Verein gegen den Abmahnwahn legt Jahresstatistik 2010 vor
Filesharing-Studie 2010: Abmahnungen für über 412 Millionen Euro
575.800 Abmahnungen im Wert von über 412 Millionen Euro verschickten Anwaltskanzleien im Auftrag von Rechteinhabern im Jahr 2010 wegen Urheberrechtsverletzungen an Nutzer von Internet-Tauschbörsen. Das geht aus der Jahresstatistik des Vereins gegen den Abmahnwahn und der Initiative Abmahnwahn-Dreipage hervor. Im Vergleich zum Jahr 2009 registrierten die ehrenamtlichen Statistiker 28,2 Prozent mehr Abmahnungen und Zuwächse in fast allen Bereichen.

Inhaltsverzeichnis
- 1Musik, Spielfilme und Pornos
- 2Durchschnittliche Forderungen zwischen 348 und 1.317 Euro
- 3Die Hälfte zahlt
Als neues Phänomen traten der Erhebung des Vereins gegen den Abmahnwahn und der Initiative Abmahnwahn-Dreipage zufolge im Jahr 2010 immer häufiger Mehrfachabmahnungen auf. Als Beispiele nennen die Verbraucherschützer den Film "Zeiten ändern dich", für den sowohl der Constantin Filmverleih als auch der Musiker Bushido abmahnen ließen, sowie den Titel "Schöne neue Welt" von Culcha Candela. Für diesen machten sowohl die Band als auch ihr Label Universal Rechte geltend. Bei Samplern oder so genannten Chartcontainern mit Top-100-Titeln wurden sogar oft mehrere Rechteinhaber tätig.
Musik, Spielfilme und Pornos
Am häufigsten mahnten die Rechteinhaber im Jahr 2010 Musiktitel, gefolgt von Spiel- und Pornofilmen ab. Aus diesen drei Bereichen stammen 93,2 Prozent der abgemahnten Downloads. Die Hitparade der meistabgemahnten Werke dominieren deutsche Titel - bei den Top 20 handelt es sich größtenteils um Musikstücke, einige Filme und ein E-Book.

Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl durch den Verein gegen den Abmahnwahn und der Initiative Abmahnwahn-Dreipage registrierter abgemahnter Werke von 2.252 auf 3.677, die Zahl der tätig gewordenen Rechteinhaber von 159 auf 285 und die Zahl der abmahnenden Anwaltskanzleien von 29 auf 44. Fünf dieser Kanzleien verschickten etwas mehr als die Hälfte aller hochgerechnet 575.800 Abmahnungen.
Durchschnittliche Forderungen zwischen 348 und 1.317 Euro
Die verschiedenen Kanzleien forderten der Erhebung zufolge im Durchschnitt sehr unterschiedliche Beträge. Die Bandbreite reicht von 348 bis 1.317 Euro. Die gesamte ermittelte Forderungssumme beträgt 412.459.335 Euro. Zum Vergleich: Die Musikindustrie verkaufte nach Angaben ihres Bundesverbands im Jahr 2009 Musik im Wert von 1.530 Millionen Euro. Der GFK-Brennerstudie für das gleiche Jahr zufolge luden 2,9 Millionen Internetnutzer im selben Jahr in Deutschland insgesamt 258 Millionen Songs illegal auf ihre Rechner.
Die Anschlussinhaber ermittelten die Rechteinhaber und ihre Anwälte nicht mehr über Ermittlungsverfahren von Staatsanwaltschaften, sondern erhielten die persönlichen Daten aufgrund von Richterbeschlüssen direkt von den Providern.
Die Hälfte zahlt
Mit 52,7 Prozent zahlten etwas mehr als die Hälfte der Abgemahnten, die sich in den beobachteten Internetforen meldeten, die geforderten Beträge. 46,8 Prozent gaben eine modifizierte Unterlassungserklärung ab und nur 0,5 Prozent ignorierten de Forderungen. Darüber hinaus registrierte der Verein gegen den Abmahnwahn 150 Klagen, 77 Mahnbescheide und sieben einstweilige Verfügungen als Folge von Abmahnungen.

Als Grundlage der Statistik dienen Selbstauskünfte von Internetnutzern, die eine Abmahnung erhalten haben und sich in Foren - wie zum Beispiel im netzwelt-Forum - dazu äußerten oder Hilfe suchten. Zusätzlich flossen 4.060 Meldungen über die Formular "Wer mahnt was ab?" auf www.verein-gegen-den-abmahnwahn.de und http://abmahnwahn-dreipage.de in die Auswertung, die keinen Abspruch auf Vollständigkeit erhebt, ein.
Weitere Informationen
Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Filesharing hier.

Die Maßnahmen der Rechteinhaber zur Feststellung der Täter empfinde ich als unzulässig Seit wann heiligt der Zweck die Mittel. Solange nicht erkennbar ist das von mir erhebliche Datenmengen zum Upload...
Naja Sandstorm aber damals gab es auch noch nicht so viel, da kam vllt. in einem jahr ein album wenn überhaupt raus, und heute aufgrund von pc´s schnellen beats schmeisen die künstler einen song nach dem nächsten...
Hm. Irre ich mich, oder haben die Musikcasstetten und LP's diverser Bands nicht damals schon, als es noch kein Internet gab, bereits mehr als eine Mark pro Song gekostet? Ja, eigentlich bin ich mir sogar...
Hier spalten sich nun die Meinungen der Kunden und der Hersteller. Hersteller sagt: "Wir müssen mehr verlangen, es gibt zu viele Raubkopierer = weniger Gewinn" Kunde sagt: "Ich lade es mir runter,...
Exzellenter Beitrag von " Totaler Unsinn ". Stimme ihm absolut zu. Danke dafür.