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Gigaset SL910A im Test: Schnurlos-Telefon mit Touch-Display
Für rund 170 Euro

von Alexander Zollondz Uhr veröffentlicht

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Festnetz-Telefon mal anders: Gigaset portiert das Touch-Erlebnis auf das SL910A und gestaltet das Gerät mit einem berührungsempfindlichen Display. Die Bedienung hat aber auch ihre Schwächen.

Anfassen und fummeln: Gigaset bringt mit dem SL910 A ein wertiges DECT-Telefon mit Touch-Display auf den Markt. Die Bedienung ist mehr als bloße Spielerei, kann an einigen Punkten aber nicht ganz überzeugen.

Mit seinem edlen Metallrahmen erinnert das Gigaset SL910 A an das Design des iPhone 3G oder 3GS, wenngleich der Rücken des Festnetztelefons stärker gewölbt ist. Auch die Displaygröße unterscheidet sich: Das SL910 A besitzt einen kleineren Bildschirm (3,2 Zoll) als das Apple-Gerät (3,5 Zoll). Gleichwohl ragt es rund zwei Zentimeter über das i-Gerät hinaus in die Höhe und wiegt rund 30 Gramm mehr.

Die Smartphone-Ähnlichkeiten treten auch bei der Bedienung hervor: Das Mobilteil bedient der Nutzer mit Wisch- und Tipp-Gesten überwiegend über ein kapazitives Full-Touch-Display. Eine mittlere Menütaste am unteren Displayrand dient allerdings zum Aufrufen des Startmenüs, zwei daneben platzierte Buttons zum Annehmen und Auflegen bei Gesprächen.

Träger Touchscreen

Die Darstellung der Anwendungen erfolgt über die von der App-Kultur auf Smartphones bekannten Programmsymbole, wobei sich die Icons nicht in Farbe, sondern in Schwarz-Weiß vom dunklen Hintergrund abheben. Skalieren lassen sich die Apps nicht. Weil das Gerät keinen Lagesensor besitzt, passt sich die Anzeige auch nicht bei Displaydrehung an.

Die Touch-Bedienung ist insgesamt recht schwergängig und führt zu leichten Nachzieheffekten bei Wischgesten, was aber weniger am sensitiven Display, als am integrierten Prozessor liegen dürfte. Nach Angaben des Herstellers werkeln zwei Chips im Inneren des Telefeons: Ein DECT-Chip steuert die Sprachkommunikation, ein zweiter Prozessor ist für Applikationen verantwortlich (System-on-a-Chip-Architektur). Zum Einsatz kommt eine Komponente, die auf einem ARM9-Core basiert. Die relativ geringe Taktfrequenz von 454 Megahertz bremst die träge Bedienung zusätzlich ein.

Individualisierbare Home-Screens 

Funktionen der Basis und des Mobilteils sind über das Hauptmenü erreichbar, das in Einstellungen und Anwendungen unterteilt ist. Jede Seite erreicht der Nutzer entweder per Wischgeste nach links oder rechts oder alternativ mit Steuerpfeilen am oberen Bildschirmrand. Aus einzelnen Apps heraus lässt sich per Auflegen-Taste wieder auf den Startbildschirm zugreifen.

Für den Schnellzugriff auf Funktionen stehen drei Home-Screens zur Verfügung, einer davon ist fest mit dem Wahlfeld belegt. Eine zweite Seite zeigt eingegangene Anrufe, SMS, Erinnerungen, Termine sowie neue Nachrichten auf dem Anrufbeantworter an. Frei konfigurieren mit Anwendungssymbolen oder Kurzwahlen lässt sich eine dritte Startseite, indem man per Finger kurz auf einen Seitenbereich drückt. Auf das Display passen aber insgesamt nur sechs Anwendungen, ein weiterer Home-Screen lässt sich nicht erstellen.

Gigaset SL910A: DECT-Telefon mit Touch-Display

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Das SL910 kostet rund 150 Euro, mit Anrufbeantworter werden knapp 170 Euro fällig. (Bild: netzwelt)

Umfangreiches Adressbuch

Das Kontaktbuch des Gigaset SL910A ist üppig ausgestattet: Es speichert bis zu 500 Einträge, wobei sich per Picture-Clip auch Bilder des Anrufers der Rufnummer zuordnen lassen. Dann wird das Foto bei einem erneuten Anruf auf dem Display angezeigt. 20 Klingelmelodien - fünf davon polyphon - sind allerdings wenig für ein Telefon der Oberklasse. Der Anrufbeantworter zeichnet Anrufe mit einer Gesprächszeit bis zu 55 Minuten auf.

Per Mini-USB-Anschluss oder Bluetooth synchronisiert der Nutzer komfortabel Adressbucheinträge, Bilder oder Klingeltöne auf PC und Macs. Für den Abgleich ist die kostenlose Synchronisationssoftware QuickSync erforderlich. Diese ermöglicht den Transfer von Kontakten via Outlook, Windows-Kontakten oder dem Mac-Adressbuch.

Speicherplatz knapp bemessen

Im Telefon-Explorer-Modus lädt der Nutzer zudem Audiodateien, Fotos für Diashows, Anruferlisten oder Anzeigebilder für den Bildschirmschoner hoch. Zur Übergabe von Klingeltönen steht ein simpler Audioeditor zur Verfügung, mit dem die Dateien zugeschnitten werden können. Insgesamt stehen aber nur knapp 3,5 Megabyte Speicherplatz für den Upload von Multimedia zur Verfügung. Die Kapazität lässt sich vergößern, indem bereits vorinstallierte Dateien wie Klingeltöne gelöscht werden.

Bei Bedarf fungiert das Gigaset SL910A auch als Raumüberwacher und ruft eine Zielrufnummer an, wenn im Zimmer ein bestimmte Lautstärke überschritten wird. Die Empfindlichkeit lässt sich dabei in niedrig oder hoch einstellen, das Signal an eine interne oder externe Nummer übergeben. Ist der Babyalarm-Modus aktiviert, bleiben die Abheben- und Menütaste gesperrt. Auch der Lautsprecher schaltet sich aus. Eingehende Anrufe können aber entgegengenommen werden, der Babyalarm wird dann unterbrochen, bleibt aber aktiv.

Sprachqualität und Anrufbeantworter

Der Anrufbeantworter bietet gewohnte Funktionen wie Mithören während der Aufnahme und Fernabfrage von eingegangenen Nachrichten. Daneben können aber auch die Aufnahmelänge und die Rufannahme skaliert werden. Wie bei vielen Geräte üblich, lässt sich die Sendeleistung von Basis und Mobilteil reduzieren, wenn der Eco-Modus aktiviert ist.

Zur Verfügung stehen der Eco-Modus, in dem die Strahlung nach Angaben von Gigaset um 80 Prozent gesenkt wird und der Eco-Modus Plus, in dem die Strahlung im Ruhemodus ausgeschaltet ist. Die Sprachqualität des Touch-Telefons konnte im Test überzeugen, wenngleich stets ein leichtes Rauschen vernehmbar war. Dieses Rauschen war sowohl für den Anrufenden als auch bei der Gegenstelle hörbar. Stimmen gibt das Gigaset zudem etwas metallisch wieder. Insgesamt kann die Sprachqualität aber überzeugen.

Fazit

Man wundert sich, warum Hersteller nicht schon vorher auf den Gedanken gekommen sind, die Touchscreen-Welt auf Schnurlostelefone zu übertragen. Neben dem Archos Smart Home Phone ist das Gigaset SL910A jedenfalls eines der wenigen Geräten mit Wischfaktor.

Die Fingertipp- und Wischgesten-Steuerung fiel im Test aber als recht träge auf. Die anderen Werte können wiederum völlig überzeugen: Mit reichlich Speicherplatz für Kontakte, Anrufbeantworter mit großzügiger Aufnahmezeit, Bluetooth und Sync-Möglichkeit für Multimedia an PC und Mac reiht sich das Gerät in die Oberklasse der Schnurlos-Telefone ein. Die üppige Ausstattung darf man angesichts des Preises von rund 170 Euro (in der Variante mit Anrufbeantworter, ohne rund 150 Euro) aber auch erwarten.

Kommentare zu diesem Artikel

Festnetz-Telefon mal anders: Gigaset portiert das Touch-Erlebnis auf das SL910A und gestaltet das Gerät mit einem berührungsempfindlichen Display. Die Bedienung hat aber auch ihre Schwächen.

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  • Firestarter schrieb Uhr
    AW: Gigaset SL910A im Test: Schnurlos-Telefon mit Touch-Display

    Geändert. Danke für den Hinweis, BigBen.
  • BigBen schrieb Uhr
    AW: Gigaset SL910A im Test: Schnurlos-Telefon mit Touch-Display

    "nach Angaben von Siemens" Siemens hat bereits seit längerem nichts mehr mit Gigaset zu tun, die Gigaset AG ist eine völlig selbstständige Firma. Euch ist nicht mal aufgefallen das auf dem Gerät nirgendwo der Siemens-Schriftzug zu finden ist.
  • Firestarter schrieb Uhr
    AW: Gigaset SL910A im Test: Schnurlos-Telefon mit Touch-Display

    Hallo, danke für den Hinweis. Der Text wurde entsprechend angepasst. Gruß firestarter
  • Tiloup schrieb Uhr
    AW: Gigaset SL910A im Test: Schnurlos-Telefon mit Touch-Display

    soso ihr Mathe Genies 320x480 ist also nicht gleich 480x320. Grübel. Ihr habt da glaube ich irgend etaws nicht ganz verstanden.
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Gigaset SL910A im Test: Schnurlos-Telefon mit Touch-Display
Gigaset SL910A im Test: Schnurlos-Telefon mit Touch-Display
Darauf musste man lange warten: Gigaset hat mit dem SL910 A ein DECT-Telefon mit Touchscreen vorgestellt. Netzwelt hat sich das wertige Gerät näher angeschaut.
http://www.netzwelt.de/news/89104-gigaset-sl910a-test-schnurlos-telefon-touch-display.html
2011-10-30 10:42:49
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/ios-5-herbst-2011-erscheinen-bild-engadgetcom6117.png
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