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Tiny Core 3.7: Schlanke Linux-Distribution mit unter zehn Megabyte
Stark abgespeckt

von Markus Franz Uhr veröffentlicht

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Wer OpenSuse, Ubuntu oder eine andere große Distribution auf seinem PC einrichtet, muss hunderte Megabyte auf die Festplatte laden. Tiny Core geht einen radikal anderen weg und spart viele Komponenten ein.

Tiny Core bietet trotz der geringen Größe einen grafischen Desktop.

Moderne Betriebssysteme wie Windows, Linux oder Mac OS X verlangen dem Computer einige Ressourcen ab - besonders die grafisch aufwändigen Oberflächen erfordern schnelle Grafikkarten und enorm viel Speicher. Selbst für Linux-Betriebssysteme gilt das: So läuft zum Beispiel der Unity-Desktop von Ubuntu kaum auf älteren PCs. Tiny Core bietet sich hier als Alternative an, denn das Linux-System ist bis auf das Nötigste abgespeckt.

Tiny Core als ISO-Image

Das Betriebssystem Tiny Core kann als ISO-Image von der Projektseite heruntergeladen werden. Dem Einsteiger fällt schon beim Download auf, wie schlank die Distribution gehalten ist. Mit knapp zehn Megabyte Größe ist das Laden sogar bei langsamer Modem- oder GPRS-Internetverbindung in wenigen Minuten abgeschlossen. Der Nutzer muss allerdings aufpassen, dass er auch die richtigen ISO-Images bezieht: Neben Tiny Core bieten die Entwickler auch Micro Core an, das aber keinerlei grafischen Desktop besitzt.

Die aktuelle Version Tiny Core 3.7 ist auf jedem Personal Computer oder Mac mit x86-Prozessor lauffähig. Durch die Integration eines vollwertigen Linux Kernel 2.6 unterstützt sie auch Komponenten neueren Datums, so dass in der Regel ein Netzzugang über Ethernet problemlos erkannt wird. Tiny Core stellt als einen der großen Vorteile heraus, dass das System komplett in den Arbeitsspeicher des Rechners passt - der Nutzer benötigt also theoretisch nur etwa 48 Megabyte RAM. Um das Betriebssystem auszuprobieren, bietet es sich an, Tiny Core zunächst in einer virtuellen Umgebung wie Oracle VirtualBox zu testen.

Inbetriebnahme und grafische Umgebung

Tiny Core lässt sich natürlich auch auf eine CD (sogar auf kleine 8cm-Medien) brennen oder auf einem USB-Stick als bootbares Betriebssystem einrichten. Sobald der Boot-Bildschirm von Tiny Core erscheint, kann der Nutzer das System durch Drücken der Enter-Taste hochfahren oder über die Tasten F1 und F2 weitere Boot-Optionen anzeigen. Für den Startvorgang selbst setzt Tiny Core 3.7 auf das Programm Isolinux, dessen Statusmeldungen allerdings nicht wie in Ubuntu und anderen Distributionen hinter einem Splash-Screen versteckt werden. Der Benutzer kann so beispielsweise Fehlermeldungen verfolgen.

In der Regel dauert es nur wenige Sekunden, bis Tiny Core in den Speicher geladen und der Desktop zu sehen ist. Erscheint beim Start eine Kernel-Panic-Meldung, verfügt der Computer in der Regel über zu wenig Arbeitsspeicher.

Das Betriebssystem kann mit Apps erweitert werden.

Die grafische Umgebung von Tiny Core ist sehr einfach gehalten: Den blauen Hintergrund ziert ein schlichtes Logo, die gesamte Bedienung spielt sich in der Symbolleiste am unteren Bildschirmrand ab. Was wie ein abgewandeltes Dock aus Mac OS X aussieht, funktioniert auch genau so. Sobald man über ein Symbol fährt, wird dieses vergrößert und eine Beschreibung für die Anwendung erscheint.

Programme und Apps

Tiny Core bringt ab Werk neben einer Kommandozeile auch einen Texteditor mit, der allerdings keinerlei Formatierungen erlaubt und nur einfache Textdateien lesen kann. In der Praxis ist auch das Mount-Programm sehr wichtig, da sich damit interne und externe Datenträger in das System ein- und aushängen lassen. Tiny Core 3.7 unterstützt durch den vollwertigen Linux-Kernel sowohl ext2/3/4 als auch NTFS, um zum Beispiel über einen USB-Stick Dokumente mit einem Windows-PC zu tauschen. Die schlanke Linux-Distribution bringt in der aktuellen Version endlich einen Datei-Manager mit, um vorhandene Dateien und Ordner zu kontrollieren.

Natürlich dürften sich nur wenige Nutzer mit den vorhandenen Programmen zufriedengeben. Tiny Core bietet zur Erweiterung des Systems ein App-Verzeichnis (genannt AppsAudit) an, in dem zahlreiche Open-Source-Anwendungen bereitstehen - zum Beispiel finden Nutzer dort auch Aircrack-NG und Browser.

Fazit

Tiny Core 3.7 bietet mehr, als der gemeine Nutzer von dem minimalistischen Betriebssystem auf den ersten Blick vielleicht erwartet. Durch die grafische Umgebung mit neuem Datei-Manager und der Möglichkeit, auf einfache Weise neue Programme nachzuinstallieren, kommen auch Einsteiger schnell mit dem Betriebssystem zurecht. Tiny Core ist die perfekte Lösung, um einem alten PC wieder neues Leben einzuhauchen.

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Gerade einmal zehn Megabyte ist die neue Linux-Distribution von Tiny Core groß. Diese schlanke Größe erreicht Tiny Core durch konsequentes Einsparen von Komponenten.
http://www.netzwelt.de/news/87259-tiny-core-3-7-schlanke-linux-distribution-zehn-megabyte.html
2011-06-23 09:25:15
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/tiny-core-bietet-trotz-geringen-groesse-grafischen-desktop-bild-netzwelt6373.jpg
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