Übersicht über staatliche Anfragen im ersten Halbjahr 2011
Google-Transparenzbericht: Deutschland lässt die meisten Inhalte löschen
Google hat den Transparenzbericht über Regierungsanfragen für das erste Halbjahr 2011 veröffentlicht. Erstmals weist der Konzern dabei auch die Anzahl der betroffenen Accounts aus. Insgesamt erreichten Google von Januar bis Juni 15.640 Regierungsanfragen zu Nutzerdaten, fast 1.500 mehr als im zweiten Halbjahr 2010. Die Anfragen betrafen 25.398 Konten. Deutschland zählt zu den Top 5 der Anfragensteller, bei den zu löschenden Inhalten ist Deutschland sogar einsame Spitze.

Staatliche Stellen aus Deutschland richteten in den vergangenen sechs Monaten 1.060 Mal ein Gesuch auf die Herausgabe von Nutzerdaten an Google. Angefragt wurden die Daten von 1.759 Nutzern. Google entsprach den Gesuchen in 67 Prozent der Fälle. Mehr Anfragen an Google als Deutschland richteten nur Großbritannien, Frankreich, Indien und die USA, die mit fast 6.000 Anträgen einsamer Spitzenreiter in der Rangliste sind. Das zweitplatzierte Indien stellte 1.739 Anfragen. Den insgesamt fast 16.000 Regierungsanfragen entsprach Google durchschnittlich in 54 Prozent der Fälle - und gab Nutzerdaten zumindest teilweise frei.
Löschanträge: Deutschland lässt die meisten Inhalte löschen
Neben Anfragen zu Nutzerdaten erreichen Google auch Löschanträge von Regierungen. Deutsche Behörden stellten hier 125 Anträge. Interessanter als die bloße Zahl der Anträge ist aber die Zahl der in diesen Anträgen genannten zu löschenden Inhalte. Hier ist Deutschland einsamer Spitzenreiter: Mit 125 Anträgen wollten deutsche Behörden insgesamt 2.405 Inhalte aus dem Netz entfernen lassen. Zum Vergleich: Brasilien stellte mit 224 Anträgen zwar fast doppelt so viele wie Deutschland, wollte aber nur knapp 690 Inhalte entfernen lassen und liegt damit auf Rang vier. Vor Brasilien liegen außer Deutschland noch Großbritannien (92 Anträge, 757 zu löschende Inhalte) und Norwegen (2 Anträge, 1.814 zu löschende Inhalte)
Google gab den Löschgesuchen aus Deutschland in 86 Prozent der Fälle statt - 2.086 der 2.405 beanstandeten Inhalte wurden also von Google gelöscht. Bei den Löschgesuchen aus Deutschland handelt es sich laut Google um Gesuche der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, die den Suchgiganten bat, bestimmte jugendgefährdende Seiten nicht mehr in den Suchergebnissen zu listen, etwa die Läster-Webseite iShareGossip. Eine Strafverfolgungsbehörde in den USA forderte dagegen die Entfernung eines YouTube-Videos, das angeblich Polizeigewalt zeige. Dieser Bitte kam Google nicht nach. Den Transparenzbericht für das zweite Halbjahr 2010 finden Sie hier.
