Sie sind hier:
 

Viagogo: Hintergründe zu fehlerhaften Take That-Tickets
Kein Einlass trotz Ticket

von Markus Franz Uhr veröffentlicht

Diesen Artikel weiterempfehlen
SHARES
Zahlreiche Kunden von Viagogo hatten Probleme beim Einlass zur Take That Tour 2011.

Eigentlich könnte es so schön sein: Seit Ende Mai 2011 tourt Robbie Williams wieder mit seiner alten Formation Take That durch Europa, am vergangenen Freitag wollten tausende Zuschauer den krönenden Abschluss mit einem Konzert im Münchner Olympiastadion feiern. Leider erhielten manche unter Ihnen keinen Einlass.

Der Verkauf von Tonträgern ist im Keller, während das Geschäft mit Konzerten boomt wie nie - Grund dafür ist auch die steigende Nachfrage nach Tickets im Internet. Längst wird die Mehrzahl der Plätze nicht mehr im Vorverkauf oder an der Abendkasse vergeben, sondern online gebucht. Leider kommt es dabei auch immer wieder zu Betrugsfällen, wie der Fall Viagogo im Zusammenhang mit der Take That-Tour 2011 zeigt.

Personalisierter Einlass

Nach Informationen von netzwelt hatten mehrere hundert Personen Probleme beim Einlass für das Konzert am vergangenen Freitag. Grund dafür war die Tatsache, dass der Name auf dem jeweiligen Ticket nicht mit dem Namen des Besitzers übereinstimmte. Der Veranstalter der Take That-Tour 2011 besteht jedoch auf einer Bindung der Karten an diejenige Person, die auch eingelassen wird. Bei allen Konzerten der Tour wurde daher vor dem eigentlichen Einlass ein Abgleich von Ticket und Personalausweis durchgeführt.

Diese Regelung traf besonders solche Zuschauer, die über den Zweitmarkt von Viagogo eine Karte erworben hatten. Im Gegensatz zu Eventim und Co. schöpft Viagogo nicht aus einem eigenen Kontingent für die jeweilige Veranstaltung, sondern fungiert lediglich als Handelsplattform für den An- und Verkauf beliebiger Tickets. Damit hat sich das Portal als Zweitmarkt besonders bei gut besuchten Konzerten und im Sport-Bereich erfolgreich etabliert, trägt im vorliegenden Fall aber nicht zur Lösung von Problemen bei.

Neuer Name, altes Ticket

Neben dem letzten Konzert der Take That-Tour 2011 in München war besonders auch der Auftritt in Hamburg sehr gefragt, sodass sich zahlreiche Nutzer sehr darüber gefreut hatten, dass Viagogo als einziges der großen Buchungsportale noch Karten im Angebot hatte. Leider hat es die Plattform aber versäumt, ihre Kunden klar und deutlich darüber zu informieren, dass die Tickets personengebunden sind. Meist ist das erst dann aufgefallen, wenn das Ticket bereits zugestellt und der Name auf der Karte klar ersichtlich war.

Auf Anfrage bei Viagogo wurde Kunden irrtümlicherweise mitgeteilt, es gebe auch bei Tickets dritter Personen trotz der klaren Vorgaben des Veranstalters keine Probleme beim Einlass. Im Notfall solle man eben angeben, man habe das Ticket geschenkt bekommen. Netzwelt sind einige Fälle bekannt, in denen auf Drängen der Kunden dennoch ein neues Ticket von Viagogo per Post zugesendet wurde, das auf den korrekten Namen des neuen Besitzers umgeschrieben war.

Allerdings sorgte diese Maßnahme nur für kurzzeitige Erleichterung: Auf der Karte für die Take That-Tour 2011 war zwar der Name geändert, der alte Barcode wurde aber nicht durch einen neuen ersetzt. So kamen die Besucher des Konzerts zwar problemlos durch die erste Kontrolle, am zweiten Counter erschien beim Scannen des Barcode aber noch der ursprüngliche Name.

Für die restriktiven Einlassbedingungen ist der Veranstalter verantwortlich.

Reaktion seitens Viagogo

Nach Berichten aufgebrachter Kunden tummelten sich beim Münchner Konzert geschätzte 200 Kunden von Viagogo am Informationsschalter, der bei dem Problem leider auch nicht weiterhelfen konnte. Nur vereinzelt wurden Zuschauer mit einem korrigierten Ticket eingelassen, sofern sie auch die alte Karte dabei hatten. Auf Anfrage von netzwelt bestätigt der Pressesprecher von Viagogo, Edward Parkinson, die Probleme beim Einlass für die Konzerte von Take That.

Allerdings hätten auch Kunden anderer Plattformen ähnliche Probleme gehabt. Viagogo hat nach eigener Aussage allen Kunden den Ticketpreis erstattet, die nicht eingelassen wurden. Auf eigene Anfrage von netzwelt beim Support von Viagogo wurde man jedoch abgewimmelt, die Möglichkeit einer Erstattung scheint dort offenbar nicht jedem Mitarbeiter bekannt.

Der Pressesprecher erklärt weiterhin, es gebe klare Regeln für den Handel mit Eintrittskarten auf Viagogo. Jeder Verkäufer sei verpflichtet, die gespeicherten Angaben zu einem Ticket zu aktualisieren, was eine "kleine Anzahl von Verkäufern leider unterlassen habe". Zum Vorwurf, Viagogo habe die Käufer nicht ausreichend über die Einlassbedingungen des Veranstalters aufgeklärt, äußerte sich Viagogo bisher nicht.

Die vorliegende Stellungnahme im Original:

"(...) Personalised tickets and customers gaining entry to the Take That concert was not an isolated incident involving viagogo customers. The majority of viagogo customers gained entry into the Take That concerts. Customers who bought from other websites and even directly from the box office faced long queues and entry issues. (…) Viagogo clearly communicated to sellers the necessary steps they needed to take to sell their tickets on the platform. All sellers were required to update the tickets to include the new name of the person attending the concert. Viagogo was reliant on the seller to take these steps and unfortunately, a small number of sellers did not take the steps needed to personalise the tickets. Due to the prohibitive security restriction imposed by the promoter, a small minority of customers were not able to gain entry. The sellers of these tickets will not be paid for the tickets they sold. In line with viagogo’s guarantee, we have immediately given refunds to all viagogo customers who were unable to gain entry to the concert. (…)"

Fazit

Der Erwerb von Konzertkarten aus dritter Hand ist generell eine heikle Angelegenheit, wie dieser Fall es noch einmal sehr deutlich gezeigt hat. Vorab sollten sich Kunden auf jeden Fall beim Veranstalter erkundigen, welche Bedingungen für eine Übertragung an dritte Personen gelten und ob dies gegebenenfalls Auswirkungen auf den Einlass hat. Das Ausstellen eines Tickets mit neuem Namen und altem Barcode ist ein höchst kritischer Vorgang. Alle Betroffenen können sich zwecks Regulierung des Schadens durch Viagogo auch an ihre Verbraucherzentrale wenden.

Kommentare zu diesem Artikel

Wer vergangenes Wochenende das Abschlusskonzert der Take That-Tour 2011 verfolgen wollte, wurde unter Umständen nicht in das Olympiastation gelassen. Grund dafür sind Probleme mit Tickets von Viagogo.

Jetzt ist Ihre Meinung gefragt. Diskutieren Sie im Forum zu diesem Artikel.

Jetzt Diskutieren!
  • Nika schrieb Uhr
    AW: Viagogo: Hintergründe zu fehlerhaften Take That-Tickets

    Ich bin auch geschädigt. Ein paar interessante Links zum Thema, auch bzgl. Geld zurück und wie es wohl im Hintergrund so ablief:

    SPIEGEL.TV - Web-TV der SPIEGEL Gruppe Take-That-Karten von Viagogo: Gutes Geschäft mit schlechten Onlinetickets - Panorama | STERN.DE Nach Ticket-Theater in Hamburg: "Viagogo": Entschädigung für Take-That-Fans! | Hamburg
  • putzi00 schrieb Uhr
    AW: Viagogo: Hintergründe zu fehlerhaften Take That-Tickets

    bin ebenfalls durch viagogo geschädigt. Da wir stundenlang am Troublecounter aushalten mussten und uns ebenfalls mit anderen Wartenden ausgetauscht haben kann ich sagen dass sich viagogo hier einfach rauswinden will: a. Es gab ein Urteil (mein Anwalt konnte es einsehen), das viagogo untersagte, Tickets zu vertreiben. Dennoch wurde der Verkauf nicht eingestellt. b. Bestandteil des Urteils war ebenfalls, dass nicht korrekt personalisierte Tickets rechtmäßig ungültig sind. c. viagogo unternahm nichts, diese Tickets korrekt zu personalisieren. Ich habe sie von November bis Januar und dann nochmals im Mai mehrfach dazu aufgefordert, die Tickets auf die korrekten Namen auszustellen. Demnach stimmt folgende Aussage nicht: Jeder Verkäufer sei verpflichtet, die gespeicherten Angaben zu einem Ticket zu aktualisieren, was eine "kleine Anzahl von Verkäufern leider unterlassen habe" viagogo hat die Aufforderung einfach nicht weitergegeben. d. Zu "Allerdings hätten auch Kunden anderer Plattformen ähnliche Probleme gehabt. Viagogo habe nach eigener Aussage allen Kunden den Ticketpreis erstattet, die nicht auf das Konzert gelassen wurden." Am Troublecounter waren ca. 80-90% der Betroffenen viagogo Kunden, vereinzelt ebay und andere Tickethändler. e. "Auf eigene Anfrage von netzwelt beim Support von Viagogo wurde man jedoch abgewimmelt, die Möglichkeit einer Erstattung scheint dort offenbar nicht jedem Mitarbeiter bekannt. " Das kann ich nur bestätigen!!! f. "Viagogo habe die Käufer nicht ausreichend über die Einlassbedingungen des Veranstalters aufgeklärt" Meiner Meinung haben sie sich selbst darüber nicht informiert!!! g. "Auf Anfrage bei Viagogo wurde Kunden irrtümlicherweise mitgeteilt, es gebe auch bei Tickets dritter Personen trotz der klaren Vorgaben des Veranstalters keine Probleme beim Einlass. Im Notfall solle man eben angeben, man habe das Ticket geschenkt bekommen" Wurde mir auch mehrfach mitgeteilt!

DSL- & LTE-Speedtest

Testen Sie mit unserem Speedtest Ihre tatsächliche DSL- oder LTE-Geschwindigkeit. Test auch mit Smartphone und Tablet möglich.

Jetzt Testen!

Der große Android-Update-Fahrplan

Welche Android-Version ist für mein Smartphone oder Tablet-Computer aktuell? Der große Android-Update-Fahrplan bringt Licht ins Dickicht der Versionen.

Jetzt ansehen!

article
30436
Viagogo: Hintergründe zu fehlerhaften Take That-Tickets
Viagogo: Hintergründe zu fehlerhaften Take That-Tickets
Wer vergangenes Wochenende das Abschlusskonzert der Take That-Tour 2011 verfolgen wollte, wurde unter Umständen nicht in das Olympiastation gelassen. Grund dafür sind Probleme mit Tickets von Viagogo..
http://www.netzwelt.de/news/87830-viagogo-hintergruende-fehlerhaften-take-that-tickets.html
2011-08-05 12:14:24
News
Viagogo: Hintergründe zu fehlerhaften Take That-Tickets