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Saturn: Es tobt ein gewaltiger Frühjahrs-Sturm
Detailreiche Beobachtungen dank modernster Technik

von Lisa Bruness Uhr veröffentlicht

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Alle 30 irdischen Jahre - ein Saturnjahr - tritt auf dem Saturn ein gewaltiger Sturm auf. Wissenschaftler können den Sturm dieses Mal dank moderner Technik und einer Raumsonde genauer beobachten.

Ein gewaltiger Frühjahrs-Sturm hat auf dem Saturn getobt. Dieses Ereignis ist an sich nicht ungewöhnlich, allerdings konnten Wissenschaftler das Phänomen diesmal mit modernster Technik beobachten.

In unterschiedlichen Lichtspektren wurde der nördliche Sturm fotografiert. (Quelle: ESO/Univ. of Oxford/T. Barry)

Das Update vom 8. Juli finden Sie am Ende des Artikels.

Die Beobachtungen der NASA-Raumsonde Cassini und des Very Large Telescopes (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) liefern gemeinsam ein bislang unerreicht detailreiches Bild des Sturms. Der Sturm tritt auf der nördlichen Hemisphäre des Saturns auf, wo zurzeit Frühling herrscht. Er ist allerdings so gewaltig, dass er den gesamten Planeten umspannt. Ein solcher Frühjahrs-Sturm tritt einmal pro Saturnjahr auf, das etwa so lang dauert wie 30 Jahre auf der Erde. Normalerweise ist die Atmosphäre des Planeten meist ruhig.

Beobachtungen der Wärmestrahlung

Bislang wurden insgesamt sechs solcher gigantischen Stürme seit 1876 beobachtet, der letzte im Jahr 1990. Zum ersten Mal wurde der Sturm jetzt von einer Raumsonde beobachtet, die den Planeten umkreist und mit Hilfe der wärmeempfindlichen Infrarot-Kamera des VLT und einem Instrument von Cassini, das die Infrarotstrahlung misst, beobachtet. Dank der Wärmestrahlung hatten die Wissenschaftler einen deutlich tieferen Einblick in die Atmosphäre und konnten die starken Temperaturänderungen und Windgeschwindigkeiten des Sturms messen.

Das Phänomen begann im Dezember 2010 und hat sich zu einem gewaltigen Sturm entwickelt mit einem 5.000 Kilometer breiten Wirbel. "Diesmal hat die Störung auf der Nordhalbkugel des Saturn einen riesengroßen, heftigen und komplexen Ausbruch von hell leuchtendem Wolkenmaterial erzeugt, das sich inzwischen so weit verteilt hat, das es den gesamten Planeten umringt", erklärte Leigh Fletcher von der Universität Oxford. Fletcher ist der Erstautor eines Fachartikels zu den Ergebnissen der Beobachtungen, der in der Fachzeitschrift Science erscheint.

"Stratosphärische Leuchtfeuer" erstmals entdeckt

Die Forscher gehen davon aus, dass der Sturm in tief liegenden Wolkenschichten aus Wasserdampf entsteht. Wie bei einem Gewitter kommt es dann zu einer starken Luftströmung und warme Gasmassen drängen in der Atmosphäre nach oben. Diese durchdringen die äußere Atmosphäre und stoßen mit den dort herrschenden Windströmungen zusammen, wodurch riesige Wirbel und sich windende Jetstreams entstehn.

Dank der neuen Bilddaten haben die Forscher auch ein unerwartetes Phänomen entdeckt, das sie "stratosphärische Leuchtfeuer" getauft haben. Hiermit sind starke Temperaturschwankungen gemeint, die rund 250 bis 300 Kilometer über der Wolkendecke der unteren Atmosphärenschichten auftreten. Die Leuchtfeuer sind 15 bis 20 Grad wärmer als die Temperatur der Stratosphäre, die zu dieser Zeit üblicherweise -130 Grad Celsius beträgt.

Daten des Very Large Telescopes der ESO wurden vor kurzem genutzt, um neue Erkenntnisse über die erste Sternengeneration zu erhalten.

Update 8. Juli: Neue Erkenntnisse zum Sturm

Ein Team rund um Georg Fischer, Wissenschaftler vom Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, liefert neue Erkenntnisse über den heftigsten Sturm, der von der Cassini-Sonde bislang gemessen wurde. Rund sieben Monate nach der Entdeckung am 5. Dezember 2010 umfasst der starke Sturm eine Fläche von vier Milliarden Quadratkilometern - dies entspricht dem Achtfachen der Erdoberfläche.

Die Entwicklung des gewaltigen Sturms hatte ihren Anfang auf der Nordhalbkugel des Saturns. (Quelle: NASA/JPL-Caltech/SSI)

Die Forscher konzentrierten sich in erster Linie auf die Messung der Blitzaktivitäten anhand der dabei emittierten Radiowellen. Im Normalfall treten die sogenannten Saturn Electrostatic Discharges (SED) als individuelle Emissionen auf. Bei dem aktuellen Sturm allerdings wurde eine fast kontinuierliche Radioemission gemessen: Pro Sekunde treten mehr als zehn Blitze auf. Die freiwerdende Energie des Sturms beträgt insgesamt eine Quadrillion Joule (10 hoch 24), das entspricht laut dem IWF der Energie, die die Erde in einem Jahr von der Sonne erhält.

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Alle 30 irdischen Jahre - ein Saturnjahr - tritt auf dem Saturn ein gewaltiger Sturm auf. Wissenschaftler können den Sturm dieses Mal dank moderner Technik und einer Raumsonde genauer beobachten.

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Saturn: Es tobt ein gewaltiger Frühjahrs-Sturm
Saturn: Es tobt ein gewaltiger Frühjahrs-Sturm
Auf der nördlichen Hemisphäre des Saturns hat sich ein Sturm gebildet, der den gesamten Planeten umspannt.
http://www.netzwelt.de/news/86809-saturn-tobt-gewaltiger-fruehjahrs-sturm.html
2011-07-08 09:38:40
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/unterschiedlichen-lichtspektren-wurde-noerdliche-sturm-fotografiert-bild-esouniv-of-oxfordt-barry5810.jpg
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