Mac-Hosting derzeit kein Thema
Peter Müller von domainfactory im Interview: "Sicherheit liegt auch in Kundenhand"
Die meisten IT-Experten gehen davon aus, dass Cloud- oder Grid-Hosting klassische Hosting-Produkte in den nächsten Jahren verdrängen wird. Peter Müller, Produktmanager der domainfactory GmbH aus Ismaning, ist da anderer Meinung. Im Gespräch erklärt er auch, wie wichtig Sicherheit für die gesamte Branche ist.

Die beiden großen Unternehmen 1&1 und Strato haben den deutschen Hosting-Markt fest im Griff: In den Rechenzentren in Montabaur, Karlsruhe und Berlin laufen Millionen Webseiten - bei einem Fehler dort wäre in wenigen Minuten das halbe deutschsprachige Web vom Netz. Kleinere Dienstleister wie die domainfactory GmbH halten dagegen und versuchen, Kunden durch Cloud-Produkte zu überzeugen.
Netzwelt: Guten Tag, Herr Müller. Sie sind Produktmanager bei domainfactory. Können Sie uns bitte in einigen Sätzen erklären, wie sie dazu gekommen sind und was Sie an der Hosting-Branche besonders reizt?
Müller: Ich arbeite jetzt schon seit über acht Jahren bei domainfactory, bin also schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt eingestiegen. Ich habe die Entwicklung des Unternehmens und der Hosting-Plattform in den letzten Jahren begleitet und finde dabei besonders reizvoll, dass man Teil der gesamten Entwicklung des Internets ist. Letztendlich sind es die technischen Anbieter, die dafür sorgen, dass Kommunikation im Internet und technische Neuerungen überhaupt ermöglicht werden - das finde ich eine spannende Sache.
Netzwelt: Ihre Firma gehört zu den bekannteren Dienstleistern, obwohl der deutsche Markt klar von zwei großen Hostern dominiert wird. Wie setzt man sich gegen 1&1 und Strato durch?
Müller: Im Prinzip arbeiten wir für zwei ganz unterschiedliche Zielgruppen. Die großen Massenanbieter legen großen Wert darauf, auf die Masse zu gehen und eine möglichst breite Kundenbasis anzusprechen. Als kleinerer Wettbewerber, auch wenn man da dann zu den größeren Dienstleistern zählt, ist es natürlich so, dass man sich seine Spezialitäten suchen und damit absetzen muss - seien es bestimmte technische Leistungen, die große Hoster in der Form nicht bringen können, oder sei es ein besserer Service.
Netzwelt: Sie haben selbst angesprochen, dass sie bei domainfactory die Entwicklung des Internets mitverfolgen konnten. Ist Deutschland ein guter Standort für Hoster oder sollte man besser in die USA gehen?
Müller: Ich denke, grundsätzlich ist das Marktumfeld für technologisch orientierte Unternehmen sehr gut. Man findet durchaus qualifizierte Kräfte in Deutschland, momentan hilft auch die boomende Konjunktur gerade der IT-Branche. Hosting ist einer der Bereiche, der aber auch in schwachen Zeiten sehr gefragt ist, weil dann Leute nach neuen Möglichkeiten für die Produktpräsentation suchen. Erstaunlicherweise besitzen immer noch über 20 Prozent aller Unternehmen in Deutschland keine Internetpräsenz. Insofern ist also unabhängig von der allgemeinen Konjunktur ein Wachstumspotential für Hosting-Angebote vorhanden.
Im Vergleich zu anderen Märken muss man aber eingestehen, dass Neuentwicklungen zum Beispiel in den USA stärker vorangetrieben werden und vor allem auch leichter und schneller vom Markt angenommen werden. Wer als Hoster ein neues Produkt auf den Markt bringt, hat dort eine größere Chance, dass es positiv angenommen wird. Es ist schon so, dass man in Europa und auch in Deutschland teilweise ein Stück hinterher hinkt.

Netzwelt: In den letzten Monaten gibt es regelmäßig Hackerangriffe auf die Webseiten großer Firmen. Was tut ein Hosting-Dienstleister wie domainfactory, um seine Systeme zuverlässig abzusichern?
Müller: Sicherheit spielt beim Hosting eine sehr große Rolle. Das Thema muss man von zwei Seiten angehen: Einerseits muss der Hoster selbst seine eigenen Systeme absichern und auf dem aktuellen Stand sein, was die eingesetzte Software angeht - und natürlich braucht man auch Mitarbeiter mit dem entsprechenden Know-How. Auf der anderen Seite betrifft das Thema Sicherheit auch die Kunden, die auf unserer Plattform ihre Anwendungen einsetzen, auf die man als Hoster nur in begrenztem Maße Einfluss nehmen kann.
Genau das ist der neuralgische Punkt für jeden Hoster. Im Prinzip kann man nur begrenzt kontrollieren, wie aktuell die Programme der Kunden sind und ob erforderliche Sicherheitsupdates eingespielt wurden. Gutes Beispiel sind hier Content-Management-Systeme: Nutzt man diese für die Verwaltung der Seiteninhalte und verzichtet auf eine regelmäßige Aktualisierung, wird damit Angreifern Tür und Tor geöffnet. Das sind die häufigsten Fälle, die bei uns vorkommen. Sobald uns ein Problem bekannt wird, informieren wir aber natürlich den Kunden umgehend darüber und leisten auch Unterstützung über den Telefonsupport.
Netzwelt: Können Sie uns noch etwas mehr über die konkreten Sicherheitsmaßnahmen erzählen?
Müller: Es gibt innerhalb des Unternehmens eine eigene Abteilung für Platform Engineering, die sich zwar nicht nur um das Thema Sicherheit, sondern auch um die allgemeine technische Weiterentwicklung kümmert - dabei spielen Sicherheitsaspekte aber eine sehr große Rolle. So achtet domainfactory zum Beispiel immer darauf, dass die Versionen derjenigen Programme aktuell sind, die unsere Kunden über die Installationsfunktion im Kundenmenü einspielen können. Über den Support sprechen wir Sicherheitsprobleme sofort an, sobald uns auffällt, dass der Kunde beispielsweise eine potentiell gefährliche Software einsetzt. Wir weisen da deutlich darauf hin.
Netzwelt: In der Hosting-Branche spielt die Virtualisierung eine immer größere Rolle. Virtuelle Server gibt es schon für wenige Euro monatlich. Verschwindet dadurch das klassische Shared Hosting in Zukunft?
Müller: Nein, ich glaube nicht. Ich denke, die Unterteilung in Shared Hosting, virtuelle und dedizierte Server wird weiterhin bestehen bleiben - einfach deshalb, weil die Anforderungen der Anwender ganz unterschiedlich sind. Der eine Nutzer legt zum Beispiel großen Wert darauf, dass er seinen Server selbst administrieren und entscheiden kann, welche Programme darauf laufen. Für ihn ist ein virtueller oder dedizierter Server die beste Lösung, während andere Anwender sich überhaupt nicht um die technischen Details des Hostings kümmern und nur schnell eine Webseite ins Netz bringen möchten. Genau deshalb ist der Shared-Hosting-Bereich unserer Meinung nach weiterhin wichtig, da sich der Hoster hier um die gesamte Technik kümmert.
Netzwelt: Cloud Computing beeinflusst ja besonders den Hosting-Markt sehr stark. Ist das ein Hype oder doch ein Trend mit Potential? Sie bieten mit Jiffybox ja eine eigene Plattform für das Cloud-Hosting an.
Müller: Die Idee bei Jiffybox war einfach die, das Versprechen von Cloud Computing in die Realität umzusetzen und in einer praktikablen Lösung auszuformen: Ressourcen können flexibel und jederzeit skalierbar über das Internet bezogen werden - und zwar auf eine Art und Weise, die auch für kleine und mittlere Unternehmen nutzbar und erschwinglich ist. Unser Cloud-Angebot wurde unter dem Namen Jiffybox gestartet, um den Unterschied beziehungsweise Abstand zu anderen Produkten von domainfactory herauszustellen.
Ich denke, dass langfristig Cloud-Hosting nur eine von vielen Möglichkeiten bleiben wird, auch wenn seine Bedeutung definitiv noch massiv zunehmen wird. Seit zwei Jahren kann man eine deutliche Tendenz sehen. In unseren Augen setzt sich das auch fort. Wir sind sehr zufrieden damit, wie Jiffybox angenommen wird.

Netzwelt: Ein großer Teil der Hosting-Plattformen, nicht nur bei domainfactory, basiert auf Linux, seltener sieht man einige Windows-Angebote. Wie sieht es mit Hosting-Produkten auf Mac OS X aus?
Müller: Dazu kann ich Ihnen leider gar nichts sagen, weil das für uns derzeit überhaupt kein Thema ist. Der Linux-Bereich ist unserer Meinung nach ausschlaggebend, auch Windows-Hosting bieten wir ja gar nicht an. Getreu dem Motto "Schuster bleib bei deinen Leisten" konzentriert sich domainfactory auf Linux-Hosting, obwohl es durchaus eine Nachfrage für Angebote mit dem Windows-Server-Betriebssystem gibt. Im Apple-Bereich sehen wir allerdings keinen Bedarf seitens der Kunden, jedenfalls im Moment.
Netzwelt: Herzlichen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen alles Gute.
(Das Gespräch wurde am 01.07.2011 telefonisch geführt.)
