"Eine Dienstleistung an der Gesellschaft": Interview zum 10. Wikipedia-Geburtstag

"Viele Wikipedia-Artikel sind richtig schlecht"

Man sieht, dass das Interesse eher darin liegen muss, existierende Inhalte noch besser zu machen. Es gibt auch ganz viele Artikel, wie wir ehrlicherweise zugeben müssen, die überhaupt nicht gut sind. Es geht dabei um Rechtschreibfehler aber auch sprachliche Anpassungen, um den dargelegten Inhalt überhaupt verständlich zu machen. Wir haben in der deutschsprachigen Wikipedia über eine Million Artikel, von denen nur einige tausend ausgezeichnet sind. Diese sind so gut, dass sie sich mit jedem Magazinartikel messen können. Das bedeutet gleichzeitig, dass eben immernoch etwas weniger als eine Million Einträge nicht gut genug sind, um von uns ausgezeichnet zu werden - und viele davon sind sogar wirklich schlecht.

Wir müssen viel Arbeit investieren, um genau diese Einträge zu optimieren - und dazu bedarf es auch neuer Autoren. Das ist im Moment wohl die größte Herausforderung, wie wir es schaffen können, neue Autoren zu Wikipedia zu bringen und sie dafür zu begeistern, bestehende Themen selbst zu überarbeiten.

Netzwelt: In den ersten zehn Jahren hat man also Artikel angelegt, in den kommenden zehn Jahren müssen diese noch richtig ausgearbeitet werden. Lässt sich die Geschichte so einfach zusammenfassen?

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Moleski: Ja. Es geht jetzt nicht mehr primär um die Breite, sondern die Tiefe der Wikipedia.

Netzwelt: Ganz grundsätzlich: Wie wird sich Wikipedia Ihrer Meinung nach in den nächsten zehn Jahren entwickeln? Welche Themen stehen bei Wikipedia und Community ganz oben auf der Tagesordnung?

Moleski: Ein großes Thema für die Zukunft ist die Barrierefreiheit. Wie können wir Menschen dazu bringen, trotz ihrer Behinderung an dem Projekt mitzuarbeiten? Wie können wir aber auch die Inhalte für Menschen mit einer Beeinträchtigung bereitstellen? Dabei geht es nicht unbedingt nur um blinde Menschen, denen wir eine Sprachausgabe zu möglichst vielen Artikeln anbieten wollen. Ein Teil der Autoren der Wikipedia hat zum Beispiel eine Lese-Rechtschreib-Schwäche und möchte trotzdem einen Beitrag zum Projekt leisten, obwohl sie nicht die besten Autoren sind. Wir wollen das Mitmachen und den Zugriff auf Informationen für alle Menschen möglich machen - unabhängig von ihrer persönlichen Behinderung, mit der sie leben und arbeiten. Eine Sache, die wir uns überlegt haben, klingt für viele Menschen im ersten Moment zwar seltsam, ist aber sehr wichtig: Wir wollen, dass Wikipedia-Artikel auch in Gebärdensprache aufgenommen und bereitgestellt werden.

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