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170 Euro: Billig-Tablet Pearl Touchlet im Test
Für Tüftler und Sparer

von Jan Kluczniok Uhr veröffentlicht

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Das Angebot klingt verlockend: Ein Tablet-PC auf Android-Basis für gerade einmal 170 Euro. Der Kauf des Pearl Touchlet ist aber aufgrund zahlreicher Einschränkungen nur Tüftlern zu empfehlen.

Versandhändler Pearl bringt mit dem Touchlet einen sieben Zoll großen Tablet-Computer für vergleichsweise günstige 170 Euro auf den Markt. Die Spezifikationen lesen sich dabei äußerst überzeugend: WLAN-Unterstützung, Android 2.2 und ein 800 Megahertz starker Prozessor. UMTS kann via USB-Stick nachgerüstet werden. Die Tücken liegen beim Gerät aber im Detail.

Verarbeitung: Für die Preisklasse überraschend gut

Die erste Überraschung im Test erlebt die netzwelt-Redaktion bereits beim Auspacken des Pearl Touchlet: Trotz des geringen Preises ist das Gerät solide verarbeitet und wirkt robust. Dank der gummierten Rückseite liegt das Touchlet angenehm in der Hand und ist mit einem Gewicht von rund 396 Gramm kaum schwerer als Samsungs Galaxy Tab. Mit einer Tiefe von 16 Millimetern ist es aber deutlich dicker als das ebenfalls sieben Zoll große Samsung-Tablet.

Auf der Rückseite ist das Android-Logo eingestanzt, was dem Touchlet optisch ein wenig Pepp verleiht. Die Rückseite wird durch vier Schrauben mit dem Touchscreen verbunden. Die Schrauben sind durch Gumminoppen für den Nutzer eigentlich unsichtbar, im netzwelt-Test hatten sich aber drei der vier Noppen schon nach wenigen Sekunden gelöst und den Blick auf die Schraublöcher freigegeben. Nicht schön, aber auch kein wirkliches Manko. Weitaus ärgerlicher: Sowohl das Datenkabel als auch der Netzstecker hinterließen beim Test nicht den robustesten Eindruck. Beim Datenkabel wackelte einer der Stecker bereits nach geringer Beanspruchung.

Pearl Touchlet im Test

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Das Pearl Touchlet ist ein 7 Zoll großer Tablet-Computer.

Bedienung: Resistiver Bildschirm mindert den Komfort

Das Hauptmanko des Pearl Touchlet ist der resistive Bildschirm. Diese Art von Touchscreens ist nicht unmittelbar für die Bedienung mit der Hand ausgelegt, sondern lässt sich besser mit einem Stift steuern. Eine Steuerung mit dem Finger ist zwar möglich, jedoch nicht immer präzise. Zudem muss der Nutzer kräftig drücken. Multitouch unterstützt das Display nicht. Ein Eingabestift liegt dem Touchlet nicht bei, stattdessen muss der Nutzer ihn sich selbst besorgen, wenn er mit der Fingereingabe nicht zurecht kommt.

Besonders nervig: Die virtuelle Tastatur braucht nach einer Eingabe teilweise sehr lang um diese vorzunehmen. Ungeduldige Nutzer, die nun wiederholt auf den jeweiligen Button drücken, haben dann nach einigen Sekunden das jeweilige Zeichen mehrfach eingetippt. Auch bereitete der Power-Button beim Testgerät Probleme. Wurde die Taste zum Entsperren des Bildschirms gedrückt, flackerte der Schirm kurz auf und wurde dann wieder schwarz. Erst beim längerem Halten der Taste wurde der Entsperrbildschirm problemlos aufgerufen.

Software: Android 2.2 ohne Flash und Market-Zugang

Als Betriebssystem kommt die Android-Version 2.2, Codename Froyo, zum Einsatz. Allerdings müssen Nutzer mit zahlreichen Einschränkungen leben. Zunächst ist auf dem Touchlet keine Wiedergabe von Flash-Inhalten im Browser möglich. Entweder werden die Inhalte gar nicht erst angezeigt oder es kommt der Hinweis "Dieses Video kann leider nicht abgespielt werden". Das mindert den Surfspaß deutlich. Ein weiterer Nachteil: Das Touchlet ist von Google nicht für den Android Market zugelassen. Stattdessen kommt der alternative Android App Store Android Pit zum Einsatz. In diesem gibt es für das Touchlet derzeit rund 1.900 Anwendungen und 400 Spiele zum Download. Im Vergleich mit dem Android-Market ist dies eine verschwindend geringe Zahl.

Hinzu kommt, dass es bei Android Pit kaum offizielle Applikationen gibt. Dafür bietet Android Pit mit Click and Buy, Paypal und Gutscheincodes mehr Zahlungsmöglichkeiten und mit einem 24-stündigen Rückgaberecht eine längere Rückgabefrist als der Android-Market. Für den Zugriff auf YouTube, Facebook oder Twitter muss sich der Nutzer dafür aber mit den Anwendungen Dritter begnügen oder die offiziellen Apps über andere Wege besorgen und via microSD-Karte auf das Touchlet spielen. Die entsprechenden APK-Dateien sind im Internet auf mehr oder minder vertrauenswürdigen Seiten problemlos zu finden, nicht immer laufen sie jedoch nach der Installation auf dem Touchlet. Im netzwelt-Test war nach einem Neustart lediglich die offizielle YouTube-App lauffähig. Die Voice-Over IP Software Skype sowie die Spiele Angry Birds und Raging Thunder 2 Lite starten gar nicht oder stürzten ab.

Pearl Touchlet

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Gülcan Kamps wirbt für das Pearl Touchlet. (Bild: Pearl)

Funktionsumfang: UMTS-Installation kompliziert

Das Touchlet bietet von Werk aus lediglich die Möglichkeit sich via WLAN ins Internet einzuwählen. Die Variante X2G mit GPS-Empfänger unterstützt auch Bluetooth, so dass sich auch hierüber das Touchlet mit einem mobilen Hotspot verbinden lässt. Eine UMTS-Verbindung soll sich zudem mit einem Stick problemlos herstellen lassen. Im netzwelt-Test funktionierte dieses mit Sticks verschiedener Anbieter jedoch nicht.

Das Touchlet unterstützt derzeit offenbar nur wenige UMTS-Sticks, zudem erfordert die Konfiguration ein wenig Tüftel-Arbeit. Im Android Pit-Forum kursiert mittlerweile aber eine Anleitung. Mit dieser sollten zumindest Vodafone-Nutzer ins Netz gelangen. Ebenso soll das Gerät problemlos mit einem Pearl Surfstick laufen, den der Händler optional anbietet. Problematisch ist auch die Nutzung von microSD-Karten und USB-Sticks. Von vier getesteten USB-Sticks liefen drei nicht, von drei micro-SD Karten erkannte das Touchlet nur zwei, davon eine nur zeitweise.

Die eingebaute Webcam ist auf dem Papier ein klares Argument für das Touchlet. Deren Auflösung ist mit 0,3 Megapixeln vergleichsweise äußerst gering, in aktuellen Smartphones kommen beispielsweise Webcams mit 1,3 Megapixeln zum Einsatz. Sie eignet sich daher nicht zum Fotografieren oder zur Aufnahme von Videos, auch wenn auf dem Touchlet dafür Apps installiert sind. Videotelefonie ist theoretisch möglich, der Spaß daran dürfte aber aufgrund der geringen Auflösung schnell verfliegen.

Leistung: Annehmbare Arbeitsgeschwindigkeit

Geschwindigkeitsrekorde stellt das Pearl Touchlet nicht auf, liefert beim Surfen, Video schauen oder Musik hören aber eine annehmbare Arbeitsgeschwindigkeit. Der Akku zeigte sich im Test dagegen schwach, nach wenigen Stunden Nutzung ging dem Touchlet bereits der Saft aus - und das obwohl kaum Videos angeschaut wurden. Hier hinterließ das Galaxy Tab im Test einen deutlich besseren Eindruck. Der Klang über Lautsprecher und Kopfhörer ist befriedigend. Ein wirklicher Genuss war das Musik hören über das Touchlet allerdings nicht.

Fazit: Für Tüftler eine Option, alle anderen Finger weg

Dass das Pearl Touchlet X2 für 170 Euro dem iPad oder Galaxy Tab nicht das Wasser reichen kann, sollte Interessierten klar sein. Über Hardware-Einschränkungen wie die fehlende Bluetooth-Unterstützung, die schwache Kamera, die geringe Auswahl an Apps oder den umständlichen Touchscreen könnte daher hinweg gesehen werden, wenn das Touchlet dafür ein unkompliziertes schnelles Surfen und E-Mail checken vom Sofa ermöglichen würde. Doch dieses Erlebnis wird durch Software-Einschränkungen, wie die fehlende Unterstützung von Flash trotz Android 2.2, stark getrübt. Noch ärgerlicher ist es, wenn angekündigte Funktionen wie die Unterstützung von UMTS-Sticks sich nur nutzen lassen, wenn der Nutzer viel Hirnschmalz und Tüftelarbeit investiert.

Versierte Android-Nutzer werden zwar mit Kniffen so einiges auf dem Touchlet möglich machen, was für andere Nutzer unmöglich erscheint - ob die Mühen jedoch durch die Ersparnis von rund 80 Euro gegenüber ebenfalls günstigen Alternativen wie dem Creative Ziio oder einem subventionierten Galaxy Tab ausgeglichen werden, ist zweifelhaft. Das Pearl Touchlet ist in verschiedenen Varianten seit Anfang Dezember erhältlich. Für 170 Euro bekommt der Nutzer die getestete Version X2. Für knapp 200 Euro gibt es bereits eine Version inklusive GPS, Bluetooth und Navigationssoftware.

Kommentare zu diesem Artikel

Das Angebot klingt verlockend: Ein Tablet-PC auf Android-Basis für gerade einmal 170 Euro. Der Kauf des Pearl Touchlet ist aber aufgrund zahlreicher Einschränkungen nur Tüftlern zu empfehlen.

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  • jaklk schrieb Uhr
    AW: 170 Euro: Billig-Tablet Pearl Touchlet im Test

    der usb stecker bricht sehr leicht ab und auch im gerät. reparatur fast unmöglich
  • Holger schrieb Uhr
    AW: 170 Euro: Billig-Tablet Pearl Touchlet im Test

    Archos hatte ich das 101 getestet und es war grottig. bereits die vorinstallierte software ist abgeschmiert ohne grund es war extrem langsam, die akkulaufzeit unter aller sau und hab mir jetzt das x2 geholt wo wenigstens die software funktioniert.
  • Jan K. schrieb Uhr
    AW: 170 Euro: Billig-Tablet Pearl Touchlet im Test

    @harrybrot: Ein Archos-Tablettest findest du bereits unter folgenden Link: http://www.netzwelt.de/news/80719-android-pmp-archos-5-internet-tablet-kurztest.html
  • harrybrot schrieb Uhr
    AW: 170 Euro: Billig-Tablet Pearl Touchlet im Test

    bitte testet auch mal die tablets von archos, diese sollten trotz aktuell schlechter verfügbarkeit bei der gebotenen ausstattung eine günstige alternative sein. danke!



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170 Euro: Billig-Tablet Pearl Touchlet im Test
170 Euro: Billig-Tablet Pearl Touchlet im Test
Pearls Tablet-PC Touchlet zeigt im netzwelt-Test große Schwächen, jedoch erst auf den zweiten Blick.
http://www.netzwelt.de/news/85127-170-euro-billig-tablet-pearl-touchlet-test.html
2010-12-21 16:56:53
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2011/flash-inhalte-ideos-browser-abspielen-bild-netzwelt4406.jpg
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170 Euro: Billig-Tablet Pearl Touchlet im Test