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Verkehrte Netzwelt: Meine Facebook-Social-Terminator-Brille
Die Sensation der kommenden IFA

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Sie hieß Miriam. Das wusste ich aber nicht. Ich hatte ihren Namen vergessen. Plötzlich saß sie mir in der Stadtbahn gegenüber. Lächelte und sagte: "Hi!". Verdammt. Das Gesicht kannte ich. Aber wie hieß sie gleich noch mal? Woher kannte ich sie nur?

Sie hieß Miriam. Das wusste ich aber nicht. Ich hatte ihren Namen vergessen. Plötzlich saß sie mir in der Stadtbahn gegenüber. Lächelte und sagte: "Hi!". Verdammt. Das Gesicht kannte ich. Aber wie hieß sie gleich noch mal? Woher kannte ich sie nur? Ich arretierte die Gesichtsmuskeln zu einem fröhlich-erstaunten Wiedererkennungs-Lächeln und sagte auch: "Hallo … Wie geht’s?". "Danke, ganz okay. Und bei Dir?" Wie heißt die? Verdammt! Schweißperlen auf meiner Stirn.

Leider haben wir den Namen dieser Dame vergessen, aber die Terminator-Hightech-Brille mit Facebook-Anschluss wird ihn uns sicher gleich verraten. (Quelle: Ray Ban)

Nach einer weiteren halben Minute vermurksten Small Talks, in der ich fieberhaft in meinem Hirn nach ihrem Namen gekramt hatte, kapitulierte ich: "Sorry, aber ich hab´ einfach deinen Namen vergessen." Sie gibt sich jovial. "Macht nichts, ich bin Miriam." Nach und nach fiel mir alles wieder ein. Eine ehemalige Arbeitskollegin. Nebenbei hatte sie in einer Theatergruppe gespielt. Dann hatte sie ein Kind bekommen und deshalb gekündigt. Junge, glaub ich. Weiß nicht mehr genau.

Na ja, war schade. Hätte mich gerne besser mit der netten Kollegin von damals unterhalten, war aber wegen der peinlichen Gedächtnislücke total blockiert.

Meine Terminator-Brille

Danach kam mir die Idee. Miriam war auch in meiner Freunde-Liste bei Facebook. Da stehen alle Infos über sie. Bei Facebook gibt es eine biometrische Gesichtserkennung. Man bräuchte eine Hightech-Brille mit Kamera und Internetzugang, die mir die Informationen über Miriam ins Brillenglas einspiegelt. So eine wie sie Arnold Schwarzenegger als "Terminator T-800" getragen hat.

Rein technisch ist das heute alles kein Problem mehr.

In der Jackentasche steckt ein Smartphone mit Highspeed-Internetanschluss. Eine spezielle App oder ein Facebook-Plug-In wartet nur darauf, die biometrische Gesichtserkennung in Facebook zu aktivieren und Infos aus der Freunde-Liste auszugraben. In der Brille ist im Steg über dem Nasenrücken eine kleine Kamera eingebaut. Fünf Megapixel reichen. Die Bügel haben einen Bluetooth-Sender, der den Kontakt mit dem Smartphone herstellt. Einen kleinen Ohrhörer gibts auch.

Die zurzeit so modischen Nerd-Brillen mit ihren dicken schwarzen Kunststoff-Gestellen sind ja geradezu geschaffen für den Einbau kleiner Hightech-Applikatiönchen.

Roboterstimme im Ohr

So, und wenn mir dann ein von früher bekannter Mensch über den Weg läuft, dessen Name mir nicht einfällt, dann bin ich Terminator-mäßig gewappnet. Ein unauffälliger Druck auf den linken Brillenbügel und schon wird das Display aktiviert. Es signalisiert, dass die Kamera im Brillensteg eingeschaltet wird. Ein Netz von Linien legt sich im Display, das ins Brillenglas eingespiegelt wird, über das Gesicht der Person.

Im Ohrhörer ertönt eine schnarrende Stimme: "Biometrische Gesichtserkennung aktiviert. Zielperson identifizieren. Identifikation läuft." Jetzt muss ich nur ein paar Sekunden mit Small Talk überbrücken. Hi, wie geht’s und solche Sachen. Ganz entspannt, die Info kommt gleich. Im Ohrhörer schnarrt es wieder: "Zielperson-Identifikation positiv: Miriam Schulze - Arbeitskollegin - Abteilung: Vertrieb." Dieselben Daten erscheinen auch im Brillen-Display.

Jetzt kann ich unbeschwert lostalken. "Mensch, Miriam, das waren Zeiten. Wir hatten viel Spaß, als du damals bei uns im Vertrieb warst." Weitere Daten strömen aus Facebook aufs Display und schnarrend in den Ohrhörer: "Spielt in Theatergruppe. Dreijähriger Sohn. Name: Felix." Eine erstklassige Vorlage meiner Terminator-Brille, mit der ich die ehemalige Kollegin bequatschen kann: "Und, spielst du noch Theater? Du hast doch damals die Mutter Courage gespielt. Wie geht’s dem Felix? Der muss jetzt schon drei Jahre alt sein, oder so."

Die Sensation auf der IFA 2012

Das gibt eine perfekte Unterhaltung mit der ehemaligen Kollegin. Ohne eine einzige peinliche Erinnerungslücke. Eine gelungene spontane soziale Interaktion mit Hightech-Unterstützung. Bin schon gespannt, wann Facebook oder Ray Ban und Konsorten aus dieser Idee ein Produkt machen. Und die Optiker wären garantiert auch interessiert an der neuen Geschäftsidee. Vielleicht klappt das schon auf der IFA 2012? Außerdem lassen sich mit so einer Terminator-Brille auch viele andere schicke Sachen anstellen. Beispielsweise mit Navigation und so.

Dabei fällt mir ein: Miriam könnte vielleicht auch so eine Brille brauchen. Sie hat meinen Namen in der Unterhaltung nicht genannt …

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http://www.netzwelt.de/news/89081-verkehrte-netzwelt-facebook-social-terminator-brille.html
2011-10-22 12:05:58
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/leider-haben-namen-dame-vergessen-terminator-hightech-brille-facebook-anschluss-ihn-uns-sicher-gleich-verraten-foto-ray-ban9230.jpg
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