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Netzwelt-Wissen: NFC - Near Field Communication
Sicherer Kurzstreckenfunk für Handy und Tablets

von Markus Franz Uhr veröffentlicht

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NFC ist eine Technologie, mit der sich Daten über kurze Strecken austauschen lassen. Durch den geringen Konfigurationsaufwand wird damit nicht nur das Bezahlen mit dem Handy endlich komfortabel und sicher.

Nokia stattet fast alle neuen Handymodelle mit NFC-Chips aus. (Im Bild: Nokia 701, Quelle: Nokia)

Bei den wenigsten Technologien können sich alle Hersteller auf einen einheitlichen Standard einigen. Das ist meist nur dann der Fall, wenn es ein branchenübergreifendes Interesse gibt, dass sich eine Neuentwicklung schnell ausbreitet und problemlos angenommen wird. Die sogenannte Near Field Communication (NFC) ist genau so ein neuer Standard, in den die gesamte IT- und Mobilfunk-Branche derzeit große Erwartungen setzt.

Datenübertragung

Die Idee von NFC ist sehr einfach: Während bei Bluetooth und WLAN die Verbindung zweier Geräte manuell durch den Nutzer hergestellt werden muss, erfolgt die Kommunikation bei NFC ohne besondere Einrichtung - nur durch die physische Nähe zweier Gegenstellen. Tatsächlich ist NFC damit der bekannten RFID-Technik sehr ähnlich, die zum Beispiel zum Auslesen von Informationen des Reisepasses und auf dem neuen Personalausweis eingesetzt wird. Im Unterschied zu RFID gibt es bei NFC aber keine klare Rollenverteilung: Prinzipiell kann jedes Gerät sowohl als Sender als auch als Empfänger fungieren, während bei RFID eine Gegenstelle immer "passiv" bleibt. Erst durch die Peer-to-Peer-Unterstützung eröffnen sich viele neue Einsatzszenarien.

Das NFC-Protokoll

Die Internationale Organisation für Normung (kurz ISO) ist für die Standardisierung wichtiger Technologien wie WLAN, RFID oder NFC zuständig. RFID ist bereits sehr gut standardisiert und dokumentiert, da es schon seit den 90er Jahren in der breiten Praxis eingesetzt wird. NFC ist deutlich jünger und befindet sich noch in der Entwicklung, sodass nicht alle Eigenschaften der neuen Technologie herstellerübergreifend festgelegt sind.

Die beiden Hightech-Firmen Sony und Philips Semiconductors haben sich im Jahr 2002 für das Thema NFC zusammengeschlossen und es als Ableitung aus den RFID-Standards entwickelt, seit 2004 treibt das NFC Forum (Sony, NXP, Nokia) die Entwicklung und Standardisierung weiter voran. In Zukunft dürften noch Eingaben von Apple und anderen Firmen einfließen, die sich ebenfalls für die Technik interessieren.

Trotz der noch nicht gefestigten Standardisierung sind die wesentlichen Rahmenbedingungen für NFC seit einiger Zeit klar: Die wichtigste Regel lautet, dass zwei Endgeräte maximal zehn Zentimeter von einander entfernt sein dürfen, wenn sie Daten per NFC austauschen sollen. Die physische Nähe ersetzt praktisch das manuelle Pairing bei Bluetooth oder die Eingabe eines WLAN-Passworts und soll verhindern, dass ein Zugriff durch nicht genehmigte Nutzer möglich ist. Die initiale Verbindung zweier NFC-Geräte dauert meist nur eine Zehntelsekunde - zum Vergleich: Bluetooth ist mit etwa einer Sekunde deutlich langsamer. NFC funkt auf 13,56 Megahertz und leistet maximal eine Übertragungsrate von 58 Kilobyte pro Sekunde.

Die Deutsche Bahn setzt NFC für das Touch&Travel-Programm ein. (Quelle: Screenshot/DB)

Handy und Szenarien

Damit ist NFC relativ langsam. Die Wiedergabe von Musik auf externen Lautsprechern sollte gerade noch mit ausreichender Qualität klappen, die Ausgabe von Videos etwa vom Handy auf einem anderen Gerät ist damit aber ausgeschlossen. Trotz dieser Einschränkung sagen bekannte Marktforschungsunternehmen wie ABI Research voraus, dass bereits 2012 circa 20 Prozent aller Telefone mit einem NFC-Chip ausgestattet sein werden. Die gesamte IT- und TK-Branche setzt große Hoffnungen vor allem in den Einsatz von NFC in der Zahlungsabwicklung: Durch die Beschränkung auf zehn Zentimeter Entfernung soll bei den Anwendern das Vertrauen in die Technologie hergestellt werden, um Handys als virtuelle Geldbörse einzusetzen.

Das größte Interesse an NFC haben nicht klassische Banken, sondern Kreditkartenanbieter wie MasterCard oder VISA: Ihre Kunden sind ohnehin schon an den Einsatz der Karte im Internet gewöhnt, gleichzeitig lassen sich Kunden über Ländergrenzen hinweg damit erreichen. Damit die Zahlung mit einem NFC-Handy reibungslos funktioniert, müssen neben der Bank auch der Netzbetreiber und das Betriebssystem des Handys mit entsprechenden Funktionen ausgerüstet sein. In Deutschland haben sich kürzlich Vodafone, die Deutsche Telekom und Telefonica Germany zusammengeschlossen, um das mobile Bezahlen auch per NFC unter der Marke "mpass" voranzubringen. Hiesige Banken halten sich hier bislang noch zurück.

Deutlich weiter vorangeschritten ist der Einsatz von NFC für die Bestellung von Fahrkarten: In Asien nutzen bereits hunderttausende Menschen täglich entsprechende Dienste, in Deutschland läuft seit geraumer Zeit mit Touch&Travel ein entsprechendes Projekt der Deutschen Bahn. Dabei müssen sich die Nutzer zwar vor der ersten Nutzung gesondert registrieren, können dann aber über ein NFC-fähiges Telefon am Bahnsteig ihren virtuellen Fahrschein lösen. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund bietet ein ähnliches Angebot.

Telekom, Telefonica und Vodafone unterstützen mit mpass das Bezahlen per NFC.

Zahlungssicherheit

Wie bei jeder neuen Technologie stellt sich auch bei RFID die Frage der Sicherheit. Dabei sehen schon die aktuellen Standards umfangreiche Schutzmechanismen vor, mit denen Angreifern das Leben schwer gemacht werden soll: So erfolgt die drahtlose Datenübertragung bei NFC verschlüsselt, sofern beide Endgeräte das unterstützen - damit kann eine dritte Person in Reichweite gesendete Informationen nicht direkt mitlesen.

Besonders bei der Bezahlung mit einem NFC-Handy ist aber noch mehr Sicherheit erforderlich, die mit dem sogenannten "Secure Element" erreicht werden soll: Die NFC-Funktion eines Geräts kann an die SIM- oder auch an eine Speicherkarte gebunden werden, die nur der autorisierte Nutzer zur Verfügung hat und nicht fälschen kann. Durch die Kombination wird ein Mobiltelefon in die Lage versetzt, flexibel für unterschiedliche Dienste kodiert zu werden - etwa auch für den Einsatz als Schlüssel für Auto, LKW und Motorrad.

Fazit

Durch die herstellerübergreifende Standardisierung hat Near Field Communication eine echte Chance, sich als technische Grundlage für die Übertragung kleiner Datenmengen mit dem Handy zu etablieren. Bis eine Verfügbarkeit entsprechender Handys mit NFC-Unterstützung und eine große Zahl von Empfangsgeräten gegeben ist, wird aber eine kritische Masse entstehen, die NFC für den Endanwender wirklich interessant macht.

Kommentare zu diesem Artikel

NFC ist eine Technologie, mit der sich Daten über kurze Strecken austauschen lassen. Durch den geringen Konfigurationsaufwand wird damit nicht nur das Bezahlen mit dem Handy endlich komfortabel und sicher.

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  • DaSam schrieb Uhr
    AW: Netzwelt-Wissen: NFC - Near Field Communication

    Ich verstehs nicht so ganz. Die neueren Samsung Galaxy Modelle haben doch bereits einen NFC-Chip? Und wie kann ein Aufkleber am Handy dieses mit einem weiteren verbinden? Irgendwo muss doch ein Kontakt hergestellt sein. Und die Firmware muss dies doch auch unterstützen. Ich blick nicht durch, sorry!

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Netzwelt-Wissen: NFC - Near Field Communication
Netzwelt-Wissen: NFC - Near Field Communication
Mit der Near Field Communication soll es endlich möglich werden, mit dem Handy sicher und komfortabel zu bezahlen. Aber auch für die Ausgabe von Musik auf einem externen Lautsprecher oder den schnellen Austausch von Bildern eignet sich die Technologie.
http://www.netzwelt.de/news/88231-netzwelt-wissen-nfc-near-field-communication.html
2011-09-02 17:00:55
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/nokia-stattet-fast-neuen-handymodelle-nfc-chips---bild-nokia-701-quelle-nokia7643.jpg
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