Antidiskriminierungsstelle des Bundes
Anonymisierte Bewerbungen: Pilotprojekt zeigt Erfolg
Die Qualifikation sollte bei Bewerbungen zählen und nicht die Nationalität, das Geschlecht oder das Alter, findet die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS). Deshalb startete sie vor rund sechs Monaten das Pilotprojekt "Anonymisierte Bewerbungsverfahren" und zieht jetzt eine erste positive Zwischenbilanz.

Persönliche Informationen sind bei Bewerbungen nicht zwingend notwendig. Das zeigt der Zwischenbericht der Antidiskriminierungsstelle. Demnach haben sich über 4.000 Personen im vergangenen halben Jahr anonym beworben und 111 Stellen wurden anonym besetzt. Sowohl die Bewerber als auch die Personalbeauftragten der teilnehmenden Unternehmen fällten ein positives Urteil.
Bewerber bevorzugen Anonymität
Die Mehrheit der Bewerber gab in einer Umfrage an, dass sie das anonymisierte Bewerbungsverfahren bevorzugen (45 Prozent). Etwas mehr als ein Drittel würden lieber das herkömmliche Verfahren nutzen. Rund 19 Prozent zeigten keine Präferenz. Der zeitliche Aufwand ist bei beiden Bewerbungsmöglichkeiten laut drei Viertel der Bewerber gleich beziehungsweise benötigt die anonymisierte Variante weniger Zeit. Für ein Viertel geht die herkömmliche Bewerbung schneller.
Insgesamt fünf Unternehmen und drei öffentliche Arbeitgeber machen bei dem Pilotprojekt mit. Die Personalbeauftragten gaben an, dass sie das Fehlen der persönlichen Angaben nicht als Problem ansehen. Stattdessen wird die Qualifikation in den Mittelpunkt gerückt, was die Arbeitgeber als positiv beurteilten. Bei dem Projekt beteiligen sich die Deutsche Post, die Deutsche Telekom, L´Oréal, Mydays, Procter & Gamble, das Bundesfamilienministerium, die Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen und die Stadverwaltung von Celle.
Bei den anonymisierten Bewerbungen fehlen ein Foto, der Name, die Adresse, das Geburtsdatum, Angaben zum Alter, der Familienstand oder die Herkunft des Bewerbers. Alle anderen Informationen wie die Bildung, die Berufserfahrung oder die Motivation sind weiterhin vorhanden. Sobald ein Vorstellungsgespräch vereinbart wird, erhalten die Personalbeauftragten die vollständigen Unterlagen.
Weitere Informationen
Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Anonymisierung hier.
