern Warfare 3" klar zeigen, wie völlig überzogene und deshalb filmreife Action auszusehen hat. Doch wer mehr Zeit im Online-Kampf mit den Freunde verbringt, darf sich den Titel nicht entgehen lassen.
Datenblatt
| Battlefield 3 | |
| Spielname | Battlefield 3 |
| Hersteller | DICE |
| Vertrieb | Electronic Arts |
| Genre | Action |
| Erhältlich ab | 27.10.2011 |
| Preis | ca. 60 Euro |
| EAN Code | 5030932102997 |
| Schwierigkeit | Für Fortgeschrittene und Profis |
| Alter | ab 18 Jahren |
| Multiplayer | Vorhanden |
| Sonstiges | Minimum DualCore-CPU mit 2 GHz, 2 GB RAM, 20 GB freier Festplattenspeicher, Grafikkarte mit 512 MB RAM, Internetverbindung |
| Bewertung Grafik | sehr gut |
| Bewertung Steuerung | sehr gut |
| Bewertung Sound | sehr gut |
| Bewertung Spielspass | gut |
| Bewertung Gesamt | sehr gut |
| System | PC |
| System | PS3 |
| System | Xbox 360 |
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Beiträge
insgesamt 2 BeiträgeGerade dieses "Browserinterface" finde ich sehr gut. Man sieht alles schön auf einen Blick. Man kann den Freunden super nachjoinen. Das einzige was dabei doof ist, dass man bei Serverwechsel aus dem...
Es ist ein Skandal, dass ein so guter Titel unter der Datensammelleidenschaft von EA in Form von Origin leiden muss. Der Titel ist grandios und bekommt durchweg sehr gute Bewertungen. Lediglich das Browserinterface...