Europaweites Forschungsprojekt
Human Brain Project: EU-Partner wollen menschliches Gehirn simulieren
Das Human Brain Project hat ein großes Ziel: Die biologisch detailgetreue Simulation des gesamten menschlichen Gehirns. Um das Ziel zu erreichen, haben sich 13 Forschungseinrichtungen aus neun EU-Staaten zusammengeschlossen, darunter auch Deutschland. Zunächst wollen die Partner Fördergelder der EU für das Projekt gewinnen.

Das europäische Gemeinschaftsprojekt wurde vor kurzem zu einem der sechs Finalisten für das Forschungsförderprogramm der EU Future Emerging Technologies-Flagship ausgewählt. Kann sich das Human Brain Project als einer von zwei Siegern durchsetzen, wird es über zehn Jahre mit bis zu einer Milliarde Euro gefördert. Die zahlreichen Partner des Projekts decken einen großen Bereich unterschiedlicher Fachrichtungen ab - von der Neurowissenschaft, der Genetik über die angewandte Mathematik, Computerwissenschaft und Robotik bis hin zu den Sozialwissenschaften.
Gehirn in seiner Komplexität verstehen
Die Simulation des Gehirns soll es Neurowissenschaftlern erleichtern, die Funktionsweise des Gehirns in seiner Komplexität zu verstehen. Bislang erschwert die komplexe Struktur des Gehirns, all seine Aspekte mit Experimenten und Messungen zu erfassen. Neben der Entwicklung neuer Forschungstechnologien hat sich das Human Brain Project auch zum Ziel gesetzt, die zahlreichen wissenschaftlichen Dokumente zur Funktionsweise des Gehirns zusammenzutragen und zu vereinheitlichen.
Damit eine detailgetreue Simulation des Gehirns möglich wird, muss im Rahmen des Projekts auch eine umfangreiche Supercomputer-Infrastruktur geschaffen werden. Auch auf die Informationstechnologie soll das Human Brain Project einen Einfluss haben: Das menschliche Gehirn sei energieeffizient, könne mit unvollständigen Daten arbeiten, selbst lernen und sich selbst reparieren, erklärte der Koordinator des Projekts Henry Markram von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) auf einer Pressekonferenz. Die Forscher um das Projekt möchten diese Fähigkeiten oder zumindest einen Teil davon nachahmen.
Entwicklung neuer Medikamente möglich
Im Bereich der Medizin soll die Simulationen dabei helfen, Erkrankungen besser zu verstehen. Dadurch könnten neue Medikamente entwickelt und getestet werden. Studenten sollen auch eine neue Fernstudiumsplattform erhalten. Die Sozialwissenschaften beschäftigen sich mit den ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen.
Links zum Thema
- Pressemitteilung des Forschungszentrum Jülich (Quelle)
- Human Brain Project im Internet
- Pressemitteilung des Human Brain Projects als PDF (Quelle)
