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OmniGraffle 5 im Test: Die Visio-Alternative für Mac OS X
Netzwelt testet das Diagramm-Werkzeug OmniGraffle.

von Markus Franz Uhr veröffentlicht

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Wer ein Programm zur Gestaltung von Organigrammen, Schaubildern oder anderen komplexeren Zeichnungen sucht, landet schnell bei Microsoft Office Visio - doch das läuft leider nur unter Microsoft Windows. Die Omni Group aus Seattle bietet mit OmniGraffle eine gleichwertige Software, die es nur für den Mac gibt.

OmniGraffle ist ein guter Visio-Ersatz für Mac OS X.

Für die Bearbeitung eines Organigramms gilt Microsoft Office Visio als das beste Programm, das derzeit für die Windows-Welt verfügbar ist. Mit den zahllosen Vorlagen für Objekte, genannt Shapes, können Nutzer Schaubilder und Zeichnungen für fast jeden denkbaren Zweck erstellen - aber leider nur unter Windows. Ein Mac-Pendant zu Office Visio aus dem Hause Microsoft gibt es bisher nicht. Der Markt für freie Software gibt nur wenige Alternativen her - mit der Ausnahme von OmniGraffle, das genau wie Visio angelegt ist.

OmniGraffle stammt aus dem Hause der Omni Group, einer US-Firma mit Hauptsitz in Seattle. Im Gegensatz zu anderen Software-Herstellern konzentriert sich die Omni Group ausschließlich auf Mac OS X, das iPhone sowie das iPad, also ausschließlich auf Apple-Produkte. Einige Mitarbeiter der Geschäftsleitung waren nach Firmenangaben schon bei der Firma NeXT angestellt, die von Steve Jobs gegründet wurde und deren Betriebssystem die Basis für das heutige Mac OS X und iOS bildet. OmniGraffle fügt sich nahtlos in das gesamte Produktportfolio der Firma ein und arbeitet gut mit den Schwesteranwendungen, wie der Aufgabenverwaltung OmniFocus, zusammen.

Standard- und Pro-Version

OmniGraffle 5 gibt es aktuell in zwei Editionen: Die Standard-Version bietet grundlegende Funktionen im Bereich der Organigramme. Gegenüber der letzten Version haben die Entwickler das Programm mit einer neuen Layout-Engine, einer deutlich verbesserten Suchfunktion und erweiterten Formatierungsoptionen aufgewertet. Mit einem Lizenzpreis von 79 Euro ist OmniGraffle 5 Standard zwar recht günstig, kann aber keinerlei Dateien im Visio-Format lesen. Für den Import solcher Dokumente ist die Pro-Version notwendig, die mit etwa 150 Euro deutlich teurer ist. Neben der Unterstützung für den Visio-Dateityp bietet sie auch einen SVG-Export und die Konvertierung einzelner Objekte in Tabellen, was die Nachbearbeitung erleichtern soll.

Sowohl OmniGraffle 5 Standard als auch die Pro-Variante benötigen mindestens Mac OS X 10.6.6 oder neuer - der Nutzer sollte vor dem Erwerb eine Systemaktualisierung durchführen. Wer statt Snow Leopard noch das Leopard-Betriebssystem einsetzt, kann OmniGraffle nicht im Mac App Store kaufen, sondern muss das Programm über die Webseite der Omni Group erwerben. Dort gibt es auch eine kostenlose Version zum Testen der Pro-Version, die bis zu 14 Tage nutzbar ist - so können sich potentielle Käufer ein genaues Bild machen, was die Software wirklich leistet. Leider gibt es eine Testversion nicht für die iPad-Variante.

Praktische Formatvorlagen

Mit dem Mac App Store wird die Installation von OmniGraffle 5 zum Kinderspiel: Der Nutzer muss sich lediglich mit seiner Apple ID in dem Hilfsprogramm anmelden, gegebenenfalls seine Zahlungsdaten aktualisieren und den Installations-Knopf drücken. Nach dem Herunterladen von knapp 50 Megabyte sollte im Programme-Ordner das Symbol der neuen Anwendung erscheinen, ohne dass weitere Schritte notwendig sind.

Unter Mac OS X 10.5 oder bei Nutzern ohne Apple ID ist es notwendig, manuell eine Image-Datei im DMG-Format auszupacken - um dann von dort OmniGraffle einfach in den Programme-Ordner zu kopieren. Auf der Festplatte belegt die Software anschließend etwa 135 Megabyte, nach dem Start sind nur 30 Megabyte Arbeitsspeicher belegt.

OmniGraffle 5 Professional präsentiert dem Benutzer gleich nach dem Start einen Dialog, in dem er eine geeignete Vorlage für sein Diagramm-/Organigramm-Projekt auswählen kann. Diese sind in vier Kategorien untergliedert: Hinter dem Punkt für Zeichnungen versteckt sich eine leere weiße DIN-A4-Seite oder ein klassisches Rechteck (48x48), das man auch aus der Darstellung in Microsoft Office Visio kennt.

Die Vorlagen der zweiten Kategorie beschäftigen sich mit dem Brainstorming. Der Anwender kann seine Gedanken in Form von Kreisen, Linien, virtuellen Notizzetteln oder auf einer Schultafel erzeugen. Bei Organigrammen unterscheidet OmniGraffle nur zwischen der Standard-, Farben- und Extras-Vorlage - für die meisten Nutzer dürfte letztere Variante am besten sein, da sie kleine Info-Grafiken als Zusatz zu jedem Objekt erlaubt.

In der Kategorie zur Platzplanung hat OmniGraffle dem großen Konkurrenten Office Visio einiges voraus: Mit den Vorlagen ist es möglich, den Maßstab individuell zu wählen. Das Programm unterstützt die Skalierung in 1cm=1m, 1cm=10cm, 1in = 1ft, 1in = 10ft und 1in = 8ft. Office Visio bietet lediglich 1:48 und 1:50.

OmniGraffle 5 Professional

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Das Programm zeigt beim Start die verfügbaren Vorlagen an. (Bild: Netzwelt)

Erstellen eines Dokuments

Sobald ein neues Dokument angelegt wurde, öffnet OmniGraffle Professional das Hauptfenster zur Bearbeitung. Die Oberfläche des Programms ist sehr einfach gehalten: Oben im Fenster sitzt eine Symbolleiste, die nur wenige Einträge beinhaltet und damit nicht zu unübersichtlich ist. Hinter dem Knopf zur Anzeige der Arbeitsflächen verbirgt das Programm schlicht und einfach die Darstellung aller Seiten des Dokuments, die im Stil des Vorschau-Programms aus Mac OS X gehalten ist. Über den Gliederungspunkt kann der Nutzer alle Objekte seiner Grafik noch einmal sehen und deren hierarchische Beziehung besser erfassen.

Besser als in Office Visio ist den Entwicklern die Integration der Zeichenwerkzeuge in OmniGraffle gelungen: In der Symbolleiste bietet der Tools-Bereich ein Dutzend sinnvolle Werkzeuge, mit denen sich Formen zeichnen, Textobjekte erstellen oder andere Dinge mit Pinsel, Stempel und Co. durchführen lassen. An Stelle einer ausgefeilten Ebenenverwaltung erledigt OmniGraffle die Verwaltung überlagernder Objekte mit den zwei Knöpfen "nach Vorne" und "nach Hinten". Mit der Schutz-Funktion ist es möglich, einzelne oder mehrere Objekte von der Bearbeitung explizit auszunehmen, was sowohl bei der Formatierung als auch bei der Positionierung eines Elements klappt. Die Symbolleiste selbst lässt sich wie am Mac üblich bearbeiten.

Schablonen und Präsentationen

Neben dem Hauptfenster zeigt OmniGraffle noch zwei weitere Dialoge an: Mit dem Stilisierungs-Fenster kann der Nutzer sowohl die Formatierung eines Textobjekts, als auch von Bildern, Linien und Schatten direkt bearbeiten. Der Eigenschaften-Dialog ist standardmäßig an den Stile-Dialog angedockt, kann aber auch leicht abgetrennt werden. In diesem werden Größe und Position, Verknüpfungen, Aktionen und Notizen hinterlegt.

Mit dem Arbeitsflächen-Dialog, der direkt nach den Stilen und Eigenschaften im selben Fenster sitzt, ist eine sichere Bearbeitung der Zeichenfläche (Hintergrund, Größe, Ausrichtung, etc.) möglich, ebenso wie die Änderung des Diagrammlayouts. Mit einem Knopfdruck kann der Nutzer seine Objekte in OmniGraffle automatisch kräftebasiert, kreisförmig radial oder hierarchisch neu anordnen lassen, was die Übersicht bei komplexen Grafiken erhöht. Diese Funktion ist manchmal dringend nötig, da die Zeichenfläche in OmniGraffle nicht automatisch mit der Ausbreitung der erstellten Objekte mitwächst, wie es bei Office Visio der Fall ist.

Das zweite Dialogfenster neben dem Hauptfenster zeigt die sogenannten Schablonen, also die Vorlagen für neue Objekte in OmniGraffle. Genau wie in Office Visio sind sie in mehrere Kategorien untergliedert, was die Suche nach dem richtigen Element recht einfach macht. Unter Karten, Organigramme, Wissenschaft, Raumplanung, Software und Gemeinsam gibt es jeweils zwischen fünf und über einem Dutzend Untereinträge, die nach einem Klick mit der Maus ihre möglichen Varianten preisgeben. So bietet die Karte für Nordamerika sowohl eine Grafik mit den USA und Kanada insgesamt, als auch einzelne Objekte ausschließlich für die einzelnen Bundesstaaten. Der Nutzer sollte sich dabei nicht davon irritieren lassen, dass die Schablonen in unterschiedlichen Farben dargestellt werden - im Hauptfenster kann der Anwender diese neu füllen.

Darüber hinaus besitzt OmniGraffle in Version 5 der Professional Edition einen Präsentationsmodus, der das Programm durch einem teilweisen Ersatz für PowerPoint und Co. macht. Mit der Funktion ist es möglich, die Seiten eines OmniGraffle-Dokuments als Vortragsfolien darzustellen - allerdings mit sehr eingeschränkter Animation, dafür aber ohne manuelle Umarbeitung der Inhalte eines Organigramms oder anderer Schaubilder in dritte Programme. Insgesamt muten Präsentationen mit OmniGraffle wie die Mischung einer klassischen Präsentation mit streng separierten Folien und dem spannenden Kreativitäts-Tool Prezi an.

Dateien: SVG, PDF und Co.

Der Standard für die Speicherung neuer Dateien ist ein proprietärer Dateityp, der extra für OmniGraffle entwickelt wurde und ausschließlich von dem Programm gelesen und geschrieben werden kann. Darüber hinaus bietet der Export-Dialog, der über das Datei-Menü erreicht wird aber auch eine exzellente Unterstützung für dritte Formate: OmniGraffle kann PDF- und EPS-Dateien erzeugen, eine Grafik als gängige Bilddatei speichern oder das beliebte SVG-Format für die Übersetzung in eine Vektorgrafik nutzen. In den meisten Fällen ist SVG dem Export als JPEG oder PNG vorzuziehen, wenn das Dokument später noch in anderen Anwendungen, zum Beispiel OpenOffice.org Draw oder Photoshop, nachbearbeitet werden soll.

Ein sehr gutes Bild zeigte auch die Speicherung einer Datei im Visio-Format: Keinerlei Formatierungen gingen im Test verloren. Nicht besonders empfehlenswert ist einzig der Umgang mit HTML-Dateien in OmniGraffle: Der Export gelingt zwar grundsätzlich, der erzeugte Quelltext ist jedoch nicht standardkonform und die Positionierung der einzelnen Objekte eines Diagramms oder Organigramms war im Test meist fehlerhaft.

OmniGraffle auf dem Tablet

Natürlich gibt es OmniGraffle auch in einer iOS-Version, die primär für die Nutzung des Programms auf dem iPad ausgelegt ist. Mit einem Preis von 39 Euro ist die iOS-Version auch insgesamt die günstigste Variante des Programms, muss im Gegensatz zum Mac-Pendant aber auf eine Reihe wichtiger Funktionen verzichten: So lassen sich damit zwar OmniGraffle-Dokumente öffnen, die ursprünglich auf dem Mac erstellt wurden, der Import einer Visio-Datei ist allerdings nicht möglich. Beim Export steht nur der Austausch in den gängigsten Formaten zur Verfügung, auf die Generierung einer HTML-Datei und andere Raffinessen muss der iPad-Nutzer verzichten. Insgesamt ist die iPad-Variante nur für die grundlegende Bearbeitung sinnvoll und kein vollwertiger Ersatz für ein stationäres OmniGraffle Pro auf dem Mac.

Fazit

OmniGraffle ist derzeit einer der besten Alternativen zu Microsoft Office Visio auf dem Mac. Der Nutzer kann problemlos Dateien im Visio-Format öffnen, bearbeiten und wieder an Windows-Nutzer zurückgeben, ohne dass die Formatierung der Shapes verloren geht. Die große Zahl der vordefinierten Zeichenobjekte aus Office Visio kompensiert OmniGraffle mit einer nicht minder breiten Bibliothek mit Vorlagen, die nahezu jedes Einsatzgebiet abdecken - auch wenn sie im Detail, beispielsweise bei der Visualisierung eines Raumes mit den zugehörigen Möbeln, noch ausbaufähig sind. Mit einem Preis von rund 150 Euro ist die Pro-Version allerdings nicht gerade günstig, den meisten Privatanwendern dürfte auch das Standard-Paket genügen.

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Wer ein Programm zur Gestaltung von Organigrammen, Schaubildern oder anderen komplexeren Zeichnungen sucht, landet schnell bei Microsoft Office Visio. Doch das läuft nicht unter Mac OS X.
http://www.netzwelt.de/news/86097-omnigraffle-5-test-visio-alternative-mac-os-x.html
2011-03-29 16:34:00
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/omnigraffle-guter-visio-ersatz-mac-os-x-bild-netzwelt5017.jpg
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