Gott vergibt, Ben McCall nicht
Im Test: Call of Juarez: The Cartel
Auch der heutige Westen ist ganz schön wild: Ubisoft und Techland transportieren ihre Wild-West-Shooter-Reihe "Call of Juarez" in die Neuzeit und lassen im dritten Teil volljährige PC- und Konsolenbesitzer gegen ein gieriges Drogenkartell antreten.
Call of Juarez: The Cartel - Launch-Trailer: Dieser Launch-Trailer zeigt in welcher Situation sich die drei Spielfiguren von Call of Juarez: The Cartel gegenüber stehen. Und zu welchen Mitteln sie greifen, wenn besondere Situationen besondere Maßnahmen erfordern. Der PlayStation-3-, Xbox-360- und PC-Titel kommt vom polnischen Entwickler Techland und ist bereits der dritte Ableger der Call-of-Juarez-Reihe. Zum Video: Call of Juarez: The Cartel - Launch-Trailer
In den beiden vorangegangenen "Call of Juarez"-Episoden (2006, 2009) erzählte der polnische Entwickler Techland die Geschichte der McCall-Brüder: Ray, Thomas und Nesthäkchen William waren im legendären Wilden Westen unterwegs - und während die beiden älteren Brüder nach dem unehrenhaften Abschied aus der Bürgerkriegsarmee ihr Leben als Schatzjäger und Revolverhelden bestritten, versuchte sich der Jüngste als gottesfürchtiger Prediger. Als Ray nach Williams Tod die Glaubensfackel weiterträgt, mutiert er zu einer ebenso kruden wie launigen Kombination aus Wanderprediger und passioniertem Revolverhenker, der bei beidhändigem Zeitlupen-Dauerfeuer gerne mal ein paar Bibelverse zum Besten gibt.
Indem Techland die Gottesfürchtigkeit Rays zitiert und seinem Nachfahren "Ben" McCall in den Mund legt, beweist der Entwickler nicht nur den Mut zur Eigenreferenz, sondern obendrein Humor. Denn: Nach den martialisch vorgetragenen Bibelzitaten gibt sich Ben, der mit zerfurchter Visage und Hakennase seinem Ahnen Ray wie aus dem Gesicht geschnitten ist, jedes Mal aufs Neue verdattert - als wüsste er gar nicht so recht, was er da eigentlich vor sich hin brabbelt oder warum.
Während sich der Spieler trotz rascher Wiederholungen der gewollt coolen Sprüche wehmütig an die beiden herausragenden Vorgänger erinnert, erscheint ihm das neue "Call of Juarez" umso mehr als Rückschritt: Durch die Verlegung in die Gegenwart hat der Titel zwar nicht unbedingt technische oder spielerische Qualität, wohl aber Eigenständigkeit, Charme und Profil verloren.
Der Krieg gegen ein mexikanisches Drogenkartell bietet zwar jede Menge aktuelle Brisanz und auch um Abwechslung waren die Spiel-Designer sichtlich bemüht. Trotzdem wirkt der Kampf gegen das Kartell ähnlich austauschbar wie die beiden Charaktere, die man Ben zur Seite stellt: Kim Evans und Eddie Guerra sind FBI-Agentin und Drogenfahnder und sollen den alten Haudegen bei seinem Kampf unterstützen. Ebenso wie Ben McCall sind beide auch in der Einzelspieler-Kampagne wählbar - aber etwas mehr Action-Potenzial entfaltet "The Cartel" erst im Koop-Modus, wenn alle drei Charaktere nicht vom Computer, sondern von Spielern gesteuert werden.
Eine Schattenseite der Moderne: Das Gros der Ballereien spielt sich in städtischen Ghettos und ausrangierten Industrieparks ab, nur selten steht ein Ausflug in idyllischere Szenarien wie die aus "Bound in Blood" bekannten, üppigen Wälder an. Obwohl man "The Cartel" den Wechsel in die Neuzeit schwerlich vorwerfen kann, wurde es doch offensichtlich mit weniger Liebe zum Spiel- und Charakter-Detail entworfen. Das epische Ambiente der Vorgänger ist futsch. Stattdessen werden Wellen von Klon-Gangstern im Akkord abgeschmettert, was auf Dauer an Monotonie nicht zu überbieten ist.
Noch holpriger geraten sind die Autoverfolgungen, die den Spieler in der Kampagne meist ans Steuer der PS-Kutsche setzen und selbst beim Teamplay nur so lange Freude machen, wie der Kollege hinter dem Lenkrad die etwas bockig geratene Fahrphysik unter Kontrolle bringt und nicht versehentlich den eng gesteckten Aktionsradius verlässt. Denn Letzteres hat unweigerlich den Abbruch der Mission zufolge. Total nervig!
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Bild vergrößern Der Zeitsprung vom Wilden Westen in die Gegenwart tat der "Call of Juarez"-Reihe nicht sonderlich gut. (Bild: Ubisoft) - Bild 2 von 15
Bild vergrößern Kim Evans und Eddie Guerra stehen "Ben" McCall im Drogenkrieg zur Seite. (Bild: Ubisoft) - Bild 3 von 15
Bild vergrößern Shoot-Outs gibt's auch in der Gegenwart. (Bild: Ubisoft) - Bild 4 von 15
Bild vergrößern Die Autoverfolgungen, die den Spieler in der Kampagne meist ans Steuer der PS-Kutsche setzen, sind recht holprig geraten. (Bild: Ubisoft) - Bild 5 von 15
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Fazit: Ubisoft und Techland haben mit ihrem Umbruch viel gewagt - und verloren. "The Cartel" ist alles in allem ein recht uninspirierter Shooter mit veralteter Technik und etwas dürftiger Synchronisation geworden. Alten Wild-West-Fans blutet jedenfalls das Herz ...
Datenblatt
| Call of Juarez: The Cartel | |
| Spielname | Call of Juarez: The Cartel |
| Hersteller | Techland |
| Vertrieb | Ubisoft |
| Genre | Action |
| Erhältlich ab | 21.07.2011 |
| Preis | ca. 50 Euro |
| EAN Code | 3307219947551 |
| Schwierigkeit | Für Fortgeschrittene und Profis |
| Alter | ab 18 Jahren |
| Multiplayer | 2-12 (WWW) |
| Sonstiges | |
| Bewertung Grafik | befriedigend |
| Bewertung Steuerung | befriedigend |
| Bewertung Sound | befriedigend |
| Bewertung Spielspass | befriedigend |
| Bewertung Gesamt | befriedigend |
| System | Xbox 360 |
| System | PC |
| System | PlayStation3 |
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