Von wegen CEO
Verkehrte Netzwelt: Der mächtigste Mensch im Unternehmen
Wer ist der mächtigste Mensch im Unternehmen? Der Firmengründer, der den ganzen Laden aufgebaut hat? Der neue Geschäftsführer, der gerade radikal umstrukturiert? Oder der Controller, der immer so harmlos tut, aber als graue Eminenz eisern darüber wacht, dass die Zahlen stimmen? Nein, der mächtigste Mensch im Unternehmen - meistens ist es ein Mann - ist der Typ im Eckbüro. Der IT-Administrator.
Er trägt immer Jeans und T-Shirt. Neben seinem Schreibtisch steht ein großer Karton, in dem Dutzende von Mäusen und Tastaturen durcheinander liegen. Ist Ihre Tastatur oder Maus kaputt, dann kriegen Sie einfach eine neue. Netter Kerl.
Seine Macht kommt aber nicht von Mäusen oder Tastaturen. Sie kommt daher, dass er sich mit all dem beschäftigt, was uncool, extrem kompliziert und sterbenslangweilig ist, also mit Netzwerktechnik. Er weiß, wie ein Router funktioniert und kennt das OSI-Referenzmodell auswendig. Leute, die Netzwerktechnik gelernt haben, gelten bei der Latte macchiato schlürfenden Lifestyle-Schickeria manchmal als ein wenig sonderbar. Das sind Sie vielleicht, aber sie sind nicht blöd. Ganz im Gegenteil. Wissen ist Macht, das kann man nirgendwo besser erfahren als beim IT-Administrator.
Templates, Datenbanken und Stylesheets
Bei Konferenzen sitzt der Administrator zur Rechten des Chefs. Wenn der Chef ihn fragt, wann denn die neue Website online gehen könnte, dann setzt der Admin zu einem längeren Monolog an, der gespickt ist mit Fachausdrücken. Er brabbelt von Templates, Server-Scripts, PHP, Stylesheets und anderem mehr. Der Chef nickt dabei bedeutsam, dabei versteht er kein Wort. Frühestens in zwei Wochen, könne die neue Website freigeschaltet werden, erklärt der Admin. Der Chef nickt wieder.
Unsereins kann sich sowas nicht erlauben. Wenn wir meinen, die Texte und Bilder für den Webauftritt könnten in einer Woche erst fertig sein, dann bellt der Chef: "Du hast zwei Tage." Weil von Texten und Bildern, da versteht der Chef ganz viel.
Der Admin kann aber noch mehr. Zum Beispiel könnte er alle E-Mails lesen. Das darf er natürlich nicht. Aber wenn er wollte, dann könnte er. Auch die E-Mail des CEOs an den Personalchef, in der er … aber lassen wir das.
Admin: Bitte nicht ärgern
Wenn er will, weiß der Admin auch, was die Mitarbeiter den ganzen Tag am PC so treiben. Auf welche Seiten sie surfen, welche Programme sie starten. Wir sollten ihn deshalb gut behandeln. Immer Respekt zeigen. Vielleicht sogar ein bisschen Demut. Verkneifen Sie sich dümmliche Bemerkungen über sein T-Shirt.
Denn wenn so ein Admin mal sauer ist, kann er die Firma ganz schön ausbremsen. Er macht einfach mal eine halbe Stunde lang ein Server-Update und keiner kommt mehr ins Netz. Oder er lässt sich etwas Zeit damit, den Servicetechniker anzurufen, wenn der Stockwerk-Drucker wieder mal kaputt ist.
So verpasst er uns allen einen kleinen Denkzettel.
Aber wenn ein IT-Administrator so richtig schlechte Laune hat, dann macht er noch ganz andere Sachen. In Amerika gab es mal einen, der war sauer auf den Chef, hat gekündigt aber vorher noch alle Daten gelöscht. Der Mann kam natürlich ins Gefängnis, aber die Firma war tot.
Ein Administrator mit schlechter Laune ist eine tickende Zeitbombe.
Deshalb ganz wichtig. Oberste Regel. Seien Sie nett zu Ihrem IT-Administrator. Sorgen Sie dafür, dass er immer gute Laune hat …


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Beiträge
insgesamt 4 BeiträgeWas sind seit jeher die wichtigsten Menschen im Unternehmen? Die Chefsekretärin, der Hausmeister und die Sysadmins. Und das ist nicht einmal neu. Weiter so, Verkehrte Netzwelt :top:
Also nachdem ich den Artikel gelesen hatte habe ich mit nostalgischen Gefühlen nach dem Datum geschaut um herauszufinden, wann in den 90ern er geschrieben wurde. Etwas erschrocken bin ich dann doch, als in dem...
wahre Worte!
Ja, geiler Text, wie wahr!