Computerlinguistin im Gespräch
Sprachsteuerung Siri: "iPhone ist das Tamagotchi 2.0 für Business-Leute"
Die neue Sprachsteuerung fürs iPhone Siri bringt Spaß und Unterhaltung in die Mensch-Maschine-Kommunikation. Was macht den Reiz der Software aus und wie sieht die Zukunft solcher Systeme aus? Netzwelt sprach mit der Computerlinguistin Karin Harbusch über Siri und Spracherkennung im Allgemeinen.

Inhaltsverzeichnis
- 1"Tamagotchi 2.0 für Business-Leute"
- 2Digitale Sprachassistenten im Einsatz
- 3Eine Norm zur Gestaltung von Oberflächen
- 4Wenn die Maschine lernt
Das neue iPhone 4S enttäuschte viele Journalisten und Experten, was die Hardware-Ausstattung angeht. Unterschätzt wurde jedoch die neue Sprachsteuerung Siri, mit der Apple-Fans rund um den Globus rege experimentieren und ihre Ergebnisse im Internet veröffentlichen.
"Shit that Siri says", heißt eine dieser Webseiten, auf der allerlei triviale Unterhaltungen mit der Sprachsoftware dokumentiert werden. "Will you be my friend?", fragt etwa eine Nutzerin. Siri antwortet: "I'm not capable of love, Tina." Auch der bekennende Apple-Fan, Journalist und Blogger Richard Gutjahr versuchte, Emotionen in der Software zu wecken. Auszug aus seiner Kommunuikation mit dem digitalen Gegenüber: "Ich glaube, ich liebe Dich", sagt Gutjahr. Die Antwort von Siri: "Du kennst mich doch kaum, Richard."
"Tamagotchi 2.0 für Business-Leute"
Die Personalisierung und der versuchte Aufbau einer Beziehung der Siri-Nutzer ist für Karin Harbusch kaum verwunderlich. "Das iPhone ist das Tamagotchi 2.0 für Business-Leute", sagt die Professorin für Computerlinguistik von der Universität Koblenz-Landau. Der 'Joy of Use', der Spaß an der einfachen Handhabung, mache das Gerät so populär.
"Man fühlt sich überrascht und gut unterhalten, auch wenn die Spracherkennung fehlerhaft verläuft", sagt Harbusch und sieht darin eine Parallele zu der Nutzung von Suchmaschinen: "99 Prozent sind glücklich mit dem, was sie finden. Dasselbe gilt auch für die Sprache."
Digitale Sprachassistenten im Einsatz
Mit intelligenten Maschinen wie Siri, die einfach zu bedienen sind, werden Computernutzer in Zukunft wahrscheinlich häufiger kommunizieren können. Alltagstauglich sind viele Sprachsoftware-Werkzeuge schon längst: Googles Voice Search etwa nimmt Sprachanfragen entgegen und spuckt nach Serveranfrage eine aussagekräftige Antwort aus. Das Unternehmen Nuance bietet mit "Dragon Naturally Speaking", "Dragon Dictation" und "Dragon Search" Spracherkennungs- und Sprachsuchsoftware für Desktop-Rechner und mobile Geräte.
Und auch in anderen Bereichen nehmen digitale Maschinen die Arbeit ab. Bekannt und für viele Menschen eher nervend sind Hotline-Sprachassistenten. In Autos hören Navigationsgeräte oder Freisprechanlagen auf Befehle, wenn die Hand am Steuer bleibt. Bei Dunkelheit im eigenen Haus gehen Lichter an, ohne dass ein Schalter betätigt werden muss - ein Zuruf genügt.
Weitere Informationen
Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Apple iPhone hier.
Links zum Thema
- Karin Harbusch an der Universität Koblenz-Landau
- Webseite "Shit that Siri says"
- Webseite Richard Gutjahr
