Erfahrung schützt nicht vor Schädigung
Cybercrime: Neue Studie legt konkrete Opferzahlen vor
Das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (Infas) hat in diesem Sommer 17.000 volljährige Deutsche in einer Telefonumfrage zum Thema Cybercrime befragt. Der Telekommunikationsmonitor sollte Erkenntnis darüber bringen, wie viele Menschen tatsächlich von Abo-Fallen, Warenbetrug und Phishing im Netz betroffen sind. Bisherige Statistiken des Bundeskriminalamts oder auch Branchenerhebungen der BITKOM verfügten nicht über entsprechende Daten.

Den Ergebnissen zufolge, die für den Spiegel zusammengestellt wurden, haben 8,4 Millionen Deutsche in den vergangenen zwei Jahren mit Cybercrime Erfahrungen gemacht. 5,4 Millionen, also elf Prozent der deutschen Internetnutzer, sind bereits Opfer einer Abofalle geworden und 2,8 Millionen Online-Einkäufer wurden bei Waren betrogen. Mit Phishing-Fallen, beispielsweise dem Klau von Kreditkartendaten, haben bereits 1,5 Millionen Menschen Bekanntschaft gemacht.
Auch erfahrene Nutzer sind Opfer
Die Verbraucherzentrale NRW bemerkt ebenfalls die große Anzahl an Cybercrime-Geschädigten: 22.000 bei ihr eingegangene Beschwerden betrafen demnach Internet-Abzocke. Die Zentrale rät allen Nutzern, grundsätzlich nicht zu zahlen, denn "in den allermeisten Fällen könne kein wirksamer Abschluss eines kostenpflichtigen Vertrages festgestellt werden." Trotz dieser Hinweise und der relativ umfassenden Bekanntheit der Problematik scheint es immer noch genügend Menschen zu geben, die in eine der Fallen tappen und dann auch die finanziellen Folgen tragen. Im Februar dieses Jahres beispielsweise wurde bekannt, dass ein Pärchen mit Freeware-Downloads und Test-Seiten ungefähr 65.000 Menschen insgesamt um einen mehrstelligen Millionenbetrag betrogen hatte.
Die Studie habe, laut dem Spiegel, zudem ergeben, dass mehr Internet-Erfahrung nicht unbedingt vor Cybercrime schütze. Der Anteil der Geschädigten bei Personen, die regelmäßig im Internet einkaufen, läge bei 16 Prozent und sei damit mehr als doppelt so hoch wie bei gelegentlichen Einkäufern. Opfer finden sich zudem quer durch alle Altersgruppen.
