Über Zeitungen und Zensur im Internet
Wikipedia-Gründer Jimmy Wales: "Printmedien wird es immer geben"
Jimmy Wales gründete vor über zehn Jahren die Online-Enzyklopädie Wikipedia und wurde dadurch weltberühmt. Inzwischen ist das freie Lexikon das meistgenutzte Nachschlagewerk rund um den Globus. Auch in Anbetracht des Siegeszugs von Smartphones und Tablet-PCs sieht Wales die Zukunft von Printmedien jedoch als gesichert, denn nicht nur ein iPad, sondern auch der Druck basiere auf einer "wundervollen Technik".
Wales unterstrich in einem Interview gegenüber der Frankfurter Rundschau, dass Drucken eine billige und einfache Technologie sei, die seiner Meinung nach nie verschwinden wird. Als entscheidenden Vorteil gegenüber Smartphones und Tablet-PCs sieht er den Sorglos-Faktor, denn eine Zeitung oder Zeitschrift könne überall mit hingenommen werden, ohne dass sich der Leser über die Diebstahlgefahr oder einen behutsamen Transport sorgen machen müsse.
Ewiges Leben
Der Wikipedia-Gründer glaubt daher, dass Printmedien "nie völlig verschwinden" werden. Nebenbei verfolge er aber auch die Entwicklung digitaler Zeitungs-Apps, wie er der Frankfurter Rundschau gegenüber bemerkte. Er glaubt, dass Online-Abos, die für monatlich drei bis fünf US-Dollar erhältlich seien, eine attraktive Alternative darstellen könnten. Jeden Artikel einzeln zu bezahlen, hält Wales hingegen für eine Hürde für die verbreitete Nutzung von digitalen Zeitungsangeboten.
Wenig hält er ferner von sensationsgieriger Berichterstattung der Medien und einseitigen Debatten. Er betonte den Wert einer sachlichen Diskussion, wie sie hin und wieder auf Wikipedia zu finden sei, wo Quellen und Belege objektiv dargestellt würden. Der Austausch von Meinungen sollte zudem in keinem Fall zensiert werden.
Unzensierte Debatten
Der Wikipedia-Gründer sieht keinen Wert darin, beispielsweise Internetforen, wie solche auf denen sich der Attentäter von Oslo mit anderen Nutzern austauschte, zu sperren, denn auch eine solche Zensur hätte die Tat seiner Meinung nach nicht verhindern können. Ganz im Gegenteil glaubt er, dass eine solche Plattform ein Ventil für Menschen biete und dadurch Straftaten verhindert würden.
Inzwischen ist Wales Ehrenvorsitzender der Wikipedia-Stiftung und soll als Hobby-Autor hin und wieder einen eigenen Eintrag verfassen. Hauptberuflich kümmert er sich um seine Firma Wikia, ein IT-Unternehmen, das eine Plattform für spezielle Enzyklopädien bereitstellt und ähnlich erfolgreich wie die Wikipedia selbst sein soll.
