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Verkehrte Netzwelt: Die Retro-Welle rollt

In letzter Zeit sieht man sie häufig: Zumeist junge Leute, die mit klassischen Spiegelreflexkameras herumlaufen. Sie lieben den Charme des Analogen und verabscheuen die schnelle Digitaltechnik. Manche begnügen sich auch mit analogen Einwegkameras. Hauptsache, man darf einen Film einlegen. Man muss sich gar nicht darüber lustig machen, denn im Retro-Lager finden sich teilweise sehr begabte Menschen. 

Unverzichtbare Gadgets für jeden Retro-Kenners: Bleistift, Tintenfass, Radiergummi, Uhu, Füllhalter. (Fotos: Faber-Castell, Pelikan)
Unverzichtbare Gadgets für jeden Retro-Kenner: Bleistift, Tintenfass, Radiergummi, Uhu, Füllhalter. (Fotos: Faber-Castell, Pelikan)

Inhaltsverzeichnis

  1. 136 Bilder pro Minute
  2. 2Die Aura des Lichts
  3. 3Retro-Welle rollt durch die Stadt
  4. 4Der Personal Computer mit DOS
  5. 5Die Schreibmappe mit Bleistift und Radiergummi
  6. 6Mundharmonika statt MP3-Player
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36 Bilder pro Minute

Gönnen wir uns also ein paar Minuten Nostalgie von der Sorte "Früher wusste man noch, was Qualität ist". Wer in der Analog-Ära pro Tag mit einem 36-Bilder-Film auskommen musste, machte seine Fotos zwangsläufig sorgfältiger als der zeitgenössische Digicam-Besitzer, dessen SD-Card Tausende von Fotos aufnimmt.

Mit der Digitalen kann heute jeder pro Minute 36 Bilder schießen, ein gutes wird da schon dabei sein. Das Witzige ist, dass dabei oft nicht mal mehr ein einziges gutes Foto rausspringt, weil eben nur noch gedankenlos drauflosgeknipst wird. Ganz abgesehen davon, dass die meisten digitalen Kameras unter 1.000 Euro wegen des kleinen Sensors und der lichtschwachen Objektive keinen kreativen Umgang mit der Tiefenschärfe erlauben. Da ist einfach immer alles von vorne bis hinten scharf. 

Noch etwas anderes war früher schön: Die Spannung, wenn man den Film abgegeben hatte und ein paar Tage warten musste, bis die Fotos entwickelt waren. Das gab diese speziellen Momente des Wiedererkennens. Die Enttäuschung über Motive, die wider Erwarten zu dunkel ausfielen. Die Freude über zwei oder drei Fotos, die richtig gut waren.

Die Aura des Lichts

Aber das vielleicht Wichtigste ist: Ein analoges Bild hat irgendwie immer noch die Aura des Echten. Das Licht, das eine porträtierte Person reflektiert, fließt durch die Linse direkt auf den Film und regt die Silberkristalle an. Im Labor wird das Foto auf dem Negativ wieder per Licht auf ein beschichtetes Papier übertragen. Da gibt es also eine Kontinuität des Lichts von der "abgelichteten" Person bis zum fertigen Foto. Bei der digitalen Fotografie zerstört ein Bruch diese Kontinuität. Das Licht wird in Nullen und Einsen gebrochen, und die abgelichtete Person haucht ihre Seele sozusagen am CMOS-Sensor aus. Die nahezu totale Manipulierbarkeit digitaler Bilder am Rechner macht Foto-Romantiker doppelt misstrauisch. 

Mit ganz ähnlichen Worten könnte man auch über Musikaufnahmen sprechen. Deshalb stehen ja immer noch so viele Leute auf Schallplatten oder, wie jetzt gerade wieder, auf Kassetten. Musiker wie Kate Bush nehmen ihre Alben neuerdings so auf, dass sie wie eine Compilation von der Kassette klingen. 

Beiträgeinsgesamt 3 Beiträge

"Manche begnügen sich auch mit analogen Einwegkameras. Hauptsache, man darf einen Film einlegen." ;)

Ich schließe mich Diggsagg s erstem Satz bis zum zweiten Komma an. Auch ich bin ein technikbegeisterter User, der nicht unbedingt wenig Ahnung hat. Allerdings halte ich diese...

Ich denke schon mir behaupten zu können, recht technikaffin zu sein, habe auch iPhone und iPad und interessire mich für die neuesten Techniken. Allerdings muss ich sagen, dass ich viele Sachen immer...

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