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Microsoft Office Visio 2010 im Test: Vom Organigramm bis zum Wohnungsplaner
Strom, Gas, Möbel und mehr

von Markus Franz Uhr veröffentlicht

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Wer Diagramme am Rechner erstellen möchte, denkt zwangsläufig an Excel - dabei hat der IT-Gigant mit Office Visio 2010 noch ein zweites Produkt im Programm, das weit über einfache Visualisierungen hinausgeht. Netzwelt zeigt, wie gut Microsoft Visio wirklich mit Beziehungen jonglieren kann.

Microsoft Word, PowerPoint und Excel sind so bekannt geworden wie wohl kaum ein anderes Programm. Während Word als Referenz für die Textverarbeitung gilt, behauptet Excel seinen Ruf als Universallösung für komplexe Berechnungen am Computer gegen Konkurrenten wie LibreOffice. In jedem Excel-Kurs ist die Funktion zur Erstellung von Diagrammen ein wichtiger Bestandteil - dabei bietet Microsoft mit Visio ein Programm, das Visualisierungen noch leichter ermöglicht.

Preise und Lizenzen

Im Gegensatz zu Excel kann Office Visio aber nicht nur einfache Diagramme aus einer Tabelle erstellen, sondern beliebige Zusammenhänge in einem Organigramm visualisieren. Microsoft Office Visio ist eigentlich keine Microsoft-Anwendung, sondern kam erst nach der Akquisition einer anderen Firma im Jahr 2000 nach Redmond. Die Entwickler haben Visio zwar in die Office-Familie integriert, jedoch wird das Programm derzeit, genau wie Microsoft Project 2010, in keiner Office-Suite mitgeliefert. Stattdessen muss der potentielle Nutzer Visio für einen saftigen Lizenzpreis separat erwerben.

Es gibt aktuell drei Versionen von Microsoft Office Visio: Die Standard-Edition schlägt mit knapp 300 Euro zu Buche und bietet alle grundlegenden Funktionen zur Bearbeitung von Visualisierungen. Nur in der Professional-Variante (Preis ca. 580 Euro) ist zusätzlich eine Anbindung an andere Datenquellen, zum Beispiel aus Office Excel-Tabellen oder Office Access-Datenbanken möglich. Die größte Visio-Edition ist "Microsoft Office Visio 2010 Premium", die im Segment des Business Process Modelling (BPM) etwas besser aussieht als die anderen Lösungen und daneben Diagramme selbstständig auf Konsistenz und häufige Fehler bei der Abbildung von Prozessen überprüfen kann. Office Visio Premium ist nur für die wenigsten Nutzer nötig und schlägt beim Preis mit knapp 1.000 Euro ein deutlich größeres Loch in den Geldbeutel.

Installation und Start

Immerhin gibt Microsoft eine stark reduzierte Fassung für Schüler und Studenten ab. Wer Visio 2010 vor dem ersten Einsatz ausgiebig ausprobieren möchte, kann eine 30-Tage-Testversion von Microsoft Office Online herunterladen. Dazu ist lediglich eine Windows Live-ID notwendig. Bei den Anforderungen ans System liegt Office Visio auf dem Niveau der großen Office Suite: Mindestens Windows XP mit Service Pack 3, 512 Megabyte Arbeitsspeicher und ein Gigabyte auf der Festplatte sollten vorhanden sein. Durch den Verzicht auf optionale Komponenten wird ein wenig Plattenplatz gespart.

Die eigentliche Installation erledigt der Setup-Assistent, den man schon von Office 2010 kennt. Nach spätestens zehn Minuten ist die Software fertig eingerichtet und kann das erste Mal gestartet werden. Dabei wird kein leeres Dokument geöffnet, sondern der Dialog zur Auswahl einer geeigneten Vorlage angezeigt. Diese sind in acht Hauptkategorien unterteilt: Hinter "Allgemein" verbergen sich Standard- und Blockdiagramme, wie man sie auch aus Office Excel kennt. Der Bereich "Flussdiagramme" ist für Gestaltung von Workflows (auch Six-Sigma- und DIN9000-Prozesse) gedacht, auch gibt es hier eine Vorlage für die Visualisierung mit SharePoint. Den besten Einstieg in Microsoft Visio 2010 bietet aber "Geschäft": Hier kann der Nutzer neue herkömmliche Organigramme - sogar mit Assistenten - erstellen, Ursache-Wirkung-Beziehungen abbilden sowie Pivot-Diagramme anlegen.

Netzwerk und Gebäude

Den einen oder anderen wird die Kategorie "Konstruktion" interessieren: Dort kann er eine elektrische Schaltung in Visio abbilden, Gas-/Wasser-/Strom-Netze einpflegen oder industrielle Steuerungsdiagramme erstellen. Wer mit der Microsoft-Technologie Active Directory ein PC-Netz planen will, bekommt auch dazu in Visio 2010 eine Vorlage im Bereich Netzwerk, wie auch für ein LDAP-Verzeichnis.

Hinter "Pläne und Grundrisse" verstecken sich praktische Vorlagen, die man in Office Visio so eigentlich nicht vermuten würde: Der Nutzer kann die Einrichtung des Büros oder privater Gebäude mit dem Programm planen. Dabei gibt es neben den Vorlagen "Grundriss" und "Hauseinrichtungsplan"(sogar mit Bad und Toilette) auch die Möglichkeit, einen Deckenplan zu erstellen. Damit lässt sich vor dem Einzug genug festlegen, an welchen Positionen die Beleuchtung und andere Objekte angebracht werden sollen. Im Zusammenspiel mit dem "Plan für Elektrik und Telekommunikation" kann auch beim Bau eines Hauses eigentlich nichts mehr schief gehen. Für den Außenbereich gibt es einen "Grundstücksplan", zur Visualisierung der Sicherheitseinrichtungen dient eine zusätzliche Vorlage.

Die anderen Kategorien "Software und Datenbank" sowie die Vorlagen in "Terminplan" sind kaum für Einsteiger geeignet und eher für alte Visio-Hasen gedacht. Einzig die Visualisierung der Struktur einer Website dürfte auch für private Anwender die Planung einer Homepage etwas erleichtern.

Office Visio 2010 im Test

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Microsoft Office Visio kann sehr ansprechende Visualisierungen erstellen. (Bild: Netzwelt)

Einsatz eines Moduls

Nachdem der Nutzer doppelt auf eine Vorlage geklickt hat, wird diese geöffnet - und eine leere Datei angezeigt, was einige Menschen verwirren dürfte. Eine Vorlage in Office Visio bedeutet nicht, dass im Programm schon irgendwelche Inhalte angelegt werden. Stattdessen wird der Datei einfach ein Vorlage-Typ zugeordnet und mit den passenden Shapes verbunden. Shapes sind sozusagen Module, aus denen eine Visualisierung zusammengebaut wird - etwa ein Möbelstück, Leitungen oder auch Personen. In Microsoft Visio 2010 gibt es hunderte vorgefertigte Shapes, die in einer Spalte links von der Dokumentanzeige präsentiert werden. Um ein Shape zu nutzen, wird es einfach mit der Maus in die Mitte gezogen. Shapes sind also auch nur spezielle Bilder auf einer weißen Fläche.

Der Nutzer kann die Darstellung jedes eigenen Shapes sehr detailliert anpassen: An jeder Ecke sind kleine Fangmarken zu sehen, mit denen sich ein Objekt größer und kleiner ziehen lässt - auch an das Drehen der Shapes hat Microsoft gedacht. Sehr praktisch ist, dass etwa bei den Möbel-Shapes ständig die Länge der jeweiligen Seite angezeigt wird. So braucht man die gewünschten (echten) Werte nicht manuell eingeben. Apropos: Office Visio unterstützt neben dem US-Maßstab 1:48 auch die EU-Norm mit einer 1:50 Skalierung. Für die meisten Visualisierungen genügt die standardmäßige Zeichenfläche, der man im Entwurfs-Menüband (Ribbons) ein anderes Format, beispielsweise A3, zuweisen kann.

Hat der Anwender die automatische Vergrößerung aktiviert, verdoppelt das Programm entweder horizontal oder vertikal die Größe der Anzeige, sobald ein Shape an den Randbereichen platziert wird. Die Funktion klappt sogar auch rückwärts: Ist der Platz zu groß ist, werden Seiten gelöscht.

Bild, Text und Farben

Neben Shapes kann der Anwender in einem Office Visio-Dokument auch beliebige Bilder und andere Textobjekte platzieren. Die Formatierung einer jeden Visualisierung erfolgt in der Anwendung mit den Funktionen, die im Entwurfs-Menüband untergebracht sind. Dort gibt die Möglichkeit, mit einem Farbschema eine einheitliche Gestaltung einzelner oder Gruppen von Shapes zu erreichen, wie man es aus der Textverarbeitung mit den Formatvorlagen kennt. Natürlich kann der Nutzer auch ein eigenes Hintergrundbild in ein Dokument einpflegen oder auch einen individuellen Rahmen gestalten.

Sehr angenehm ist die Funktion in Office Visio, die Darstellung eines Diagramms oder Organigramms zu reorganisieren. Mit "Zeichenblattlayout neu anordnen" kann der Nutzer automatisch alle Objekte in einer hierarchischen, kompakten, kreisförmigen oder radialen Struktur anordnen lassen.

Im Menüband "Daten" gibt es eine Funktion, die auch im privaten Einsatz nützlich ist: Wer Shapes und Daten aus externen Programmen wie Excel, Access, SharePoint oder SQL Server verknüpfen will, hat dazu einen praktischen und intuitiven Einrichtungsassistenten zur Verfügung. Nicht nur beim Import, sondern auch beim Export gibt sich das Programm Microsoft Office Visio 2010 äußerst kontaktfreudig: Neben der Generierung von XML-Zeichnungen, MS-Visio-2000-Dateien und PDF- oder XPS-Dateien ist es auch möglich, eine Visualisierung im AutoCAD-Format zu speichern. Die Software gilt als Referenz für technische Zeichnungen, für die Office Visio 2010 ein guter Ausgangspunkt ist.

Fazit

Das Programm Microsoft Office Visio 2010 bietet hervorragende Möglichkeiten, beliebige Beziehungen am PC zu visualisieren. Im privaten Bereich ist etwa die Platzierung der Einrichtung möglich, während geschäftliche Nutzer die zahllosen Vorlagen für Organigramme schätzen werden. Das Programm ist kein Ersatz für Microsoft Excel oder Access, da sich damit größere Datenmengen besser abbilden lassen. Doch für die grafische Aufbereitung einer festen Zahl von Datensätzen eignet sich Visio sehr gut. Es bleibt abzuwarten, ob Microsoft das beliebte Programm nicht irgendwann doch in Office integriert. Bis dahin muss es, leider zu einem hohen Lizenzpreis, separat gekauft werden.

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http://www.netzwelt.de/news/85720-microsoft-office-visio-2010-test-organigramm-wohnungsplaner.html
2011-02-28 15:52:00
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