Illegales Überwachungssystem?
London: Scotland Yard kann Handys abhören und fernsteuern
Die Londoner Polizei hat offenbar ein neues Überwachungssystem gekauft, das sich selbst als Mobilfunknetz tarnt. Außerdem soll es Signale aussenden, mit denen Scotland Yard mobile Telefone aus der Entfernung abschalten und abhören kann.

Entsprechende Informationen will die britische Tageszeitung The Guardian in Regierungsprotokollen gelesen haben, die das System als "Listed X" klassifizierten. Erworben habe die Metropolitan Police die neue Technik von der Firma Datong plc, die auch den US-amerikanischen Sercret Service zu ihren Kunden zählt. Das Überwachungssystem hat demnach eine Reichweite von bis zu 10 Quadratkilometern, innerhalb der die eindeutige International Mobile Subscriber Identity (IMSI) und International Mobile Equipment Identity (IMEI) von Hunderten Mobiltelefonen angefordert und eingefangen werden kann. Dies ermöglicht die Personenverfolgung in Echtzeit.
Technologie auf Messe vorgestellt
Wie die Zeitung berichtet, wurde die Technologie von Datong plc auf der Defence Security and Equipment International (DSEi) Messe Mitte September in London vorgestellt. Dort wurde gezeigt, dass das System ermöglicht, SMS und Anrufe abzufangen, indem es Mobiltelefonen vorspielt, es sei ein Mobilfunknetzwerk. In diesem könne das System auch für einen "Denial of Service"-Angriff sorgen, der das Gerät abschaltet.
Um die Technik zu verwenden, müsse lediglich ein Transceiver von der Größe eines Koffers in die Nähe des zu observierenden Gebiets gebracht werden. Auf diesen soll Scotland Yard auch aus größerer Entfernung zugreifen können. Dem Guardian liegen angeblich Dokumente vor, die belegen, dass Gelder der Londoner Polizei für den Erwerb einer "ICT Hardware" an Datong plc geflossen sind.
Bürgerrechtler haben Bedenken
Die Londoner Polizei will die Veröffentlichungen nicht näher kommentieren, betont jedoch, dass sich alle Maßnahmen im gesetzlich festgelegten Rahmen abspielten. Bürgerrechtler bezeichnen die Technologie von Datong plc jedoch als äußerst bedenklich, so der Guardian.
