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Expression Studio: Multimedia mit Microsofts Programmpaket
Direkter Konkurrent zur Adobe Creative Suite

von Markus Franz Uhr veröffentlicht

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Seit jeher gilt Adobe als Spezialist für die Gestaltung interaktiver Grafiken und Anwendungen für das Web - doch Microsoft schickt sich mit dem Paket namens Expression Studio an, diese Vorherrschaft zu brechen. Das Programmpaket muss im netzwelt-Test zeigen, ob es die hoch gesteckten Erwartungen erfüllen kann.

Microsoft Expression Studio ist das Gegenstück zur Adobe Creative Suite.

Die Programme der Adobe Creative Suite gelten als absolute Spitzenprodukte, was die Bearbeitung beliebiger multimedialer Inhalte angeht - sei es zum Beispiel die Gestaltung von Webseiten mit Dreamweaver, die Optimierung von Bildern mit Photoshop oder die Bereitstellung interaktiver Objekte mittels Adobe Flash-Technologie. Microsoft hat immer wieder versucht, neben dem Office-Büropaket eigene Produkte in diesem Bereich zu platzieren, jedoch war der Erfolg nicht nur bei Microsoft PhotoDraw mäßig. Das könnte sich mit Microsoft Expression Studio in Version 4 ändern - wäre da nicht der hohe Preis des Programmpakets.

Preis und Lizenzen

Microsoft Expression Studio gibt es in der aktuell vierten Version seit Mitte 2010 - und zwar leider nur für das hauseigene Betriebssystem Windows, alternative Systeme werde nicht (mehr) unterstützt. Das Programmpaket besteht aus insgesamt vier Teilen: Microsoft Expression Web, Expression Blend, Expression Design und dem Expression Encoder. Während letzteres Programm in der sogenannten Pro-Variante für 255 Euro auch separat erworben werden kann, verkauft Microsoft die anderen Teile nur gemeinsam. In Microsoft Expression Studio Web Professional für 175 Euro sind Web, Design und Encoder enthalten. Die Blend-Anwendung ist der mit 750 Euro kostspieligeren Variante namens Expression Studio Ultimate vorbehalten.

Für diejenigen Nutzer, die Expression Studio erst ohne Reue ausprobieren möchte, bietet Microsoft von allen Anwendungen eine 60-Tage-Testversion an. Diese kann als knapp 300 Megabyte große Datei vom MS-Server geladen werden - und das ganz ohne die Registrierung einer Windows Live ID, wie es sonst üblich ist. In den Systemanforderungen steht neben dem Betriebssystem Windows XP mit Service Pack 3 oder Windows Vista beziehungseise Windows 7 ein Arbeitsspeicher von mindestens einem Gigabyte. In nahezu jedem modernen Rechner ist eine CPU mit einer Taktfrequenz von mindestens einem Gigahertz verbaut, sodass die nicht ins Gewicht fällt.

Installation mit .Net

Das eigentliche Setup der Anwendung unter Windows 7 erinnert stark an die Installation des Office-Büropakets - der Setup-Assistent erledigt nämlich viele Schritte ganz von alleine und ohne Möglichkeit tiefergehender Einstellungen durch den Nutzer. Das Setup-Programm des Expression Studio erkennt, wenn kein aktuelles .Net-Framework (mindestens Version 4) installiert ist und bietet zu Beginn der Installation an, die Anwendung vom Microsoft-Server herunterzuladen. Nach der obligatorischen Bestätigung der Lizenzbestimmungen fragt Microsoft den Anwender, ob er am Verbesserungsprogramm von Expression Studio teilnehmen möchte - das kann er getrost mit Nein beantworten. Die Preisgabe der Daten hat keinen direkten Nutzen für den Anwender.

Der vierte Schritt des Setup-Assistenten lässt es zu, einzelne Teile der vier Anwendungen an- und abzuwählen. Ein Blick in die erweiterten Optionen zeigt, in welchem Ordner auf der Festplatte Expression Studio abgelegt wird und wie groß der benötigte Speicherplatz ist. Mit allen Komponenten belegt das Programm 800 Megabyte. Während der Setup-Assistent die Installation selbst abschließt kann der Benutzer sehen, an welcher Komponente er gerade arbeitet. Im netzwelt-Test benötige das Microsoft Expression Studio Ultimate knapp sechs Minuten für den erfolgreichen Abschluss in einer langsamen virtuellen Maschine (bei 1 Gigahertz und 768 Megabyte RAM). Im Startmenü werden direkte Verknüpfungen zum Expression-SDK angelegt.

Suite mit Webeditor

Das Expression SDK (beziehungsweise Encoder SDK oder Blend SDK) ist jedoch nur für Entwickler interessant. Einsteiger sollten sich zunächst das Werkzeug für die Bearbeitung von Webseiten, Expression Web gennant, ansehen. Auf den ersten Blick wirkt Expression Web wie eine Mischung aus Dreamweaver und FrontPage - und genau das ist das Programm im Grunde auch. Gleich beim Start öffnet Expression Web eine leere Seite, die der Nutzer in einer Mischung aus WYSIWYG- und HTML-Editor bearbeiten kann. Immer, wenn zum Beispiel für einen Absatz eine neue Formatierung aktiviert wird, erzeugt das Programm den nötigen Quellcode im Hintergrund und zeigt die Änderung an den CSS-Eigenschaften links unten in einem Feld des Hauptfensters an.

Dort lassen sich auf die Eigenschaften des ausgewählten Tags ändern, dessen Pfad im Titel jedes Editor-Reiters erscheint. Rechts neben dem Mittelbereich sitzt in Expression Web die sogenannte Tag-Toolbox, die häufig benötigte HTML-Elemente anbietet. Der Umgang mit den Formatvorlagen, die Expression Web vollkommen eigenständig verwaltet, ist über das Dialogfenster rechts unten sehr leicht möglich.

In der Symbolleiste des Webeditors sitzen Knöpfe für die wichtigsten Funktionen wie Fett, Kursiv oder zur Anpassung der Schriftart, falls abseits der Vorlagen etwas geändert werden soll. Das Programm verfügt genau wie FrontPage oder Dreamweaver über ein Site-Konzept, um mehrere HTML-Dokumente, Bilder und CSS-Dateien in einem separaten Projektordner zusammenzufassen. Im Dialog zum Anlegen einer Site kann der Nutzer aus 19 sehr ansehnlichen Vorlagen der Kategorien "Persönlich", "Unternehmen" und "Organisation" wählen.

Praktisch ist für Einsteiger im Webdesign, dass Expression Web einen SEO-Bericht generieren kann. Darin weist die Anwendung auf rudimentäre Dinge hin, die wichtig für eine gute Platzierung der Webseite in Suchmaschinen sind. Im Test empfahl Expression Web zum Beispiel, eine Seite mit einer H1-Überschrift zu versehen und eine Meta-Beschreibung anzugeben. Für CSS-Experten ist der CSS-Bericht dann auch nützlich.

Microsoft Expression Studio

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Mit Expression Web hat Microsoft einen würdigen Nachfolger für FrontPage gebracht. (Bild: Netzwelt)

Besser durch Blend

Obwohl Expression Web durchaus dynamische Webseiten erstellen kann, werden professionelle Entwickler mit der Anwendung nicht recht glücklich. Aus diesem Grund legt Microsoft zusätzlich Expression Blend dem Expression Studio bei: Das Werkzeug ist komplett auf die Gestaltung anspruchsvoller Anwendungen in Silverlight zugeschnitten. Gleich zu Beginn fragt es den Nutzer, welchen Typs sein neues Projekt sein soll. Dabei bildet "Silverlight + Webseite" die beste Variante, da der Anwender damit klassischen HTML-Quelltext mit dynamischen Elementen mischen kann. Das Hauptfenster von Expression Blend zeigt einen leeren Zeichenbereich, auf den die vorgegebenen Objekte aus der linken Leiste gezogen und abgelegt werden.

Beim Einfügen eines Objekts zeigt Expression Blend dabei Hilfslinien an, um eine möglichst exakte Positionierung im Bezug auf den Zeichenbereich und die anderen Elemente zu erreichen. Sobald ein Objekt mit der Maus ausgewählt wird, präsentiert der Eigenschaften-Reiter am rechten Rand die passenden Optionen. Dort kann der Benutzer etwa die Farbe eines Elements ändern, dessen Größe ändern und noch einiges mehr einstellen. Die Bearbeitung von direkten Objektoptionen, also beispielsweise des ersten Wochentags eines Kalenders, erfolgt ebenfalls dort. Die Funktionen in der Symbolleiste und sogenannte Behaviours (mehrfach nutzbare Module mit interaktivem Charakter) tun ihr Übriges zur Gestaltung einer Anwendung oder Webseite.

Der Nutzer sollte bei Expression Blend aber immer bedenken, dass die Weitergabe später nur an Computer mit installiertem Silverlight-Plugin möglich ist. Dafür können mit dem Programm theoretisch nicht nur Webanwendungen, sondern auch Desktop-Programme (Rich Internet Applications) auf Basis der Windows Presentation Foundation erstellt werden. Sehr positiv fällt bei Microsoft Expression Blend auf, dass das Programm auch Dateien aus Adobe Photoshop und Adobe Illustrator einlesen und weiter bearbeiten kann.

Grafik und Vektoren

Expression Design wurde von Microsoft aus Basis des Programms Expression entwickelt, das durch die Akquisition der Firma Creature Hourse im Jahr 2003 nach Redmond gekommen ist. Trotzdem ist die Software kaum mehr als eine aufgeblähte Variante von Windows Paint. So kann Expression Design 4 als Dateitypen lediglich die Formate .ico, .png, .gif, .jpeg sowie .bmp, .tiff und .hdp (HD Photo Decoder) einlesen. Die Unterstützung für Illustrator- und Windows-Meta-Dateien ist auf den Import beschränkt, wohingegen Bilder im sehr beliebten Photoshop-Format gelesen und auch erzeugt werden können. Das XAML-Format macht es zumindest möglich, Bilder aus Expression Design direkt in Silverlight- und WPF-Projekten einzusetzen.

Das Hauptfenster des Programms ist sehr übersichtlich: In der Mitte zeigt Expression Design das gerade bearbeitete Bild, wobei die Unterscheidung zwischen leerem Bildbereich und Hintergrund des Programms nicht immer leicht fällt - beide sind nämlich in der Farbe Weiß gehalten. Mit Pinsel, Stift, Segment, Schere, Verlauf sowie Pipette und Text sind die wichtigsten Werkzeuge zwar in der Symbolleiste enthalten, mehr Funktionen sucht der Nutzer aber vergebens. Rechts im Hauptfenster sitzt ein Eigenschaften-Dialog, der praktisch nicht mehr als die Wahl einer anderen Farbe für den ausgewählten Bereich zulässt. Immerhin Deckkraft und Füllmethode lassen sich bei einigen Werkzeugen noch ändern. Bei der Verwaltung von Ebenen ist die Software dagegen solide und kann Inhalte duplizieren, schützen oder nur ausgewählte Objekte anzeigen.

Formate und Encoder

Die letzte Anwendung im Expression Studio ist der Microsoft Expression Encoder. Das Programm ist für eine möglichst einfache Umwandlung von Videos in ein webfähiges Format gedacht und erlaubt eine grundlegende Bearbeitung des Materials. Expression Encoder fragt beim Start, ob man denn ein Transkodierungs-, Silverlight- oder Liveübertragungs-Projekt anlegen möchte, was viele Anwender verwirren dürfte. Daran ändert auch die dünne Beschreibung zu jedem Projekttyp nichts - die erste Variante ist aber meist die beste Wahl. Expression Encoder unterstützt beim Import die Dateitypen .avi, .mpeg, .wmv und .mov (QuickTime).

Direkt nach dem Import eines Videos über den entsprechenden Punkt im Dateimenü beginnt Expression Encoder mit der Analyse des Materials. Ist diese abgeschlossen, erscheint ein Film im Medieninhalts-Reiter. Dort kann der Anwender wichtigste Informationen wie Status, Dateityp und Länge ablesen. Die Funktionalität der Zeitleiste am oberen Rand erschließt sich schnell: Dort kann der Nutzer ein Video trimmen oder mit anderen Medien (sogar Audio-Spuren) kombinieren. Rechts im Hauptfenster des Expression Encoder 4 werden dann die Einstellungen für die Kodierung einer Datei festgelegt: Als Format für den Export stehen Windows Media und MPEG-4 zur Wahl, sowohl der VC-1- als auch H.264-Codec werden zur Kodierung unterstützt.

Um ein neues Silverlight-Projekt zu starten und eine der Vorlagen des Expression Encoder zu nutzen, muss natürlich das Silverlight-Plugin auf dem Computer installiert sein, sonst moniert das die Software. Mit Hilfe des Streaming-Typs kann jeder Nutzer sehr leicht eine Liveübertragung, etwa von Webcam-Material ins Netz beginnen, sofern der angegebene Server über die nötigen Windows-Media-Erweiterungen verfügt.

Fazit

Die Komponenten des Expression Studio zeigen deutlich, dass Microsoft das Programmpaket als universelle Lösung für die Gestaltung von Webseiten und interaktiven Webanwendungen positioniert hat. Damit ist Expression kein Ersatz für die Adobe Creative Suite, die deutlich mehr Einsatzmöglichkeiten abdeckt - aber für diejenigen Nutzer, die Inhalte ins Web bringen möchten und einen hohen Lizenzpreis scheuen, ist Expression durchaus attraktiv. Leider hat Microsoft es ein wenig versäumt, Expression Design auf das Niveau der Web-, Encoder- und Blend-Anwendung zu heben - hier sollten die Entwickler noch einmal nachbessern.

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Seit jeher gilt Adobe als Spezialist für die Gestaltung interaktiver Grafiken und Anwendungen für das Web - doch Microsoft schickt sich mit dem Paket namens Expression Studio an, diese Vorherrschaft zu brechen. Das Programmpaket muss im netzwelt-Test zeigen, ob es die hoch gesteckten Erwartungen erfüllen kann.

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http://www.netzwelt.de/news/85858-expression-studio-multimedia-microsofts-programmpaket.html
2011-03-09 15:45:00
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/microsoft-expression-studio-gegenstueck-adobe-creative-suite-bild-netzwelt4748.jpg
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