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Flacher Thronfolger: Apple iPad 2 im Test
Potential noch ungenutzt

von Jan Kluczniok Uhr veröffentlicht

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Apple bringt nach nur zehn Monaten eine Neuauflage des iPads auf den Markt um sich gegen die erstarkte Konkurrenz von Android-Tablets zu wehren. Mangels fehlender Apps bleibt der Tablet-PC derzeit aber noch unter seinen Möglichkeiten.

Über 15 Millionen iPads brachte Apple bislang an den Mann. Dennoch sieht der Hersteller nach nur zehn Monaten die Zeit gekommen, einen Nachfolger für den Verkaufsschlager vorzustellen. Revolutionäre Änderungen bringt das iPad 2 auf den ersten Blick nicht mit sich. Das könnte sich aber mit speziell optimierten Applikationen bald ändern.

Denn Apple hat dem iPad 2 einen neuen Prozessor verpasst, der mit zwei Kernen arbeitet. Auf einem solchen Dual Core-Chip basieren auch die meisten angekündigten Tablet-Computer mit Googles Honeycomb. Statt Nvidias Tegra 2-Chip setzt Apple im iPad 2 aber auf eine Eigenentwicklung namens Apple A5. Den Leistungs-Unterschied zum iPad merkt der Nutzer schon beim alltäglichen Arbeiten, etwa beim Surfen oder Öffnen von Apps.

Warten auf optimierte Apps

In der Grafikleistung soll das iPad 2 den Vorgänger sogar um das Neunfache übertreffen. Tests mit einfachen Benchmark-Programmen aus dem App Store konnten dies aber nicht bestätigen. Bei den eigentlich fürs iPhone entwickelten Benchmark-Programmen 3D Bench und CometBench war in der durchschnittlichen Einzelbilder-Rate kein nennenswerter Unterschied zu bemerken.

Größere Unterschiede zeigten sich aber bei der maximalen und minimalen Einzelbilder-Rate. Mit zehn gleichzeitig dargestellten Kometen erzielte das iPad bei CometBench im Test maximal eine Einzelbilder-Rate von 58 Bilder pro Sekunde (FPS), das iPad 2 schaffte 60 FPS. Die schlechteste Rate waren auf dem iPad 23 Einzelbilder pro Sekunde, auf dem iPad 2 lag der schlechteste Wert dagegen nur bei 37 Einzelbilder pro Sekunde. Eine Tendenz lässt sich also bereits feststellen.

Apple iPad 2

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Mit dem iPad 2 präsentiert Apple den Nachfolger zum Verkaufsschlager iPad. (Bild: netzwelt)

Um die volle Rechenpower des iPad 2 zu nutzen müssen Applikationen wie auch beim Tegra 2-Chip speziell angepasst sein - und solche Apps waren zum Testzeitpunkt noch rar. Eines der ersten Spiele, die von den Möglichkeiten des iPad 2 Gebrauch macht ist laut Apple Infinty Blade. Der Titel ist bereits seit längerem für iPhone, iPod touch und iPad erhältlich. Das Spiel wurde mehrfach prämiert und ist in der neuesten Version für das iPad 2 optimiert. Das macht sich nicht unbedingt in einer besseren Grafik bemerkbar, sondern eher in der Ladegeschwindigkeit. Zudem stören den Spieler auf dem iPad 2 in den Schwertkämpfen keine Ruckler.

Kamera: Standbilder sind ein Grauen

Die Kamera auf der Rückseite des iPad 2 dient hautpsächlich für Augmented Reality-Anwendungen.

Eine weitere Neuerung des iPad 2: Apple spendiert dem Tablet je eine Kamera auf der Vorder- und Rückseite. Die erste Generation musste dagegen noch ganz ohne Kamera auskommen. Qualitativ darf der Nutzer aber nicht zu viel erwarten. Die vordere Kamera ist eine Webcam und bietet gerade einmal eine VGA-Auflösung. Sie ist vornehmlich für Videotelefonate gedacht. Apple hat hierfür bereits seine eigene Software Facetime, die kostenlose Telefonate via WLAN zu iPhone, iPod touch und Mac Computern ermöglicht, vorinstalliert. Die hintere Kamera bietet die Möglichkeit Videos mit der HD-Auflösung von 720p aufzunehmen und besitzt zudem einen fünffachen Digital-Zoom. Das Zoomen und das Auslösen der Kamera erfolgt dabei über den Touchscreen anstatt über physikalische Tasten, was die Verwackelungsgefahr erhöht.

>>Ein mit der hinteren Kamera des iPad 2 gemachtes Testbild finden Sie in Original-Auflösung hier<<

Zudem ist die Bildqualität bei Fotos und Standbildern unterdurchschnittlich. Die gemachten Fotos taugen höchstens für die Verwendung in sozialen Netzwerken. Da hilft es auch nicht, dass Apple seine beliebte Photo Booth Applikation, mit der sich die Bilder um lustige Effekte erweitern lassen, kostenlos mitliefert. Videos können sich dagegen durchaus sehen lassen, auch wenn sie nicht den Ansprüchen ambitionierter Anwender genügen werden. Für alle anderen bietet Apple aber eine iPad-Version von iMovie an, mit der selbst gedrehte Clips geschnitten und um Effekte bereichert werden können. Die App muss jedoch kostenpflichtig im App Store erworben werden.

Neue Anwendungsmöglichkeiten durch Kameras und Gyrosensor

Auch die hintere Kamera scheint also weniger zum Erstellen von Videos und Fotos gedacht, sondern eher wie bei Samsungs Galaxy Tab zur Nutzung in Verbindung mit Augmented Reality-Apps. Derzeit gibt es bereits einige entsprechende Programme, etwa das kostenlose Wikitude, das Informationen zur Umgebung anzeigt oder WordLens, das spanische Texte simultan ins Englische übersetzt und umgekehrt. Dies klappte im netzwelt-Test bereits sehr gut. Welche Möglichkeiten die Technik in Verbindung mit der Rechenpower des iPad 2 für Entwickler bietet, zeigt das Unternehmen Total Immersion in seinem Blog.

Zunächst will der nach eigenen Angaben führende Augmented Reality-Entwickler eine App veröffentlichen, in der die Nutzer mit der Kamera eingefangene Gesichter in Echtzeit verfremden können. Auch könnten mit Hilfe der Technik eine Inneneinrichtung in einen leeren Raum projiziert werden, das iPad wird damit zum Gehilfen für den Innenausstatter. Auch für Spieleentwickler bietet Augmented Reality einige Möglichkeiten, davon kann der Nutzer sich bereits heute auf Nintendos neuem Handheld 3DS überzeugen. Entsprechende Games könnten auch bald für das iPad 2 erscheinen. Für Spieler zusätzlich interessant: Das iPad 2 ist mit einem neuen Gyrosensor ausgestattet, der Bewegungen auf allen drei Achsen noch präziser erkennt und somit neue Möglichkeiten zur Steuerung bietet.

Dünner und Leichter

Das iPad 2 ist dünner und leichter als der Vorgänger. Das macht sich vor allem beim längeren Arbeiten mit dem Tablet angenehm bemerkbar. Es ist nun möglich, das iPad 2 einige Zeit mit nur einer Hand zu halten. Das neue Design mach das iPad 2 aber nicht nur handlicher, im direkten Vergleich mit Apples Flachmann erscheint die Konkurrenz geradezu klobig und altbacken. Auch wenn Samsung bereits mit dem Galaxy Tab 8.9 und dem neuen Galaxy Tab 10.1 nachgelegt hat, ist Apple den meisten Konkurrenten designtechnisch weiterhin einen Schritt voraus.

Eine bislang wenig beachtete Änderung betrifft den Lautsprecher des iPad 2: Die Öffnung für den Lautsprecher ist hier größer als beim Vorgänger. Aufgrund der Platzierung wird aber ein Teil der Öffnung verdeckt, wenn der Nutzer das Tablet auf den Tisch legt. Vergleicht der Nutzer dann den Klang beider iPad-Modelle ist das iPad 1 deutlich lauter. Im direkten Vergleich klingt der Ton aus dem Lautsprecher des iPad 1 aber auch etwas rauer als der des iPad 2.

Schnittstellen: Fehlanzeige

Wer am iPad 2 nach Anschlüssen sucht wird enttäuscht. Apple bietet lediglich zwei Möglichkeiten, Geräte mit dem iPad zu verbinden: Drahtlos über Bluetooth oder über die Dock Connector-Schnittstelle. Einen Dock Connector auf USB-Adapter für den Anschluss an PC oder Mac liefert der Hersteller gleich mit. Andere Adapter, etwa Dock Connector auf HDMI, muss der Nutzer kostenpflichtig erwerben. Der Digital AV Adapter für den Anschluss des iPad an einem HDMI-Bildschirm kostet stolze 39 Euro. Ein Adapter für den Anschluss einer Digitalkamera oder eines SD-Kartenleser kostet 29 Euro. Wer sein iPad mit der heimischen Gerätewelt verbinden will, ist auf diese Weise schnell weiteres Geld los.

Dockingstationen und Schutzhüllen: Zubehör fürs iPad 2

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Bluetooth-fähige Lautsprecher für das iPad: Altec Lansing inMotionAir. (Bild: Altec Lansing)

Andererseits hat der Nutzer bei Apple-Produkten dafür in Sachen Zubehör die Qual der Wahl. Schon längst gilt das kalifornische Unternehmen nicht mehr als schnöde Silikon-Schmiede, sondern als Hersteller von Lifestyle-Produkten. Dementsprechend vielfältig ist die Auswahl an Zubehör für das iPad 2 auch kurz nach dem Verkaufsstart. Einen Überblick über das Angebot liefert dieser netzwelt-Artikel.

Apple selbst hat speziell für das iPad 2 auch eine Schutzhülle namens Smart Cover veröffentlicht. Sie ist faltbar und zudem magnetisch. Einmal an das iPad angeheftet kann der Nutzer aus der Hülle einen Standfuß für das iPad 2 falten oder den Tablet an magnetische Flächen anheften und als digitalen Bilderrahmen nutzen. Weiterer Vorteil: Klappt der Nutzer das Smart Cover zu, schaltet dieses automatisch den Bildschirm ab. Die Hülle kostet aus Polyurethan 39 Euro, für die Variante aus Leder werden 69 Euro fällig.

Aktivierung erforderlich

Apple hat das iPad 2 gegenüber anderen Datenquellen weites gehend abgeschottet.

Apple sperrt den Nutzer allerdings beim iPad wie auch bei anderen i-Produkten in einen goldenen Käfig: Das iPad bietet tolle Möglichkeiten dank unzähliger Apps. Der einzige Weg solche zu installieren führt aber offiziell immer über den App Store. Das Laden von Apps von einer Speicherkarte, wie es etwa Android seit der Version 2.2 bietet, sieht Apple nicht vor. Welche Applikationen im App Store angeboten werden, entscheidet Apple. Das geht mitunter auch zu Lasten der Nutzer, wie der Streit zwischen Steve Jobs und Adobe um Flash zeigt. Flash-Inhalte sind auf dem iPad nicht darstellbar, außer der Nutzer verlässt die von Cupertino vorgesehenen Pfade und unterzieht dem Gerät einem Jailbreak, was aber nicht immer unproblematisch ist.

Während Android-Tablets eingeschränkt auch ohne Google-Konto betrieben werden können, zwingt Apple die Nutzer zudem ihr iPad über iTunes zu aktivieren und ein entsprechendes Konto einzurichten, andernfalls sehen sie nur einen schwarzen Bildschirm. Dafür bietet der App Store von Apple weitaus mehr Zahlungsmöglichkeiten als Googles Android Market. Sie brauchen Apple nicht ihre Kreditkartendaten anvertrauen, sondern können beispielsweise auch via Click and Buy per Lastschrift zahlen. Und wem auch das nicht geheuer ist, kann sein iTunes-Konto auch per Prepaid-Karte aufladen.

WLAN-Probleme unter iOS 4.3.1

Ab Werk ist das iPad 2 bereits mit iOS 4.3 ausgestattet. Seit kurzem liegt aber ein Software-Update auf die Version 4.3.1 vor. Dieses verursachte im netzwelt-Test einige Probleme. So verloren sowohl iPad 1 als auch das iPad 2 unter iOS 4.3.1 öfters das WLAN-Signal und eine Verbindung musste erst wieder aufwendig hergestellt werden.

Auch die Update-Prozedur bereitete Schwierigkeiten: Zweimal schlug die Aktualisierung fehl. Danach musste das Tablet im Test dreimal in den Werkzustand versetzt werden. Im dritten Anlauf klappte dann auch das Software-Update. Abgesehen von diesen Problemen lief das iPad 2 aber im Test äußerst stabil. Auch der Akku zeigte keine Schwächen. Die von Apple versprochene Laufzeit von bis zu zehn Stunden sind nicht zu viel versprochen.

Varianten und Preis

Wie den Vorgänger gibt es auch das iPad 2 in mehreren Varianten. Der Nutzer hat zunächst die Wahl zwischen der reinen WiFi-Variante und einem Modell, das zusätzlich auch über das Mobilfunknetz online gehen kann. Wie gehabt wird dazu nicht eine normale Sim-Karte sondern eine so genannte Micro-Sim benötigt. Telefonieren kann der Nutzer mit dem iPad aber weiterhin nicht. Ein weiterer Unterschied zur WLAN-Fassung: Nur das 3G-Modell verfügt auch über ein GPS-Modul.

Jedes Modell gibt es zudem mit unterschiedlichem Speicher. Zur Wahl stehen jeweils eine Version mit 16, 32 oder 64 Gigabyte großem internen Speicher. Zudem bietet Apple nun auch die Wahl zwischen einem schwarzen iPad und einer Variante in Weiß. Die günstigste Ausführung kostet 479 Euro und ist damit sogar 20 Euro günstiger als das Vorgängermodell. In der teuersten Variante, die netzwelt getestet hat, kostet das neue iPad 799 Euro.

Verfügbarkeit

Das iPad 2 ist seit dem 25. März in Deutschland verfügbar. Bei einer Online-Bestellung im Apple Store müssen Nutzer derzeit mit einer Lieferzeit von drei bis vier Wochen rechnen. Das iPad 2 kann aber auch direkt in einem Apple Store in Frankfurt, München, Dresden, Oberhausen oder Hamburg sowie bei zahlreichen Vertragshändlern erworben werden.

Jedoch sind im Handel nicht unbedingt alle Varianten des Tablet-Computers derzeit vorrätig. Die Apple Stores werden aber regelmäßig mit neuen Lieferungen versorgt. Apple hat eine spezielle Webseite eingerichtet auf der sich Nutzer jeweils ab 21 Uhr ein iPad 2 reservieren und am nächsten Tag im gewählten Apple Store abholen können. Reservierbar sind jedoch nur die als verfügbar angezeigten Modelle.

Fazit

Das iPad 2 ist noch besser als das iPad 1. Da die meisten Honeycomb-Tablets noch auf sich warten lassen, gibt es derzeit keinen Tablet am Markt, der den Erfolg von Apples Flachcomputer ernsthaft gefährden könnte. Die Honeycomb-Tablets müssen sich zudem noch in der Praxis bewähren. Sollten Sie also jetzt sofort einen ausgereiften Tablet-Computer haben wollen, können sie beim iPad 2 bedenkenlos zugreifen, müssen dafür aber auch mit den Schattenseiten der Apple Welt (nahezu geschlossenes System) leben.

Anders sieht es aus, wenn sie schon ein iPad besitzen. Derzeit machen nur wenige Apps von den neuen Möglichkeiten, die das iPad 2 bietet, Gebrauch. Bei anderen merken Sie kaum einen Unterschied. Angesichts der Gerüchte um ein baldiges Erscheinen des iPad 3 sollten Sie daher noch abwarten und das Geld sparen.

Kommentare zu diesem Artikel

Apple bringt nach nur zehn Monaten eine Neuauflage des iPads auf den Markt um sich gegen die erstarkte Konkurrenz von Android-Tablets zu wehren. Mangels fehlender Apps bleibt der Tablet-PC derzeit aber noch unter seinen Möglichkeiten.

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  • Weissgarnixhoch2 schrieb Uhr
    AW: Flacher Thronfolger: Apple iPad 2 im Test

    Wann kommt das iPad2a??? Gerüchte sagen zum ende 2011...die Auflösung beträgt nicht einmal HD-Ready...wodurch die Schriften auch leicht zackig und verschwommen wirken.

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Flacher Thronfolger: Apple iPad 2 im Test
Flacher Thronfolger: Apple iPad 2 im Test
Das iPad 2 bietet auf den ersten Blick keine revolutionären Neuerungen. Bislang reizt aber auch noch keine App das Potential des Tablets aus.
http://www.netzwelt.de/news/86127-flacher-thronfolger-apple-ipad-2-test.html
2011-04-02 11:04:29
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/weniger-schaltflaechen-schlankere-bedienoberflaeche-mehr-uebersicht-sorgen-bild-screenshot4883.png
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