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Plagiate: Netzgemeinde durchsucht Doktorarbeit von zu Guttenberg (Update 5)
Wiki führt über 80 verdächtige Stellen auf

von Jan Kluczniok Uhr veröffentlicht

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In einem Wiki sammelt die Netzgemeinde neue Plagiatatsvorwürfe gegen Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg. Der Initiator will sein Projekt aber nicht als Schmutzkampagne verstanden wissen.

Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) steht unter Verdacht, Teile seiner Doktorarbeit bei anderen Autoren ohne Angabe der Quelle abgeschrieben zu haben. Die zuständige Universität Bayreuth prüft den Fall. Ein Internet-Projekt will sie dabei unterstützen und die über 400 Seiten starke Arbeit nach weiteren Plagiaten durchsuchen.

Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) soll Teile seiner Doktorarbeit bei anderen Autoren abgeschrieben haben. (Quelle: zuGuttenberg.de)

Ihre Ergebnisse tragen die Nutzer in einem Wiki mit dem Namen Gutten Plag zusammen. Bis Dato finden sich hier über 80 Stellen, die das Projekt als unerlaubt abgeschrieben ausgemacht haben will. Ziel der Seite ist laut Initiator, der im Netz unter dem Pseudonym PlagDoc auftritt, die Bayreuther Prüfungskommission in ihrer Arbeit zu unterstützen. Das Projekt sei keinesfalls politisch motiviert und auch keine Schmutzkampagne, heißt es in einem Hinweis auf der Webseite.

Informationen mit Vorsicht genießen

Ob es sich bei den genannten Stellen aber wirklich um Plagiate handelt, bleibt abzuwarten: Der Betreiber selbst weist daraufhin, dass die Informationen mit Skepsis zu sehen und kritisch zu hinterfragen sind, gegebenenfalls können Korrekturen angegeben werden. So wurde ein Plagiatsvorwurf bereits von anderen Nutzern als falsch enttarnt. Problematisch ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Doktorarbeit von zu Guttenberg nicht frei im Netz verfügbar ist. Nutzer können sie nur online erwerben oder eingeschränkt in der Vorschau auf Buchportalen, wie Libreka oder Google Books nach Plagiaten durchsuchen.

Ins Rollen gebracht hat den Fall der Bremer Jura-Professor Andreas Fischer-Lescano, der laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung verdächtige Passagen bei einer Routine-Kontrolle entdeckt haben will. Die Regierungsparteien wittern dagegen eine gezielte Kampagne der Opposition. Fischer-Lescano ist laut Informationen der Mitteldeutschen Zeitung Vertrauensdozent der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung und Gründungsmitgliedes des "Instituts Solidarische Moderne", in dem laut Mitteldeutscher Zeitung Vertreter von SPD, Grünen und Linkspartei kooperieren.

Stellungnahme gefordert

Die Universität Bayreuth hat unterdessen ein Prüfungsverfahren gegen ihren berühmten Doktoranden eingeleitet und den Minister zu einer schriftlichen Stellungnahme aufgefordert.

Plagiatsvorwürfe gibt es nicht nur im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Arbeiten. So hat das US-amerikanische Unternehmen Facebook im Jahr 2008 versucht, den deutschen Konkurrenten StudiVZ mit dem Vorwurf das Konzept von Facebook geklaut zu haben, unter Druck zu setzen.

Update 21. Februar, 10.42 Uhr: Wiki will Zwischenbericht vorlegen

Die Betreiber des Guttenplag Wiki haben angekündigt, heute, 21. Februar, einen Zwischenbericht ihrer bisherigen Erkenntnisse über mögliche Plagiate in der Doktorarbeit von Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg vorzulegen. Dieser hat unterdessen erklärt, vorerst auf seinen Doktortitel zu verzichten und die Prüfung der Universität Bayreuth abzuwarten.

Update 2 vom 21. Februar, 14.18 Uhr: Solidaritätswelle für Guttenberg auf Facebook

Nachdem es mit dem Guttenplag Wiki bereits eine Anlaufstelle im Internet für die Kritiker des Bundesverteidigungsministers gibt, formiert sich im Netz nun auch eine Solidaritätskampagne für Karl Theodor zu Guttenberg. Bei Facebook haben sich um die Fanpage ProGuttenberg binnnen weniger Tage über 120.000 Unterstützer geschart. Hinter der Aktion steht Medienberichten zufolge der Unternehmer Tobias Huch, der mit seiner Firma Resisto IT bereits Datenskandale bei T-Mobile und Schlecker aufdeckte. Auf der Seite selbst machen sich vornehmlich Fans des beliebten Politikers Luft.

Zudem hat der Betreiber der Seite einen Kommentar des Tübinger Informatik-Professors Wilhelm G. Spruth veröffentlicht, der zu Guttenbergs Praktiken verteidigt: "Eine Doktorarbeit ist kein Kriminalroman, auch wenn viele Kritiker den Unterschied verwischen möchten. Sie ist eine eigenständige wissenschaftliche Leistung und erfordert eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem derzeitigen Stand der Wissenschaft. Hierzu ist es üblich, wenn nicht sogar erforderlich, seitenweise aus anderen Quellen zu quotieren. Ein Plagiat liegt nur dann vor, wenn ein relevanter fremder Beitrag als eigene wissenschaftliche Leistung dargestellt wird", heißt es in dem Text.

Auch anderswo im Netz beschäftigt die Diskussion um zu Guttenberg die Nutzer, so will die Grüne Bundestagsfraktion unter dem Motto "Gutt kopiert" die besten Witze über die Affäre sammeln und bei eBay bieten erste Nutzer schon eine Guttenberg-Tastatur an. Diese besteht nur aus den Tasten Strg, A, C und V. Mit diesen Tastenkombinationen lassen sich ganze Texte auswählen, kopieren und in den eigenen Text einfügen.

Update 3 vom 22. Februar: Guttenberg gibt Doktortitel zurück

Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg hat auf einer CDU-Veranstaltung im hessischen Kelkheim Medienberichten zufolge angekündigt seinen Doktortitel zurückgeben zu wollen. Er räumte zugleich gravierende handwerkliche Fehler in seiner Dissertation ein, die nicht mit den Standards wissenschaftlichen Arbeitens übereinstimmen. Zu Guttenberg betonte aber der Tageszeitung Die Welt zufolge, dass er nicht bewusst getäuscht, sondern schlicht den Überblick über die Quellen verloren habe.

Unterdessen hat auch das Internet-Projekt Guttenplag Wiki einen Zwischenbericht über die bisherige Arbeit des Projektes vorgelegt. Demnach sind rund 20 Prozent der Doktorarbeit von anderen Quellen abgeschrieben. Allerdings habe die Gruppe noch nicht alle gemeldeten Verdachtsfälle geprüft. Auch seien die bisherigen Ergebnisse aufgrund der begrenzten Prüfungszeit noch mit Vorsicht zu genießen. Das Projekt will sich nun Zeit für genaue Prüfungen und einen umfassenden Abschlussbericht nehmen, auf einen Veröffentlichungstermin für diesen wollen sich die Mitarbeiter des Projektes aber nicht festlegen.

Update 4 vom 24. Februar: Uni Bayreuth erkennt Doktor-Titel ab

Die Uni Bayreuth hat Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg nun auch offiziell den Doktortitel aberkannt, die zuständige Prüfungskommission habe in einem zweitägigen Verfahren Verstöße im erheblichen Umfang gegen die wissenschaftlichen Pflichten festgestellt, heißt es in einer Mitteilung der Universität.

Die Frage, ob zu Guttenberg vorsätzlich getäuscht hat, untersuchte die Kommission nicht weiter: "Für die Kommission war entscheidend, dass unabdingbare wissenschaftliche Standards objektiv nicht eingehalten worden sind. Im Fall ihrer Verletzung ermächtigt Artikel 48 Verwaltungsverfahrensgesetz zur Rücknahme des Doktorgrades, ohne dass ein Täuschungsvorsatz nachgewiesen werden muss", teilte die Universität mit.

Update 5 vom 1. März: Guttenberg tritt zurück

Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg hat heute, 1. März, seinen Rücktritt vom Amt des Verteidigungsministers erklärt. Der scheidende Minister trat gegen 11.15 Uhr in Berlin vor die Presse. Zuvor hatte bereits die Bild-Zeitung vermeldet zu Guttenberg habe ein Rücktrittsgesuch an Bundeskanzlerin Angela Merkel gesandt. Diese besucht derzeit in Hannover die Computermesse CeBit.

"Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens", sagte Guttenberg Medienberichten zufolge in seiner Stellungnahme. Kritiker hatten diesen Schritt schon seit Wochen gefordert. Auch eine deutliche Mehrheit der netzwelt-Leser stimmte in der vergangenen Sonntagsfrage für einen Rücktritt von zu Guttenberg.

Kommentare zu diesem Artikel

In einem Wiki sammelt die Netzgemeinde neue Plagiatatsvorwürfe gegen Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg. Der Initiator will sein Projekt aber nicht als Schmutzkampagne verstanden wissen.

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  • t-w-j schrieb Uhr
    AW: Plagiate: Netzgemeinde durchsucht Doktorarbeit von zu Guttenberg

    Leider ist die Berichterstattung unverändert voll von pauschalen Aussagen. Für den uninformierten Leser wären nachvollziehbare Beispiele aus der Doktorarbeit hilfreich -
  • zu Guterletzt schrieb Uhr
    AW: Plagiate: Netzgemeinde durchsucht Doktorarbeit von zu Guttenberg

    der Mann war von Anfang an ein selbstgefaelliger Blender.
  • Romi B. schrieb Uhr
    AW: Plagiate: Netzgemeinde durchsucht Doktorarbeit von zu Guttenberg

    Leute, die Guttenbergs Plagiieren als "Mogelei" bagatellisieren, haben da wohl was nicht verstanden. Abgesehen davon ist das die eine Sache, das andere ist, daß er sich nicht sofort dazu bekannt und diesen Fehler eingestanden hat (Fußnoten vergessen? Lächerlich!), anstatt dessen gab es ein einziges Rumgeeiere eines Minister, der dann doch zu sehr an Amt und Macht (und das schicke ständig in der Zeitung stehen?) hing und sich damit spätestens jetzt als ein Politiker unter vielen entlarvte, obwohl er immer gerne so tat, als wäre er ja so ganz anders.
  • Demokrat schrieb Uhr
    AW: Plagiate: Netzgemeinde durchsucht Doktorarbeit von zu Guttenberg

    Die Kanzelerin schreibt Herrn von und zu Guttenberg große politische Fähigkeiten zu, und einige Politiker hoffen auf seine Rückkehr. Welche politischen Fähigkeiten mag Frau Merkel meinen? Meint sie, medienwirksame Schnellschüsse zu starten, die im Nachhinein zurückgenommen werden müssen oder sich als faule Eier erweisen, oder blenden, tarnen und täuschen und keiner hat es gemerkt, oder Arroganz gepaart mit Realitätsverlust? Nein, diese Art von Politikern braucht Deutschland nicht, auch diejenigen nicht, die diese Minister unterstützen. Hier entlarvt sich Politik auf blamable Weise. Wie weit sind wir denn schon gesunken?
  • Hati schrieb Uhr
    AW: Plagiate: Netzgemeinde durchsucht Doktorarbeit von zu Guttenberg

    Ich schätze G. Er hat einen Fehler gemacht, ist nicht gut zu heißen aber guter Politiker,wie werden die Versprechungen vor den Wahlen juristisch dargestellt ( Betrug um Wählergunst zu bekommen oder ?)

    ---------- Doppelpost zusammengeführt ----------

    Ich schätze G. Er hat einen Fehler gemacht, ist nicht gut zu heißen aber guter Politiker,wie werden die Versprechungen vor den Wahlen juristisch dargestellt ( Betrug um Wählergunst zu bekommen oder ?) Ich freue mich, das er noch so viele Anhänger hat, er war zu beliebt, einigen ein Dorn im Auge,
  • Kai_B schrieb Uhr
    AW: Plagiate: Netzgemeinde durchsucht Doktorarbeit von zu Guttenberg

    Was soll er denn anders machne als Politik? "Laut SPIEGEL (11/2009) wird das Familienvermögen des feschen Freiherrn auf ca. 600 Millionen Euro geschätzt. Die Familie von und zu Guttenberg, die auf ihrem Schloss im Fränkischen bei Kulmbach residiert, gehört damit zu den 300 reichsten Familien bzw. Personen Deutschlands." Die Politik ist doch eh nur sein "hobby"
  • perdita schrieb Uhr
    AW: Plagiate: Netzgemeinde durchsucht Doktorarbeit von zu Guttenberg

    ich sage nur: die grünen, § 175, 80er jahre, ..............
  • Bürger68 schrieb Uhr
    AW: Plagiate: Netzgemeinde durchsucht Doktorarbeit von zu Guttenberg

    Ich erinnere mich an einen grünen Aussenminister, der Gewalttaten in seinem Lebenslauf hatte. Irgendwie hat das jedoch niemanden interessiert. Und zurücktreten musste er auch nicht, oder? Es gibt scheinbar jede Menge Leute, die Angst vor Guttenbergs Beliebtheit haben. Der deutsche Titel-Wahn ist eh völlig daneben.
  • Demokrat schrieb Uhr
    AW: Plagiate: Netzgemeinde durchsucht Doktorarbeit von zu Guttenberg

    Da Herr zu Guttenberg nun keinen Doktortitel mehr hat, besitzt er nur noch das 1. Staatsexamen und ist damit kein Volljurist. Meines Wissens kann er noch nicht einmal eine Kazlei eröffnen. Was soll er denn anders machne als Politik? Er hat nicht nur die Uni sondern auch seine Wähler reingelegt, die sich der Tragweite des Betruges nicht bewußt sind. Rücktritt ist die einzig richtige Konsequenz. Ob die Staatsanwaltschaft sich noch mit ihm beschäftigen wird, bleibt abzuwarten.
  • Dr. Bromm schrieb Uhr
    AW: Plagiate: Netzgemeinde durchsucht Doktorarbeit von zu Guttenberg

    Sicher ist das, was Guttenberg gemacht hat, absolut nicht in Ordnung. Aber: Was ist mit dem Doktorvater, der offensichtlich die Arbeit nicht angesehen hat; denn fehlende Zitate erkennt JEDER! Es ist die Pflicht des Professors, den Doktoranden zu beraten und zu betreuen. In diesem Sonderfall noch viel viel schlimmer! Eine summa cum laude Arbeit ist extrem selten und verlangt besondere Ansprüche an SÄMTLICHE Gutachter der Kommission!!! Jeder verpflichtet sich durch Unterschrift, die Arbeit genau gelesen zu haben und mit der vorgeschlagenen Zensur einverstanden zu sein. Dazu kommt mindestens 1 auswärtiger Gutachter, für den das Gleiche gilt. Was ist da los?

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Ein Internetprojekt durchsucht die Doktorarbeit von Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg nach Plagiaten.
http://www.netzwelt.de/news/85681-plagiate-netzgemeinde-durchsucht-doktorarbeit-guttenberg-update-5.html
2011-03-01 12:01:00
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