Die Kunst der Reduktion

Im Kurztest: Sword & Sworcery EP

Spiel, Kunstwerk oder interaktives Musikvideo? "Superbrothers Sword and Sworcery" für das iPad vermischt klassische 8-Bit-Grafik mit modernen Spielelementen und medidativem Klangteppich zu einer virtuellen Reise, bei der der Weg das Ziel ist ...

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Im Test: Sword & Sworcery EP - "Sword & Sworcery EP" ist ein Abenteuer im Retro-Stil, das sich mit aller Macht gegen jegliche Konventionen wehrt. (Bild: Superbrothers)
"Sword & Sworcery EP" ist ein Abenteuer im Retro-Stil, das sich mit aller Macht gegen jegliche Konventionen wehrt. (Bild: Superbrothers)

Künstlerisch wertvoll oder einfach rückständig und krude? Diese Frage muss jeder für sich selber beantworten, wenn es um Spiele mit Retro-Einschlag geht. Fest steht: Immer mehr Kleinststudios widmen sich Entwicklungen, die den Look und Charme von vorvorgestern ins Hier und Jetzt transportieren. Jüngster und bislang stilvollster Vertreter der Gattung "Gezielt rückständig" ist das Adventure "Superbrothers Sword and Sworcery EP", das Pixelgrafik aus der Spielefrühzeit mit meditativen Klängen des kanadischen Ausnahememusikers Jim Guthrie paart. Letzterer ist dann wohl auch für den Titelanhang "EP" verantwortlich, denn tatsächlich hat "Sword & Sworcery" den Charme eines interaktiven Musikvideos, bei dem bereits die kurzen Bildschirmtexte eher Song-Versen als klassischem Adventure-Geschwurbel ähneln.

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Das Resultat ist ein ausgesprochen entspanntes Spiel-Erlebnis, in dem eine junge Pixel-Kaukasierin durch eine Berg- und Waldlandschaft stakst. Trotz reduzierter Minimalst-Grafik ist jeder Bildschirm ein digitales Kunstwerk, das keinen Hehl daraus macht, dass es sich nicht aus technischen, sondern ästhetischen Gesichtspunkten für diese Art Optik entschieden hat. Regen, Sturm, Blitze und Reflektionen auf dem Wasser: Solche Effekte werden mithilfe weniger Punkte oder Linien erreicht, sind aber auf den ersten Blick erkennbar und sorgen für die nötigen Akzente im Pixel-Land.

Aufwendiges Beleuchtungsmodell, satt abgemischte Musikstücke, vereinzelte Sprachausgabe, wabernde Phantomwolken, butterweiche Animationen und irrlichterartige, magische Erscheinungen: Nicht alles im Pixel-Kaukasus ist auf retro getrimmt. Durch sparsam, aber geschickt verteilte, modernere Stilmittel setzt Entwickler Superbrothers treffsicher Kontraste. Auf diese Weise lässt man keinen Zweifel daran, dass "Sword & Sworcery" weit mehr ist als nur noch ein auf Retro-Look gebürstetes Game: Vielmehr brilliert man mit einem digitalen Kunstwerk, das die Pixelfiguren von einst in den Rang kleiner Meisterwerke erhebt und durch Zuhilfenahme handverlesener, aktueller Techniken seine ganz eigene Atmosphäre erschafft, wie sie mit Polygonen oder hochaufgelösten Illustrationen nie möglich wäre.

Da interessiert es kaum noch, dass der Titel ohne großartige Story auskommt und man das Abenteuer quasi zum Selbstzweck erlebt. Ein gut gelaunter Erzähler mit schickem Ohrensessel kommentiert die Geschehnisse und erklärt die Spielweise - aber seine Vers-Phrasen sind eher Stimmungsmacher denn echte Geschichte. Auch vereinzelte Horror-Elemente wie ein vieläugiger Monsterwolf oder gehörnter Untoter lassen den Hintergrund dieser düsteren Welt mehr erahnen, als dass sie darüber Auskunft geben. "Sword & Sworcery" betreibt die Kunst der Reduktion also auf allen Ebenen und mit erfrischender Konsequenz: visuell, narrativ und auch musikalisch. Jim Guthrie untermalt das Geschehen mit einfachen, eingängige Melodien, die sich allesamt auf seiner Homepage anhören lassen.

Spielerisch gibt man sich ebenfalls bescheiden: Einfache und doppelte Touchscreen-Tatscher lassen die namenlose Heldin gehen, laufen und untersuchen - allerdings ist die Bewegungsfreiheit in der überschaubaren Menge unterschiedlicher Grafiksets stark eingeschränkt. In der Regel geht's nur geradeaus, auch die meisten Interaktionen und Rätsel sind offensichtlich: Inschriften untersuchen, anderen Figuren folgen, die Heldin durch einen dunklen Stollen lotsen oder via iPad-Dreher das Schwert zücken und als Folge simple Reaktionsspielchen bestehen. "Sword & Sworcery" verlässt sich mehr auf den Spielfluss, der durch die Kombination solcher Elemente entsteht, als dass es sich auf das Spiel an sich konzentriert.

Video: Sword & Sworcery EP

Audience Calibration Procedure from Superbrothers: Sword & Sworcery on Vimeo.

Trotzdem wurde dieses kleine Juwel ganz klar für Profis konzipiert, denn nur die verstehen die zahllosen, englischsprachigen Zitate, Querverweise und Seitenhiebe, mit denen der Titel gespickt ist. Was für "Xbox Live"-Spieler ein "Limbo" ist, das ist für den iPad-Zocker "Sword and Sworcery".

Im Test: Sword & Sworcery EP

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Information am Rande: Jim Guthrie bietet im iTunes-Store unter "Sword & Sworcery LP" die Musik zum Spiel an - und die ist ungefähr doppelt so teuer wie das Spiel selbst.

Datenblatt

Sword & Sworcery EP
SpielnameSword & Sworcery EP
HerstellerSuperbrothers
VertriebApple
GenreAdventure
Erhältlich ab24.03.2011
Preisca. 4 Euro
EAN Code1234567890123
SchwierigkeitFür Fortgeschrittene
Alterab 12 Jahren
Multiplayernein
Sonstiges 
Bewertung Grafiksehr gut
Bewertung Steuerungsehr gut
Bewertung Soundgut
Bewertung Spielspassgut
Bewertung Gesamtsehr gut
SystemiPad

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