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Adobe Captivate: E-Learning-Anwendungen selbst erstellen
Erinnert stark an Programme wie PowerPoint

von Markus Franz Uhr veröffentlicht

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Seit Jahren ist das Thema E-Learning in aller Munde: Sowohl im privaten als auch betrieblichen Bereich soll die computergestützte Weiterbildung Kosten sparen und das Lernen angenehmer machen. Mit Captivate hat Adobe ein Programm im Angebot, das sich auf E-Learning und Bildschirmaufzeichnung spezialisiert hat.

E-Learning ist einer der wenigen Trends in der schnelllebigen IT-Branche, der sich über das letzte Jahrzehnt konstant halten konnte: Mit computergestützten Lernprogrammen soll die Weiterbildung sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Umfeld deutlich verbessert werden. Dabei geht es einerseits um die Einsparung von Kosten, da E-Learning viele Prozesse automatisieren kann und weniger menschliche Trainer notwendig sind. Gleichzeitig soll das Ergebnis verbessert werden: Mit E-Learning kann jeder Teilnehmer sich genau die E-Kurse heraussuchen, die wirklich sinnvoll sind und sein Vorwissen entsprechend berücksichtigen.

Kurz gesagt steht E-Learning für alles und nichts: In der IT-Branche ist das Angebot an Softwarelösungen in diesem Bereich so unübersichtlich, dass sich der Begriff nicht exakt gegen andere Themen abgrenzen lässt. Mit Captivate bietet der Hersteller Adobe ein Programm an, das eine eierlegende Wollmilchsau für jede Art von E-Learning-Konzept sein soll. Netzwelt hat geprüft, ob dieser Anspruch tatsächlich erfüllt wird.

Preise und Lizenzen

Es ist kein Geheimnis, dass Adobe selbst Captivate nutzt, um Einführungen und Demonstrationen für dritte Programme aus dem eigenen Haus zu erstellen. Daher darf der Nutzer einiges von der Software erwarten - und das lässt sich Adobe schon vor der Nutzung mit satten Preisen vergüten: Für die Captivate-Einzellizenz werden etwa 750 Euro fällig, die Education Edition für Schüler, Studenten und Lehrende gibt es ab circa 350 Euro. Wer bereits im Besitz einer Lizenz für Captivate 4 ist, kann sich zum Preis von ebenfalls circe 350 Euro ein Upgrade auf die neueste Ausgabe kaufen. Wie üblich gibt es eine Testversion für dreißig Tage.

Mit knapp 1,43 Gigabyte Größte ist der Download dieser aber keine Freude. Auch die Systemanforderungen von Captivate 5 sind happig: Adobe hat die Empfehlung abgegeben, das Programm nur auf Computern mit zwei Gigabyte Arbeitsspeicher oder mehr zu nutzen - damit bleibt selbst auf modernen Notebooks nicht viel Luft, um andere Anwendungen parallel zu betreiben.

Im Test genehmigte sich Captivate tatsächlich sehr viel Speicher, auch wenn das Programm auch auf einem 1-GB-System recht flüssig lief. Die Installation geht für die meisten Nutzer ohne Probleme vonstatten: Wer ein System mit Microsoft Windows XP (oder neuer) oder einen Apple-Rechner mit Mac OS X 10.5 oder 10.6 besitzt, kann die Anwendung im 32- oder auch 64-bit-Modus aufspielen. Lässt der Nutzer die optionalen Komponenten weg, benötigt Captivate etwa 1,9 Gigabyte auf der Festplatte. Die Installation dauerte auf einem aktuellen 13-Zoll MacBook Pro satte acht Minuten.

Soundbooth und mehr

Neben dem Verkauf als Einzelanwendung ist Captivate auch das Herzstück der Adobe eLearning Suite 2. In dem Paket sind neben Captivate auch die Programme Adobe Flash, Dreamweaver, Acrobat Pro, Presenter und Photoshop enthalten. Besonders nützlich im Bereich E-Learning ist allerdings Soundbooth: Da für einen Kurs im Regelfall viele Tondateien aufgenommen werden müssen, ist eine Anwendung zur Nachbearbeitung unerlässlich. Der Lizenzpreis für die eLearning Suite 2.0 liegt derzeit bei etwa 2100 Euro, für die Adobe aber nicht einmal eine gute Integration der Anwendungen liefern kann. Wer etwa ein Tondokument aus Captivate in Soundbooth bearbeiten will, muss die Anwendungen getrennt starten und die Dateien abgleichen - es ist nicht möglich, die Informationen direkt zu Synchronisieren oder Soundbooth, Photoshop und Co. direkt aus dem Captivate-Hauptfenster zu starten. Hier sollten die Entwickler dringend nachbessern.

Fast wie PowerPoint

Gleich beim ersten Start fordert das Programm dazu auf, doch bitte die Adobe ID einzugeben. Das kann der Nutzer jedoch sowohl in der Test- als auch der Vollversion getrost ignorieren, da die Verknüpfung nicht einen Vorteil bei der Nutzung des Programms bietet. (Auch für Aktualisierungen ist die Adobe ID nicht nötig.) Das Hauptfenster der Anwendung vermischt bekannte Elemente aus der Gestaltung der Creative-Suite-Software mit anderen Programmen wie Contribute oder Photoshop Lightroom.

Dabei erinnert Captivate sehr stark an Microsoft PowerPoint: Die Anwendung gliedert ihre Inhalte in Folien, die am linken Rand als Übersichtsliste angezeigt und in der Mitte bearbeitet werden können. Das dreispaltige Layout in Captivate 5 hat aber einen kleinen Schönheitsfehler: Die Breite der Übersicht, des mittleren Bereiches und der Spalte für die Optionen lässt sich nicht ändern. Das wäre aber nützlich, um für eine einzelne Folie mehr Platz zu haben.

Die Programmleiste ist - im Gegensatz zu anderen Adobe-Produkten - fest mit dem Hauptfenster verbunden und besitzt eine Funktion zum Durchblättern der Folien, dem Starten der Bildschirmpräsentation sowie dem Veröffentlichen eines Dokuments. Auch der Zoom-Knopf sitzt ganz oben in der Programmleiste. Links neben dem Filmstreifen, der alle Folien zeigt, wurde die Werkzeugleiste platziert: Mit den Funktionen dort kann der Anwender neue Texte in eine Folie einfügen, Linien zeichnen, Schaltflächen definieren und Eingabebereiche kennzeichnen. Auch Werkzeuge für die Füllung von Elementen, eine Maus und mehr sitzen dort.

Ganz unten im Hauptfenster von Captivate sitzt die Zeitleiste: In dieser kann der Benutzer genau den Ablauf einer Präsentation ohne das ständige Starten der Bildschirmausgabe im Blick behalten, da zu jeder Folie die aktivierten Übergangseffekte und manuelle beziehungsweise automatische Folienwechsel mit der definierten Zeitspanne dargestellt werden. Die Leiste ist ein tolles Features, was PowerPoint und Co. fehlt.

Galerie: Lernen mit Folien

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Adobe Captivate ist ein wichtiger Bestandteil der Adobe eLearning Suite. (Bild: Netzwelt)

Folie, Quiz und mehr

Um ein neues E-Learning-Projekt anzulegen, wählt der Nutzer am besten gleich auf der Willkommens-Seite den gewünschten Typ aus: Dort wird entweder ein leeres Dokument erzeugt, eine Softwaresimulation mittels Aufzeichnung des Bildschirms gestartet oder eine PowerPoint-Datei als Vorlage importiert. Letztere Funktion ist nützlich, um konsequent Inhalte aus alten Vortragsfolien für moderne E-Learning-Dokumente zu recyceln. Beim Import von PowerPoint versteht Captivate zwar sowohl das alte PowerPoint-Format als auch die neuen XML-Dateien, allerdings werden in beiden Fällen nicht alle Animationen und Diagramme erkannt.

Ein leeres Projekt in Captivate besteht mindestens aus einer leeren Folie. Um eine neue Folie hinzuzufügen, klickt der Nutzer im Einfügen-Menü auf "Neue Folie". Dabei kann er aber statt einer Standardfolie aber auch einen anderen Folientyp wählen: Der Menüpunkt "Bildfolie" ist sinnvoll, wenn einfach nur ein Foto - etwa für eine Diashow - gezeigt werden soll. Mit der "Animationsfolie" kann Captivate eine Flash-Datei abspielen, für die das Programm selbst dutzende Vorlage - etwa bewegende Pfeile - mitbringt. Diese lassen sich allerdings nur begrenzt nachträglich anpassen, z.B. ist meist die Farbe des bewegten Objekts vorgegeben.

Hinter "Aufzeichnungsfolie" steckt das Werkzeug von Captivate 5, mit dem Bewegungen auf dem Bildschirm des Nutzers aufgenommen werden können. Großartig sind besonders die Folientypen "Quizfolie" und auch "Fragenfolie", mit denen sich interaktive Frage-Antwort-Spiele realisieren lassen. Noch besser geht das über den zugehörigen Arbeitsbereich: Sobald der Nutzer vom Classic-Modus in ihn wechselt, wird das Schreiben von Quizanwendungen zum Kinderspiel. Captivate erlaubt es, Antworten als Checkbox, Texteingabe, Wahr und Falsch, Sortierung von Werte oder auf andere Weise zu erfassen. Auch Zufallsfragen sind möglich, aber nicht in mehreren Schwierigkeitsstufen. Captivate kann Pools mit tausenden Fragen verwalten und auch aus einer externen Datei importieren, sodass auch bestehende Daten für das Quiz nutzbar werden.

Start der Präsentation

Zu jeder Folie kann der Nutzer in Captivate einstellen, in welcher Farbqualität diese gespeichert werden soll und wie lange ihre Anzeigedauer ist. Der Eigenschaften-Reiter bietet daneben die Möglichkeit, auch für den Übergang zwischen zwei Folien einen Effekt anzugeben oder das Verhalten beim Drucken der Eingabetaste anzupassen: Statt dem einfachen Folienwechsel ist auch das Ausblenden, das Senden einer E-Mail oder gar die Ausführung eines Skripts möglich. Für die Integration multimedialer Inhalte steht neben Filmen auch die Ausgabe eines oder mehrere Musikstücke zur Verfügung, um die Folien akustisch zu untermalen.

Besonders bei komplexen E-Learning-Anwendungen mit vielen Folien sollte der Nutzer vor dem Exportieren noch einmal Überprüfen, ob insbesondere die Verzweigungen korrekt angelegt wurden: Dazu stellt Captivate einen entsprechenden Inspektor bereit, der zu jeder Folie die verlinkten Folien anzeigt. Mit der Funktion zum Anlegen eines Inhaltsverzeichnisses lassen sich thematische Bereiche nach der Erstellung einer Anwendung so eingrenzen, dass der Anwender später direkt zu einem gewünschten Kapitel springen kann.

Flash und Windows-EXE

Für den eigentlichen Export eignet sich zunächst einmal das Flash-/SWF-Format, etwa um die Anwendung in eine Webseite einzubinden oder ein PDF-Dokument aus den Inhalten zu generieren. Alternativ kann auch eine ausführbare EXE-Datei für Computer mit Windows-Betriebssystem oder eine Anwendung für Mac OS X erzeugt werden - diese setzt dann keinen installierten Flash-Player mehr voraus, was die Bereitstellung ein wenig erleichtern sollte. Direkt aus Captivate kann der Nutzer ein Dokument auch per E-Mail versenden oder auf einen FTP-Server hochladen. Bei allen Möglichkeiten hat man zusätzlich die Wahl, in welcher Auflösung die Veröffentlichung erfolgen soll und in welchem Format und Kompressionsgrad die Speicherung von Fotos, Musik und Filmen erfolgt. Die vorausgewählten Einstellungen, etwa MP3 als Dateityp für Audiodokumente, sind dabei durchweg sinnvoll und können von Einsteigern ohne Probleme so abgenickt werden.

Kunden mit einem Konto bei Acrobat.com wird freuen, dass sich Dokumente aus Captivate direkt dort online stellen lassen - das erleichtert die Zusammenarbeit mit anderen Personen, etwa in einer Firma.

Fazit

Insgesamt gibt Adobe Captivate 5 ein sehr gutes Bild ab: Das Programm ist mehr als nur ein verbessertes PowerPoint, sondern bringt zahlreiche nützliche Funktionen für die Bereitstellung umfangreicher E-Learning-Pakete mit. Dabei ist die Aufnahme von Bewegungen am Bildschirm für Captivate nur eine Fingerübung, der wahre Nutzen liegt in der Kombination der unterschiedlichen Folientypen: Da etwa eine Software-Demo mit einem Quiz kombiniert werden kann und eine Verzweigung in Bildfolien in dem selben Dokument unterstützt wird, lässt sich beinahe jedes E-Learning-Konzept mit Captivate umsetzen. In Kombination mit den anderen Programmen der E-Learning-Suite sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Allerdings sollte Adobe an der Integration der bereitgestellten Programme noch etwas arbeiten, um den Komfort zu verbessern.

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http://www.netzwelt.de/news/85163-adobe-captivate-e-learning-anwendungen-selbst-erstellen.html
2011-01-01 12:30:00
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