Ab 2012 neue Top-Level-Domains

Kommentar: Das Web der Großkonzerne

Die Internet-Verwaltungsorganisation ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) hat uns gerade einen etwas fragwürdigen Fortschritt beschert: Ab 2012 können Unternehmen, Institutionen und Organisationen ihren Namen oder einen Allgemeinbegriff als eigene Top-Level-Domain (TLD) anmelden. Die ersten neuen TLDs werden 2013 im Internet auftauchen - Netzwelt.de könnte dann beispielsweise News.netzwelt heißen oder netzwelt.hamburg.

?
?


Werbung

Die Vertreter von Industrie und Werbewirtschaft sind begeistert und schwärmen von einer neuen Internet-Ära. Endlich können die Marketing-Spezialisten die Firmennamen in voller Pracht im Internet platzieren. Das Internet wird "vielseitiger und individueller", sagt Dieter Kempf, Chef des Branchenverbands Bitkom.

Allerdings sind die neuen Adressen nur für finanzstarke Unternehmen interessant. Für die Bewerbung um solch eine TLD sind rund 120.000 Euro fällig. Dazu kommen laut Bitkom die Kosten von "bis zu einer halben Million Euro für Projektmanagement, Technik und Rechtsberatung". Kleine Handwerksbetriebe und Mittelständler können sich das nicht leisten. Hier stellt sich schon die Frage, ob das nicht ungerecht ist.

Es stellt sich aber auch eine zweite Frage: Was haben die Anwender davon? Antwort: Eher wenig. Wahrscheinlich wird die Suche nach Marken oder Firmen eher noch komplizierter.

Schon jetzt ist die Suche nach der Homepage einer Firma oder einer Organisation nicht immer ganz leicht. Die meisten Leute tippen die Namen von Firmen gleich in die URL-Zeile ein. Doch oftmals weiß man nicht, ob es sich um eine .com- oder eine .de-Domain handelt. Die nächste Schwierigkeit besteht darin, dass manche Firmen oder Marken gar nicht unter ihrem eigenen Namen im Internet auftauchen. Wer den Fahrradhersteller Hercules sucht und "Hercules.de" eintippt, landet beim gleichnamigen Multimedia-Hersteller. Der Fahrradhersteller ist hingegen unter Hercules-bikes.de zu erreichen.

Die Firmen-Suchmaschine

Natürlich ist das alles kein großes Problem, die Homepages findet man auch über Google oder Bing. Aber auch hier muss man die Suche eingrenzen. Sonst hat man gleich mal 1.660.000 Treffer wie bei Eingabe des Suchbegriffs "Hercules Fahrräder".

Für Anwender wäre es ein echter Fortschritt, wenn es so etwas wie eine Homepage-Suchmaschine gäbe - also ein Verzeichnis aller Homepages von Firmen, Institutionen, Verbänden oder auch Städten. Das könnte auch eine eigene Funktion in Bing oder Google sein, die auf solche Webseiten spezialisiert ist. Blogs, News-Portale, Privatseiten oder Foren wären ausgeschlossen.

Der Anwender gibt einfach den Namen der gesuchten Marke ein. Dazu eventuell das Land und die Branche ("Hercules", "Fahrräder") und die Suchmaschine liefert dann die passenden zwei oder drei Treffer. Das wäre viel praktischer, als sich eine gesuchte Marke aus einer Liste mit Millionen Treffern rausfieseln zu müssen.

So eine Suchmaschine für Marken oder Hersteller würde vielleicht keine neue Internet-Ära begründen, wäre aber jedenfalls eine praktische Sache. Auch die kleinen Anbieter wären selbstverständlich dabei. Denn ein Web der Großkonzerne braucht keiner.

Mehr zum Thema »

Links zum Thema


Alle netzwelt-Specials

Mac OS X Kommentar Was Microsoft Linux verdankt

Das Microsoft-Imperium scheint zu schrumpfen. An einer Monopolstellung hält das Unternehmen aber fest: Der Desktop-PC-Markt bleibt in der Hand von...