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Verkehrte Netzwelt: Doktor-Remix oder die ehrliche Wissenschaft
Das Ende des guten alten Copy und Paste

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Doktorarbeiten sollen wieder sauber werden. Im Dienste der ehrlichen Wissenschaft sind auch die Plagiate-Jäger von Vroniplag unterwegs. Ihnen entgeht kein Schummler. Seite für Seite analysieren sie Doktorarbeiten und stellen Text-Diebe an den Pranger.

Deutschlands Universitäten und Doktorväter sind im Alarmzustand. Nachdem sie jahrzehntelang von Plagiatoren und falschen Doktoranden hinters Licht geführt wurden, achten Sie jetzt scharf darauf, dass jetzt niemand mehr abschreibt oder kopiert. Doktorarbeiten sollen wieder sauber werden. Im Dienste der ehrlichen Wissenschaft sind auch die Plagiate-Jäger von Vroniplag unterwegs. Ihnen entgeht kein Schummler. Seite für Seite analysieren sie Doktorarbeiten und stellen Text-Diebe an den Pranger.

Der Schrecken aller Schummel-Doktoren: Vroniplag untersucht wissenschaftliche Arbeiten auf Plagiate. (Quelle: Screenshot)

Doch vielleicht freuen sich die Hüter der Wissenschaft ein bisschen zu früh. Denn es ist wie beim alten Spiel zwischen Hase und Igel. Einer ist immer einen Schritt voraus. Das sind die Plagiatoren, die sich schon bald neuer Tricks bedienen werden. Cloud Computing, Supercomputer und intelligente Software-Algorithmen machen es möglich, 500-seitige wissenschaftliche Arbeiten in wenigen Wochen fertigzustellen. Die Guttenbergs der Zukunft nutzen ebenso clevere wie diskrete Internet-Services.

Die Verkehrte Netzwelt wirft einen Blick auf die perfiden Tricks der digitalen Remixer.

Internet-Services für die Guttenbergs der Zukunft

Im ersten Schritt gibt der Doktorand auf der Webseite das Thema der geplanten Arbeit an. Zusätzlich gibt er 20 oder dreißig wichtige Stichwörter, Fachbegriffe oder Schlagwörter an, die in seiner Arbeit vorkommen.

Jetzt sucht der Internet-Dienst auf den Webseiten der akademischen Welt nach Texten, in denen diese Begriffe vorkommen. Der Kunde kann sogar das gewünschte Sprachniveau vorher definieren. Die Software erkennt nämlich auch komplizierten Satzbau und Fremdwörter. Nach einigen Stunden erhält der Kunde die Suchergebnisse. Für jeden Text generiert die Software automatisch ein dreizeiliges Abstract und markiert auch gleich die Stellen mit den gesuchten Stichwörtern.

Der Plagiator kann sich die einzelnen Texte auch komplett ansehen. Per Mausklick wählt er im nächsten Arbeitsschritt die Texte oder Passagen aus, die er für seine Arbeit verwenden möchte. Durch die Vergabe von Nummern legt er fest, in welcher Reihenfolge diese Texte erscheinen soll. Nach einem Klick auf "Bitte Doktorarbeit generieren. Danke schön." macht sich die Software an die Arbeit. Die Programme laufen auf rechenstarken Servern in Cloud Computing-Umgebungen.

Software schlägt Synonyme vor

Die Software begnügen sich nicht damit, ausgewählte Artikel aneinanderzuhängen. Sie analysiert die Texte und sucht bei Substantiven, Verben und Adjektiven nach Synonymen. Dazu konsultiert sie den Duden. So wird der Wortschatz der Original-Texte schrittweise modifiziert.

Später wird sich der Nutzer die veränderten Artikel in seine Textverarbeitung laden und mit der Überarbeiten-Funktion kontrollieren. Er kann jede einzelne von der Software vorgeschlagene Änderung akzeptieren oder ablehnen.

Die Premium-Variante des Software-Dienstes ist sogar in der Lage, den Satzbau der Sätze zu verändern. Aus komplizierten Schachtelsätzen werden einfache Hauptsätze, Verben ändern die Position, Aktivsätze zu Passivsätzen umgewandelt. Kostet aber extra.

So entsteht ein Textgebilde, in dem die Vorlagen kaum mehr zu erkennen sind. Anderer Wortschatz, anderer Satzbau.

Das ist viel mehr als simples Copy & Paste. Das ist der algorithmisch gesteuerte Hightech-Remix.

Summa cum laude ist eingebaut

In der allerhöchsten Ausbaustufe (Premium deLuxe) kann der Doktorand sogar eine neue wissenschaftliche Arbeit mit einem ganz neuen Thema generieren lassen. Die Software wählt Texte aus, die nur zwei Dinge gemeinsam haben: Sie bestehen aus lauter Schachtelsätzen und besitzen einen Fremdwörter-Anteil von mindestens 90 Prozent.

Die folgende Phase ist sehr rechenaufwendig, deshalb müssen Supercomputer ran. Denn nun beginnen hochintelligente Software-Algorithmen ihr kreatives Werk. Sie zerlegen Aussagen, wirbeln Sätze durcheinander, rütteln und schütteln und mischen. Ein Logik-Analyse-Modul erkennt Argumentationsstrukturen wie Behauptung, Schlussfolgerung, Widerspruch oder Synthese und ist in der Lage, diese Strukturen auf beliebigen Wortschatz anzuwenden. Damit baut die Software neue Texte mit neuen Thesen. Sogar Fußnoten werden per Zufallsprinzip generiert.

So entstehen wissenschaftliche Dissertationen mit eingebautem Summa cum Laude. Professoren können damit ebenso akademische Texte generieren, formatieren und automatisch publizieren. Wenn Computer wie Mozart oder Beethoven komponieren können, dann können sie auch akademische Aufsätze schreiben.

Die Dienste lassen sich auch mobil über Smartphones aufrufen. Ein schöner Zeitvertreib im Intercity. In Frankfurt als ordinärer Student einsteigen, während der Fahrt ein bisschen tippen und klicken, in Leipzig als Dr. oec. aussteigen. Es heißt doch immer: Karriere im Schnelldurchlauf.

Das Ende des guten alten Copy und Paste

Manch einen erfasst jetzt Wehmut. Denn das gute alte Zeitalter von Copy und Paste neigt sich dem Ende zu. Cloud Computing, Supercomputer und intelligente Software läuten eine neue Epoche in der akademischen Welt ein. Es dämmert das Zeitalter von Remix, Remaster und Mesh, die große Text-Synthese. Die Plagiate-Jäger von Vroniplag können nach Hause gehen.

Sie glauben das alles nicht? Der Text, den Sie gerade gelesen haben, wurde komplett aus fremden Quellen kopiert, remixed und remastered. Und die Quellen finden Sie nie …

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http://www.netzwelt.de/news/86827-verkehrte-netzwelt-doktor-remix-ehrliche-wissenschaft.html
2011-05-21 12:20:56
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/schrecken-aller-schummel-doktoren-vroniplag-untersucht-wissenschaftliche-arbeiten-plagiate-bild-screenshot5831.jpg
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