Ohne Pseudonyme keine Demokratie

Kommentar: Warum Anonymität im Web wichtig ist

Kommentar: Warum Anonymität im Web wichtig ist Anonymität ade: Bundesinnenminister prescht mit einer Forderung nach der Abschaffung von Pseudonymen im Web hervor. Doch das Internet funktioniert nicht wie das reale Leben. Anonymität im Internet muss in einer freiheitlichen Demokratie weiterhin gewährleistet werden, findet netzwelt-Autor Mehmet Toprak.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1"Warum sollte das im Internet anders sein?"
  2. 2Was im Leben gilt, gilt nicht immer im Web
  3. 3Mehrere Privatsphären
  4. 4Unterschiedliche soziale Rollen
  5. 5Das Web kennt keine Gnade
  6. 6Web als Raumzeitmaschine
  7. 7Wir als Politiker 
  8. 8Ende der Meinungsfreiheit
  9. 9Diktatur der Mitte
  10. 10Strenge Moderation der Foren

Vergangene Woche hatte ich in einer satirisch gemeinten Verkehrten Netzwelt über "Monarchie und Demokratie" geschrieben, darin aber einige durchaus ernst gemeinte Argumente für die Anonymität im Web eingebaut. Eigentlich war das Thema damit erledigt.

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Doch dann hat sich Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich zu Wort gemeldet. Er fordert zwar nicht direkt die Einführung von Klarnamen im Internet. Er argumentiert aber doch sehr eindeutig dafür, dass jeder im Web mit seinem Klarnamen agieren solle.

"Warum sollte das im Internet anders sein?"

Ich möchte mich gar nicht an wohlfeiler Politiker-Beschimpfung beteiligen. Friedrich ist bestimmt ein guter Demokrat und ein ernsthafter Mann. Er gehört nur leider einer Politikergeneration an, die die Entwicklung der Digitalen Medien in den letzten zwanzig Jahren komplett verschlafen hat, und stößt deshalb bei der Internet-Gemeinde von vornherein auf Misstrauen.

Mit seinen aktuellen Äußerungen dürfte sich daran kaum etwas geändert haben. Er hat im Interview etwas gesagt, was man einfach nicht stehen lassen kann. Er wies darauf hin, dass man bei Diskussionen im echten Leben mit seinem richtigen Namen, mit "hochgezogenem Visier" spreche, und fügte die rhetorische Frage an: "Warum sollte das im Internet anders sein?"

Was im Leben gilt, gilt nicht immer im Web

Was im richtigen Leben gilt, muss auch im Internet gelten. Dieses Argument hört man oft. Es ist aber - zumindest beim Thema Anonymität - grundfalsch, weil es die völlig andersartigen Bedingungen im Datennetz verkennt.

Im Internet sind tatsächlich einige Dinge völlig anders als im wirklichen Leben. Man kann das auf zwei Begriffe bringen: Zeit und Raum. Das muss man natürlich erst mal erklären.

Beiträgeinsgesamt 2 Beiträge

Da habt ihr den Nagel auf dem Kopf getroffen, schickt doch mal eine Kopie von eurem Artikel an Herrn Friedrichs zum lesen, vielleicht kapiert er es dann ja eher. Ich bin nämlich einer Abseits des Mainstreams...

An sich eine gute Sache, ich uberlege mir aber, ob dies auch standig realistisch umsetzbar bleibt!

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