Virtuelle Freude erfahren
Im Kurztest: Forza Motorsport 4
"Forza Motorsport 4" will nicht irgendein Rennspiel sein - es will das Rennspiel sein. Und zwar für jeden, der auch nur einen Funken Faszination für Automobile empfindet. In diesem exklusivem Xbox-360-Titel kann man sich zwischen Tausenden von Tuningteilen und Telemetriedaten verlieren - oder fahren wie ein Vierjähriger: mit ausgestreckten Armen und imaginärem Lenkrad zwischen den Fingern. Sogar das Ökogewissen von Geschwindigkeitsjüngern und Leistungsliebhabern wird eingangs beruhigt: An diesem virtuellen Zufluchtsort, versichert Jermey Clarkson, Moderator der britischen TV-Kult-Autosendung "Top Gear", darf man hemmungslos Gas geben und Spaß haben ...
Forza Motorsport 4 - Launch Trailer: Der Launch-Trailer zu Forza Motorsport 4, das für die Xbox 360 erscheint, zeigt den Detailreichtum der Karossen, einige Spielszenen und die Atmosphäre die der Titel transportiert. Zum Video: Forza Motorsport 4 - Launch Trailer
Die Eckdaten von "Forza Motorsport 4" lesen sich beeindruckend: Hunderte bis zur letzten Niete originalgetreu nachgebildete Autos aller Art von über 80 Herstellern, Dutzende Streckenvariationen sowie eine umfangreiche Welttournee, die zehn Meisterschaften, zahlreiche wagenspezifische Herausforderungen und Spaßveranstaltungen umfasst. Dazu gibt's ein optisches und leistungsförderndes Tuning, Einstellungsoptionen ohne Ende und die Möglichkeit, Traumwagen wie einen Ferrari 458 Italia oder einen Mercedes SLS AMG 65 aus nächster Nähe buchstäblich zu erfahren. "Autovista" nennt Entwickler Turn 10 seinen integrierten Showroom, in dem man sich frei um ausgewählte Boliden bewegen, Motorhauben, Türen und Kofferräume öffnen darf, angesichts der ungeheuren Detailvielfalt ungläubig staunt und dabei andächtig erklärenden Worten lauscht ...
Die offensichtlichste Neuerung gegenüber dem erstklassigen Vorgänger und gleichzeitig eine ideale Einstiegshilfe für Genre-Neulinge ist die Unterstützung der Bewegungssteuerung Kinect. In kurzen Rennen, im Zeitfahren sowie im Splitscreen-Modus für zwei Spieler darf man die Autos durch das einfache gestische Nachahmen von Lenkradbewegungen steuern - was sowohl im Stehen als auch im Sitzen erstaunlich präzise klappt. Das Ganze erinnert frappierend an die erste Fahrstunde, als man nur versuchte, auf der Straße zu bleiben, während der Fahrlehrer Gas gab und bremste.
Auf Wunsch lässt sich bei klassischer Gamepad- oder Lenkrad-Steuerung auch das sogenannte Headtracking aktivieren. Dann verfolgt die Kinect-Kamera die Kopfbewegungen des Spielers. Wer sich also entgegen virtueller Fliehkräfte in die Kurve lehnt, erhascht in der intensiven Cockpitperspektive einen Blick auf den Kurvenausgang. Und dank der Kinect-Spracherkennung lassen sich mit einfachen Kommandos auch bestimmte Punkte im sonst leicht unübersichtlichen Menü wie die eigene Garage, die Online-Lobby, die wagenspezifischen Herausforderungen oder die Welttournee auf Anhieb ansteuern.
Ebenso komfortabel sind die zahlreichen Hilfssysteme, die selbst PS-Monster wie einen Audi R8 oder einen Lamborghini Reventon für Genre-Einsteiger beherrschbar machen. Wer auf die eingeblendete Ideallinie, Bremsassistenten, ABS, ESP, Traktionskontrolle oder gar eine Art Rückspulfunktion verzichtet, mit der sich grobe Schnitzer mühelos ausbügeln lassen, wird belohnt: mit mehr Credits, um neue Wagen und Tuningteile zu finanzieren; mit mehr Erfahrungspunkten, die höherklassige Wettbewerbe und Belohnungen freischalten; und mit einer phänomenalen Fahrphysik, die Spielbarkeit und Authentizität wie keine andere Rennsimulation auf dem Markt vereint.
Verbessern kann man an "Forza Motorsport 4" nicht mehr viel. Die Boliden wurden nebst Innenleben ebenso aufwendig modelliert wie die zahlreichen Original-Kurse und Fantasie-Strecken. Das Schadenssystem quittiert Rempler und Abflüge mit fiesen Lackkratzern und akuter Beulenpest. Die Motoren, vor allem die der V8-Klassiker, übertönen mit ihrem grimmigen Bollern und Röhren den modernen Soundtrack. Die Computergegner - und das ist durchaus positiv gemeint - erlauben sich ebenfalls Schnitzer und landen auch mal im Kiesbett. Und das Geschwindigkeitsgefühl stimmt - dank einer stabilen Wiederholungsrate von 60 Bildern pro Sekunde.
Im Test: Forza Motorsport 4
"Forza Motorsport 4" hat technisch beeindruckende Leistungsdaten. Doch das Einzige, was am Ende zählt, ist das Gefühl. Und das stimmt. (Bild: Microsoft)
Anfassen erwünscht. Im "Autovista"-Modus lassen sich Traumwagen buchstäblich erfahren ... (Bild: Microsoft)
Postkartenidylle und PS-Schleudern - eine gute Kombination. (Bild: Microsoft)
Dank zahlreicher Hilfen feiern auch Genre-Einsteiger schnell Erfolge. (Bild: Microsoft)
Wer auf hohem Niveau meckern will, vermisst wechselnde Wetterbedingungen, Nachtfahrten und Begeisterungsstürme auf den stummen Rängen, sehnt sich trotz Festplatteninstallation nach kürzeren Ladezeiten zwischen den Rennen und fordert mehr Mut zur Innovation - um der Innovation willen. Alle anderen bekommen ein technisch spektakuläres, umfangreiches, leicht zugängliches und dennoch forderndes Rennerlebnis, das durch einen starken Online-Community-Gedanken (inklusive eigener Auto-Clubs und fester Rivalen) über Monate hinweg begeistern dürfte. Ein echter Zufluchtsort ...
Datenblatt
| Forza Motorsport 4 | |
| Spielname | Forza Motorsport 4 |
| Hersteller | Turn 10 |
| Vertrieb | Microsoft |
| Genre | Rennspiel |
| Erhältlich ab | 14.10.2011 |
| Preis | ca. 60 Euro |
| EAN Code | 0885370309980 |
| Schwierigkeit | Für Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis |
| Alter | ab 0 Jahren |
| Multiplayer | 2-16 (WWW) |
| Sonstiges | |
| Bewertung Grafik | sehr gut |
| Bewertung Steuerung | sehr gut |
| Bewertung Sound | sehr gut |
| Bewertung Spielspass | sehr gut |
| Bewertung Gesamt | sehr gut |
| System | Xbox 360 |
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