Aftenposten erhält unveröffentlichter Dokumente
Wikileaks: Leck bei Enthüllungsplattform erzürnt Assange
Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat einen Whistleblower in den eigenen Reihen. Wie nun bekannt wurde hat die norwegische Zeitung Aftenposten alle rund 250.000 US-Botschaftspapiere, die die Plattform besitzt, erhalten, offenbar von einem Wikileaks-Mitarbeiter. Die Plattform selbst hat bislang nur einen Bruchteil der Dokumente veröffentlicht. Medien erhielten auf Anfrage Zugang zur Datenbank, mussten ihre Veröffentlichungen aber mit Wikileaks absprechen.

Dies ist nun hinfällig, da die norwegische Zeitung die Dateien bereitwillig weitergeben zu scheint. Unter anderem verkündete die deutsche Tageszeitung Die Welt bereits, das einer ihrer Mitarbeiter sich in der Aftenposten-Redaktion in Oslo befinde und die Daten in Augenschein nehme. Wikileaks-Gründer Julian Assange soll laut Aussagen der Aftenposten-Redaktion wütend über das Datenleck in seiner Organisation sein. Der Wikileaks-Chef hatte bislang das Material vor allem international führenden Medien wie der britischen Tageszeitung The Guardian, dem deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel oder der US-Tageszeitung New York Times angeboten.
Medien bislang abhängig von Wikileaks
Der New York Times wurde ein kritischer Bericht über Wikileaks jedoch zum Verhängnis: Hatte das Blatt bei früheren Wikileaks Enthüllungen noch vorab Zugriff auf das Material erhalten, musste sich die New York Times die US-Botschaftsdepeschen aus der befreundeten Redaktion der britischen Tageszeitung The Guardian besorgen. Erst kürzlich hatte Wikileaks via Twitter die New York Times als irreparables Sprachrohr der US-Regierung verunglimpft. Den Aftenposten-Vorfall hat Wikileaks dagegen bislang noch nicht offiziell kommentiert. Unterdessen hat der ehemalige Wikileaks-Mitarbeiter Daniel Domscheit-Berg angekündigt, dass sein Konkurrenz-Projekt Openleaks im Februar zunächst mit einer Testphase starten soll.
