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Unter der Lupe: Barrierefreiheit unter Windows 7
Microsoft Windows 7 für Nutzer mit Einschränkungen

von Markus Franz Uhr veröffentlicht

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Entwickler moderner Betriebssysteme müssen sich beim Thema Barrierefreiheit mit ernsten Fragen auseinandersetzen. Netzwelt zeigt, welche Technologien und Hilfsprogramme Windows für eingeschränkte Nutzer bietet.

Microsoft Windows 7 beinhaltet den Center für erleichterte Bedienung. (Quelle: Screenshot)

Eigentlich unterscheiden sich IT- und Automobil-Branche gar nicht so sehr: Es geht um schöne Formen, eine möglichst optimale Ausstattung und hohe Leistung bei geringem Verbrauch. Microsoft muss als größter Software-Hersteller aber gut aufpassen, dass dabei eingeschränkte Nutzer nicht auf der Strecke bleiben.

Der IT-Riese Apple hat sowohl das Desktop-Betriebssystem Mac OS X als auch die iOS-Systemumgebung für seine mobilen Geräte mit der VoiceOver-Technologie ausgestattet, die über Multi-Touch-Gesten und Möglichkeiten zur Steuerung von (Tablet-)PCs und Handys verfügt. Natürlich muss sich auch Microsoft den direkten Vergleich mit Apple gefallen lassen: Welchen Stellenwert genießt Barrierefreiheit unter Windows 7?

Erleichterte Bedienung

Das Micrasoft-Betriebssystem verfügt über eine Reihe von Funktionen, mit denen die Barrierefreiheit und Bedienbarkeit für Anwender mit eingeschränkten Fähigkeiten sichergestellt werden soll. Bei der Vorstellung der Version 7 ist das zwar etwas untergegangen, aber für die letzte Windows-Version haben die Ingenieure bei Microsoft stark an dem Thema gearbeitet: Dreh- und Angelpunkt für alle Hilfstechnologien bildet nun das sogenannte Center für erleichterte Bedienung, das über die Systemsteuerung aufgerufen werden kann.

Das Dialogfenster ist übersichtlich gestaltet: Im oberen Bereich präsentiert Windows Verknüpfungen zu den wichtigsten Hilfsprogrammen, unter anderem der Bildschirmtastatur und Bildschirmlupe sowie Sprachausgabe. Der Nutzer kann dort ebenfalls die Anzeige auf den Modus mit hohem Kontrast umstellen. Die anderen Symbole für erleichterte Bedienung orientieren sich an den Schnittstellen (Bildschirm, Maus und Tastatur) des Computers. Diese Gliederung hat Vorteile, da der Nutzer sich im Gegensatz zu VoiceOver unter Mac OS X nicht extra in die Besonderheiten eines speziellen Dienstprogramms eindenken muss.

Display, Maus, Tastatur

Sofern Personen mit Sehbehinderung mit einem Windows-PC arbeiten, stellt die Sprachausgabe sicherlich die wichtigste Form der Interaktion mit dem Rechner dar. Um diese zu aktivieren, genügt ein einfacher Klick auf das entsprechende Symbol. Leider bringt das aktuelle Windows 7 nur eine einzige Stimme mit: Microsoft nennt diese "Anna" - allerdings versteht sie ausschließlich Englisch und kann Deutsch nur mit starkem Akzent ausgeben. Selbst wenn man zusätzliche Stimmen aus dritter Quelle nachinstalliert, kann der Anwender nicht für bestimmte Objekte, zum Beispiel Fehlermeldungen oder Einstellungen, eine eigene Stimme zuweisen.

Die Bildschirmtastatur unter Windows 7 funktioniert auch zur Anmeldung. (Quelle: Screenshot)

Dafür kann Windows mit einer ordentlichen Sprachsteuerung aufwarten, sodass blinde Menschen nach einer kurzen Lernphase mit ihrem PC fließend "sprechen" können. Die Spracheingabe eignet sich nicht nur für die Steuerung des Computers, sondern natürlich auch als Ersatz für die Tastatur zur Texteingabe. Wer dagegen eine Bildschirmtastatur bevorzugt, kann diese genauso einfach wie die Sprachein-/ausgabe anschalten. Dabei ist sogar die Anmeldung am System über die Bildschirmtastatur möglich, während der Mac alle Hilfstechnologien immer erst nach der Anmeldung am Rechner zur Verfügung stellt. Um die physische Tastatur, auch bei gleichzeitiger Sprachsteuerung, zu ersetzen, können eingeschränkte Nutzer neben den üblichen Tastenkombinationen zusätzliche Kürzel einsetzen, die beispielsweise den Cursor an eine bestimmte Position setzen.

Lupe und Effekte

Die Gestaltung der Windows-Oberfläche ist für manche Personen gerade auch deshalb schlecht bedienbar, da viele Symbole und Texte meistens sehr klein dargestellt werden. Das Problem lässt sich leider nur bedingt durch die Anpassung der Auflösung bereinigen, sodass Microsoft seinem Betriebssystem eine virtuelle Lupe beigelegt hat. Sehr praktisch sind außerdem die visuellen Effekte: Dabei blinkt zum Beispiel der Bildschirm und ersetzt damit ein akustisches Warnsignal bei einer Fehlermeldung. Die meisten Funktionen im Bereich Barrierefreiheit funktionieren übrigens auch mit dem Büropaket Microsoft Office, dritte Anwendungen müssen aber genau wie am Mac auf die entsprechenden Hilfstechnologien speziell angepasst werden.

Fazit

Im Gegensatz zu Microsoft Windows 7 scheint das Thema Barrierefreiheit im mobilen Betriebssystem Windows Phone 7 bisher keine Rolle zu spielen: Microsoft liefert seine Handy-Plattform praktisch ohne entsprechende Hilfstechnologien aus. Die Umsetzung ist dafür beim PC-Betriebssystem sehr gut gelungen, insbesondere die Kombination aus Sprachausgabe und Sprachsteuerung ist für eingeschränkte Nutzer von Vorteil.

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http://www.netzwelt.de/news/87568-lupe-barrierefreiheit-windows-7.html
2011-07-18 10:57:49
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/microsoft-windows-7-beinhaltet-center-erleichterte-bedienung-bild-screenshot6734.jpg
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