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Bitcoin: Neue Web-Währung mittels Peer-to-Peer-Software
Ganz ohne Zentralbanken

von Markus Franz Uhr veröffentlicht

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Wer Zahlungen in der neuen Web-Währung namens Bitcoin annimmt, lebt gefährlich: Die Geldentwertung schreitet bei dem Hacker-Projekt durch die fehlende Kontrolle einer Zentralbank rasend schnell voran.

Der sogenannte Cyber-Terrorismus wird von praktisch jedem Land als eine reale Gefahr angesehen. Mit der neuen Währung Bitcoin kommt noch eine andere Gefahr aus dem Netz hinzu: Nutzer können ohne jegliche Kontrolle Geld austauschen. Das öffnet nicht nur Geldwäsche, sondern auch der Inflation Tür und Tor.

Die Oberfläche des Bitcoin-Programms ist sehr schlicht gehalten.

Durch die griechische Schuldenkrise sind die Zentralbanken derzeit in den Medien gut präsent. Doch sie haben offenbar keinen Schimmer davon, was sich derzeit unter dem Projektnamen Bitcoin im Web abspielt: Langsam aber sicher scheint sich eine elektronische Währung zu etablieren, die auch unsere Offline-Welt auf den Kopf stellen könnte. Seit jeher bemühen sich Kreditinstitute und Zentralbanken, Zahlungsströme auszuwerten und damit z.B. Geldwäsche zu bekämpfen. Bitcoin fehlt aber jegliche regulative Kontrollinstanz.

P2P als Zentralbank

Für gewöhnlich sind die Zentralbanken für die Steuerung der Geldmenge in einer Volkswirtschaft verantwortlich. Je nachdem, wie viele Kredite sie an Banken vergeben und wie hoch die Zinsen dafür sind, können sich Verbraucher und Unternehmen entsprechend günstig oder teuer Geld leihen (oder es anlegen). Damit steht und fällt die Nachfrage nach Geld durch die Steuerung des Angebots, was Auswirkungen auf die Liquidität – und damit auch auf die Inflationsrate – hat. Ferner bilden Zentralbanken die Grundlage für den Geldtransfer zwischen allen angeschlossenen Kreditinstituten, die praktisch ein großes Girokonto dort betreiben.

Doch was passiert, wenn ein Währungssystem ohne Zentralbanken geschaffen wird? Genau mit dieser Frage beschäftigt sich ein Forschungspapier des Japaners Satoshi Nakamoto aus dem Jahr 2008, in dem erstmals die Idee einer Peer-to-Peer-Lösung für die Kontrolle von Geldern entwickelt wurde. Die Idee für virtuelles Geld ist nicht ganz neu: Zahlungsdienste wie PayPal, die klassische Banken mit dem Web verbinden, gibt es schon seit Mitte der 90er Jahre. Allerdings sind diese immer an eine zentrale IT-Infrastruktur gekoppelt und wickeln die Einlagen und Transaktionen angemeldeter Nutzer in ihrer jeweiligen Landeswährung ab.

Für die Verteilung von Bitcoins sorgt der Bitcoin Miner.

Die Bitcoin Software

Im Gegensatz dazu steht bei Bitcoin ein Open-Source-Programm im Zentrum des Konzepts. Dieses ist derzeit für die Betriebssysteme Windows XP oder neuer, Mac OS X ab Version 10.4 sowie diverse Linux-Distributionen erhältlich und mit unter zehn Megabyte auch recht klein. Nach der erfolgreichen Installation der Anwendung lädt der Bitcoin Client eine Liste sogenannter Überweisungsblöcke herunter, was durchaus bis zu einer Stunde dauern kann. Erst danach kann er seinen virtuellen Geldbeutel nutzen: Das Bitcoin-Programm ist extrem einfach gehalten und gliedert sich nur in Reiter für Guthaben sowie gesendete und erhaltene Zahlungen. Jeder Nutzer besitzt eine eindeutige Identifikationsnummer mit 33 Stellen, die Bitcoin vergibt.

Um die Fähigkeiten der virtuellen Web-Währung zu testen, benötigt man zunächst einmal ein Startguthaben. Die Webseite des Projekts listet einige Börsen auf, auf denen hartes Geld gegen Bitcoins getauscht werden kann – mitunter geht das sogar auf Basis einer PayPal-Zahlung. (Die virtuellen Wechselstuben funktionieren in beide Richtungen, d.h. auch Bitcoins lassen sich in US-Dollar oder Euro zurücktauschen.) Sofern der Nutzer einen Online-Shop betreibt, kann er natürlich auch Bitcoins als Zahlungsmittel zulassen und darüber sein Guthaben etwas erhöhen. Eine Überweisung ist mit dem Bitcoin-Programm ganz einfach: Es muss lediglich die 33-stellige ID der Zielperson und der Betrag eingegeben werden, weitere Daten sind nicht nötig.

Zweifache Sicherheit

Nach wenigen Sekunden sollte die Überweisung über das Peer-to-Peer-Netzwerk erfolgreich abgeschlossen sein und ein neuer Eintrag in der Transaktionshistorie erscheinen. Die Entwickler haben bei der Konzeption der Bitcoin-Währung großen Wert auf Sicherheit gelegt: Jeder Geldbeutel besitzt einen privaten und öffentlichen Schlüssel. Mit letzterem wird eine Überweisung versehen, sodass diese für fremde Augen unlesbar ist und die Quelle eindeutig durch eine Signatur identifiziert werden kann. Damit ist es praktisch ausgeschlossen, dass ein Angreifer mit manipulierten Überweisungen ohne jedes Guthaben mit Bitcoins bezahlt.

Gleichzeitig ist die Spiegelung der Überweisungsdatenbank auf allen Knoten im Bitcoin-P2P-Netz ein Garant dafür, dass niemand die Bitcoin-Software so verändert, dass der virtuelle Geldbeutel ohne Grundlage aufgefüllt wird – so bleibt die verfügbare Geldmenge weitgehend unter Kontrolle. Tatsächlich gibt es auch bei Bitcoin eine Art Refinanzierung der Kreditnehmer: Es findet eine Art maschinengesteuerter Verlosung statt, bei der circa alle zehn Minuten 50 neue Bitcoins entstehen und einem beliebigen Nutzer zugeteilt werden. Das Geld, das über die Verlosung ausgeschüttet wird und auch Bitcoin vor Inflation schützen soll, ist allerdings maximal auf 21 Millionen Einheiten beschränkt. Sobald dieser Betrag ausgereizt ist, erfolgt eine genauere Stückelung der virtuellen Münzen: Die Bitcoin-Programmierer haben bis zu acht Nachkommastellen vorgesehen.

Fazit

Bitcoin hat das Potential, zu einer echten Konkurrenz für etablierte Währungssysteme zu werden. Durch den dezentralen Aufbau kann es nicht kontrolliert werden und ist immun gegen Fälscher, da die P2P-Datenbank von jedem Nutzer automatisch auf ungenehmigte Manipulationen kontrolliert wird. Bitcoin hat aber auch eine Schattenseite: Da die Teilnehmer einer Überweisung nicht eindeutig echten Menschen zugeordnet werden können, ist jede Seite hundertprozentig anonym – und schafft damit ein Paradies für Geldwäscher. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. hat sich daher sogar für ein gesetzliches Verbot ausgesprochen.

Kommentare zu diesem Artikel

Wer Zahlungen in der neuen Web-Währung namens Bitcoin annimmt, lebt gefährlich: Die Geldentwertung schreitet bei dem Hacker-Projekt durch die fehlende Kontrolle einer Zentralbank rasend schnell voran.

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  • Unregistriert0815 schrieb Uhr
    AW: Bitcoin: Neue Web-Währung mittels Peer-to-Peer-Software

    der typ der diesen artikel verfasst hat, hat keine ahnung von der materie. in bitcoin steckt ser viel potenzial, passt bloss auf, die bänker werden dass nicht dulden, die regierungen werden gesetze erlassen. jeder der bitcoin schlecht macht gehört entweder zum establishment oder hat keine ahnung. die konservativen, die wirtschaftsbosse, die mächtigen werden durch die regierungen dem ganzen ein ende bereiten, in dem moment wenn sie das potenzial von bitcoin erkennen.
  • Unregistriert9001 schrieb Uhr
    AW: Bitcoin: Neue Web-Währung mittels Peer-to-Peer-Software

    "Bitcoin hat aber auch eine Schattenseite: Da die Teilnehmer einer Überweisung nicht eindeutig echten Menschen zugeordnet werden können, ist jede Seite hundertprozentig anonym – und schafft damit ein Paradies für Geldwäscher. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. hat sich daher sogar für ein gesetzliches Verbot ausgesprochen." Hundertprozentige Anonymität gibt es im Internet nicht. Und Bitcoin stellt hierbei keine Ausnahme dar, da eine Liste sämtlicher Transaktionen in Form der Blockchain vorhanden ist. Weiters ist zur Bedarf es einer Interaktion zwischen Käufer und Verkäufer, welche ebenfalls zurückverfolgbar ist. IMHO wurde hier etwas nachlässig recherchiert und Informationen (samt Fehlinformationen) aus anderen Medien und von der BVDW-Lobby übernommen. Den Vergleich mit Cyber-Terrorismus finde auch recht schwach (vergleicht man hier auch Gandhi und Bin Laden? :D)
  • Unregistriert124234 schrieb Uhr
    AW: Bitcoin: Neue Web-Währung mittels Peer-to-Peer-Software

    Könnte mir jemand erklären, warum das der Inflation Tür und Tor öffnet? Nach kurzem überfliegen des Bitcoin-Wiki steht da, dass Bitcoins unwiderruflich bei 21 Millionen enden und dass es nicht möglich ist, mehr zu generieren.
  • Unregistriert5000 schrieb Uhr
    AW: Bitcoin: Neue Web-Währung mittels Peer-to-Peer-Software

    Wer Zahlungen in der neuen Web-Währung namens Bitcoin annimmt, lebt gefährlich: Die Geldentwertung schreitet bei dem Hacker-Projekt durch die fehlende Kontrolle einer Zentralbank rasend schnell voran. genau umgekehrt ist es ;-) aber gut, daß sich die Menschen jetzt langsam einmal mit den wirklichen Zusammenhängen in ihren Geldordnungen auseinandersetzen müssen. Bitcoin hilft hier auf diese Weise ungemein !

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Bitcoin: Neue Web-Währung mittels Peer-to-Peer-Software
Bitcoin: Neue Web-Währung mittels Peer-to-Peer-Software
Hintergrund zu Bitcoins
http://www.netzwelt.de/news/87003-bitcoin-neue-web-waehrung-mittels-peer-to-peer-software.html
2011-06-03 12:26:34
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