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Adobe Lightroom: Dunkelkammer des digitalen Zeitalters
Netzwelt stellt Adobe Photoshop Lightroom in der Version 3.3 vor.

von Markus Franz Uhr veröffentlicht

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Seit Jahren gilt Adobe als Marktführer im Bereich multimedialer Anwendungen. Neben der Creative Suite mit dem mächtigen Werkzeug Photoshop gibt es noch eine ganze Reihe anderer Produkte zur Bearbeitung von Bildern. Netzwelt stellt heute Lightroom vor, das von Adobe als virtuelle Dunkelkammer konzipiert wurde.

Adobe Photoshop Lightroom 3.3 vereint Bildverwaltung und Entwicklungsprogramm.

Für die Anwendungen der Adobe Creative Suite, etwa das bekannte Photoshop, verlangt der IT-Konzern mit Hauptsitz im sonnigen San Jose (Kalifornien) immernoch saftige Lizenzgebühren: Die Schallmauer von über 1000 Euro ist bei Produkten von Adobe schnell durchbrochen. Diese hohen Preise kann sich Adobe durchaus noch leisten: Zwar gibt es eine Reihe von alternativen Angeboten aus der Open-Source-Community - diese reichen aber nicht annähernd an den vollständigen Funktionsreichtum sowie die Qualität der Creative Suite heran.

Neben den wichtigsten Kernprodukten Photoshop, InDesign, Illustrator und Co. hat Adobe noch eine Reihe weiterer Lösungen im Umfeld der Bild- und Videobearbeitung im Programm, die das Portfolio sinnvoll ergänzen. Dazu zählt auch Lightroom, dessen voller Name eigentlich "Photoshop Lightroom" lautet.

Preise und Lizenz

In der Werbung positioniert Adobe das Programm Lightroom als "virtuelle Dunkelkammer". Dabei gibt es im Zeitalter digitaler Fotografie die Dunkelkammer schon längst nicht mehr: Wo noch vor wenigen Jahren Licht der größte Feind empfindlicher Emulsionen war, mit denen Bilder auf verschiedenen Trägermedien landen, werden Bilder heute direkt vom Speicherchip der Kamera auf den Computer kopiert. Lightroom soll die Idee der Dunkelkammer, in der die Verwaltung und Bearbeitung von Fotografien erfolgt, jetzt wieder auf den PC und Mac zurückbringen. Dabei ist Windows XP oder Mac OS X 10.5 oder neuer Voraussetzung.

Adobe Lightroom ist in der aktuellen Version 3.3 standardmäßig eine 64-bit-Anwendung. Unter Mac OS X kann der Nutzer im Informationsdialog der Programmdatei auch die Ausführung als 32-bit-Programm bestimmen. Unter Microsoft Windows enthält der Installationsassistent sowohl eine 32-bit- als auch 64-bit-Fassung, die entsprechend dem Betriebssystem dann automatisch ausgewählt wird. Der Lizenzpreis für Adobe Lightroom liegt derzeit bei etwa 250 Euro. Wie gewohnt gibt es für Schüler, Studenten und Lehrer einen Rabatt: Hier sinken die Anschaffungskosten auf etwa 90 Euro. Bis Januar 2011 gibt es eine Aktion mit weiteren Rabatten. Lightroom 3 ist nicht Bestandteil der Creative Suite, muss also stets separat erworben werden.

Um sich ein erstes Bild des Programms zu machen, gibt es - wie von Adobe gewohnt - eine Testversion für 30 Tage. Das Herunterladen ist schnell erledigt, da etwa die Mac-Fassung nur 90 Megabyte groß ist.

Module im Fenster

Die eigentliche Installation ist in weniger als fünf Minuten erledigt, selbst auf langsameren Computern. Dabei lässt Adobe dem Nutzer allerdings keine Wahl: Es gibt keine Möglichkeit, einzelne Bestandteile der Software von der Installation auszuschließen. Dafür haben sich die Entwickler mit einer kleinen Einführung sehr viel Mühe gegeben: Gleich beim ersten Start zeigt Lightroom ein Begrüßungsfenster an, das die Gliederung des Hauptfensters erklärt. Die "fünf Regeln" lassen sich auch nachträglich im Menü aufrufen.

Im Gegensatz zu den Creative-Suite-Programmen sieht das Lightroom-Fenster etwas anders aus: Es wurde nicht in kleine Fenster für Werkzeuge und Optionen unterteilt, sondern in einem monolithischen Block ganz in Schwarz gehalten. Rechts oben sitzt die Modulauswahl: Hier kann der Nutzer zwischen seinen Aufgaben, die er mit Lightroom erledigen will, wechseln. Dazu zählen die Verwaltung von Fotos in der Bibliothek, aber auch das virtuelle Entwickeln. Für die Präsentation und Weitergabe sind die Reiter Diashow, Druck und Web vorgesehen. Jedes Modul wird über sogenannte Bedienfelder gesteuert, welche rechts und links vertikal ausgerichtet im Hauptbereich des Fensters sitzen.

In der Mitte erscheint stets die jeweils bearbeitete Datei oder etwa eine Vorschau auf die Druckansicht. Am unteren Rand hat Adobe einen Streifen mit genau diesen Bildern angebracht, die gerade in der Bibliothek angezeigt werden. Sie können entweder aus einem Ordner auf der Festplatte oder aus einer zusammengestellten Lightroom-Sammlung stammen.

Die Bild-Bibliothek

Die Ausrichtung macht bis hierhin besonders für Mac-Nutzer den Eindruck, Lightroom sei iPhoto aus Apples iLife-Suite sehr ähnlich. Das ist aber nicht der Fall: So werden beim Import von neuen Bildern diese nicht in die Lightroom-Datei kopiert, sondern lediglich Verweise aufgenommen. Das hat den Vorteil, dass die Bilder sich weiterhin mit externen Programmen problemlos bearbeiten lassen. Auf Wunsch können Fotos aber von dem Quellordner in einen neuen Ordner verschoben oder kopiert werden, wahlweise mit einer Konvertierung ins DNG-Format.

Der DNG-Dateityp ist ein offenes Raw-Format, das von Adobe entwickelt wurde. Wer Fotos als Raw-Datei vorliegen hat, besitzt wahrscheinlich eine höherwertige Digitalkamera: Im Gegensatz zu den Einstiegsmodellen dient das Raw-Format dazu, Bildinformationen weitgehend ohne jede Veränderung direkt in einer Datei auf dem Speicherchip abzulegen. Damit vermeiden Profis, dass ihre Bilder etwa bereits beim Fotografieren durch die Komprimierung in das beliebte JPEG-Format an Genauigkeit verlieren.

Das Importwerkzeug von Lightroom ist sehr mächtig: Bereits beim Laden von Bildern in das Programm kann es Filter, etwa zur Körnung eines Bildes oder der Umwandlung in ein Schwarz-Weiß-Foto, anwenden. Durch die vielfältigen Optionen, etwa eine automatische Umbenennung von Dateien, wird besonders bei größeren Bildsammlungen die Arbeit erleichtert. Sehr angenehm ist, dass nach dem Start des Imports der Anwender sofort zu Lightroom zurückkehren kann - er muss nicht warten, bis der Import abgeschlossen ist. Die Bilder werden im Hintergrund ohne weiteres Zutun schrittweise zur Bibliothek hinzugefügt. Sogar einen manuellen Absturz, der durch das Abbrechen des Prozesses ausgelöst wird, übersteht Adobe Lightroom.

Die Funktionen der Bibliothek im Hauptfenster sind beinahe unerschöpflich: Dort kann der Nutzer Fotos mit Schlagwörtern versehen, damit die Suche später schneller erledigt ist. Über Sammlungen kann er ähnliche Fotografien, die inhaltlich zusammengehören, unabhängig von der Anordnung in Ordnern auf der Festplatte verbinden. Adobe Lightroom zeigt neben dem Histogramm zu jedem Bild auch die Metadaten an - also etwa das Kameramodell, die ISO-Empfindlichkeit oder einen Hinweis, ob der Blitz ausgelöst wurde.

Galerie: PC-/Mac-Fotolabor

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Eine Einführung erklärt beim ersten Start die Aufteilung des Hauptfensters. (Bild: Netzwelt)

Schnell entwickeln

Wer seine Bilder professionell entwickeln möchte, findet in Lightroom dafür grundsätzlich viele Funktionen. Beim Wechsel von der Bibliothek in den Reiter Entwickeln zeigt sich das Programm aber etwas träge: Selbst auf einem aktuellen MacBook Pro mit Intel Core i5-Prozessor dauerte es mitunter zwei Sekunden, bis sich die Anzeige neu aufgebaut hatte. Manchmal geht der Wechsel zwar etwas schneller, doch stets bleibe eine spürbare Verzögerung - wer mit dem Programm viel arbeitet, wird sich hier schnell gestört fühlen.

Zunächst stehen dem Anwender für die Entwicklung alle üblichen Werkzeuge im rechten Bedienfenster zur Verfügung: Neben einer Korrektur der Farbtemperatur und Tönung lässt sich auch die Belichtung, das Aufhelllicht sowie der Schwarzwert und vieles mehr verändern. Dabei wendet Lightroom jede Veränderung schon während der Eingabe über Schieberegler auf das Bild an, sodass sich diese in Echtzeit nachvollziehen lassen.

Lightroom geht aber deutlich über die üblichen Werkzeuge hinaus: Mit Dingen wie der Graduationskurve des Bildes sind Hobbyfotografen sicher noch nie in Kontakt gekommen. Diese kann genauso geändert werden, wie eine Teiltonung oder nachträgliche Objektivkorrekturen in Lightroom möglich sind. Letztere stellt einen der Gründe dar, warum die happigen Lizenzgebühren gut investiert sind: Adobe hat in Lightroom Objektivprofile für beinahe jedes Modell der wichtigsten Hersteller Canon, Nikon, Sigma, Sony, Tamron und Apple beigelegt. In den meisten Fällen erkennt Lightroom automatisch an Hand der Metadaten der Datei, welches Objektivprofil zum Bild passt. Verzerrung, Aberration und Vignettierung lassen sich so leicht steuern. Sollte einmal ein Objektivprofil nicht vorhanden sein, ist auch die manuelle Korrektur dieser Werte zugelassen.

Diashow und Drucken

So gut die Funktionen für die Entwicklung gelungen sind, so langweilig ist die Diashow: Lightroom ordnet die Bilder der aktuellen Fotoleiste standardmäßig vor einem Hintergrund an, der sich nur in der Farbe anpassen lässt - ein eigenes Hintergrundbild etwa ist nicht möglich. Der Farbverlauf kann geändert werden, ebenso ist ein Startbildschirm mit einer Namenstafel möglich, die auf Wunsch auch auf jeder Diashow-Seite erscheint. Einzig der Zoom ist sinnvoll: Da die wenigsten Bilder genau dem Format des Ausgabemediums Bildschirm oder Beamer entsprechen, kann Adobe Lightroom diese so umrechnen, dass sie perfekt in den Rahmen der Diashow passen. Optionen wie Hintergrundmusik oder eine individuelle Anzeigelänge für alle Dias verstehen sich von selbst. Eine Unterbrechung der Diashow ist aber leider nicht in Lightroom vorgesehen.

Ebenso unspektakulär ist der Druck ausgefallen: Alles, was ein Programm zur Bildverwaltung hier erledigen muss, erledigt Lightroom perfekt - aber der Nutzer wünscht sich eben manchmal etwas mehr. Beim Typ des Ausgabemediums kann Lightroom nur zwischen "Matt" und "Glanz" unterscheiden, aber kennt keine Sorten etwa von Farbpapier. Die Druckauflösung lässt sich ebenso anpassen wie die Position und Ausrichtung des Bildes. Unsinnig ist, warum Lightroom neben der Druckausgabe am Drucker auch die Druckausgabe in eine JPEG-Datei gestattet - hier bietet sich die JPEG-Exportfunktion an, die deutlich ausgefeilter ist. Immerhin ist es möglich, die von der Diashow bekannt Erkennungstafel auch beim Druck mit auszugeben.

Bereitstellen im Web

Mit dem letzten Reiter "Web" macht Adobe seinem Ruf als Spezialist für die multimediale Aufbereitung von Bildern und Videos wieder alle Ehre: Direkt aus Lightroom heraus lässt sich eine Bildergalerie im Flash- oder HTML-Format erzeugen, die auf einer der unzähligen Designvorlagen basiert. Hier ist für beinahe jeden Geschmack etwas dabei: Von der vertikalen oder horizontalen Anzeige der Bilder in gekachelten Symbolen, die sich Ein- und Ausblenden lassen, bis hin zu einer zweigeteilten Website mit Scrollen und Zoomfunktion ist fast jede erdenkliche Gestaltung möglich.

Zu jeder Vorlage lassen sich Farben von Hintergrund, Schrift oder etwa Rändern, der Kopfzeile und dem Menü individuell anpassen. Der Galerie wird Titel, Beschreibung und ein Hinweis auf die Kontaktmöglichkeit per E-Mail mitgegeben. Die erzeugten Bilder fürs Web beinhalten auf Wunsch ein Wasserzeichen und einen Copyright-Hinweis in den Metadaten, sodass Fotografen sich weniger Sorgen um ihre Rechte machen müssen. Galerien lassen sich direkt per FTP-Protokoll publizieren.

In Lightroom 3 hat Adobe auch an die Anbindung von sozialen Netzwerken gedacht: Der Nutzer kann direkt aus Lightroom heraus ein Bild auf Facebook bereitstellen, sofern er seine Kontodaten hinterlegt hat. Neben den blauen Seiten unterstützt Photoshop Lightroom auch Flickr, den wohl immernoch populärsten Fotodienst der Welt. Wer mit seinen Fotos Geld verdienen will, wird sich über den Transport zu SmugMug freuen: Dort ist die Bereitstellung kommerzieller Bilder möglich, jedoch ist der Dienst in Europa noch kaum bekannt. Ein wenig schade ist, dass andere Plattformen wie Twitter nicht angebunden wurden und auch auf der Plattform "Zusatzmodul-Exchange" keine Erweiterung dafür zur Verfügung steht. Ebenso ist die Funktion für Flickr und Co. in der Bibliothek angesiedelt, obwohl der Nutzer sie eher hinter dem Web-Reiter erwartet.

Fazit

Das Programm Adobe Photoshop Lightroom 3.3 macht seinem Anspruch, eine virtuelle Dunkelkammer für das digitale Zeitalter zu sein, alle Ehre. Die Bedienung ist eingängig und die Aufteilung - mit Ausnahme von einigen Kleinigkeiten - sinnvoll gelungen. Wer große Bildersammlungen verwalten muss und dabei professionelle Entwicklungswerkzeuge benötigt, sollte sich Lightroom in jedem Fall ansehen. Mit den Funktionen für Druckausgabe, Diashows und die Bereitstellung in sozialen Netzwerken liefert Adobe mit der jüngsten Fassung von Photoshop Lightroom zwar keine Glanzleistung ab, leistet sich aber auch keinerlei größere Schwächen. Für Anwender, die den großen Bruder Photoshop einsetzen, bietet Lightroom eine gute Ergänzung - zumal sich jedes Bild direkt aus Lightroom zur Bearbeitung in Photoshop aufrufen lässt.

Kommentare zu diesem Artikel

Seit Jahren gilt Adobe als Marktführer im Bereich multimedialer Anwendungen. Neben der Creative Suite mit dem mächtigen Werkzeug Photoshop gibt es noch eine ganze Reihe anderer Produkte zur Bearbeitung von Bildern. Netzwelt stellt heute Lightroom vor, das von Adobe als virtuelle Dunkelkammer konzipiert wurde.

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  • Bachus schrieb Uhr
    AW: Adobe Lightroom: Dunkelkammer des digitalen Zeitalters

    Zitat: "Unsinnig ist, warum Lightroom neben der Druckausgabe am Drucker auch die Druckausgabe in eine JPEG-Datei gestattet - hier bietet sich die JPEG-Exportfunktion an, die deutlich ausgefeilter ist. Immerhin ist es möglich, die von der Diashow bekannt Erkennungstafel auch beim Druck mit auszugeben." Für die Ausgabe eines einzelnen Bildes ist der "Druck" in eine JPG-Datei sicherlich nicht sinnvoll. Anders sieht es aus, wenn man damit Kontaktabzüge oder Bildpakete exportiert um sie dann kostengünstig bei einem Dienstleister (Großlabor, Minilab) ausbelichten zu lassen, anstatt sie zuhause auf dem Tintenstrahldrucker zu drucken.

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Adobe Lightroom: Dunkelkammer des digitalen Zeitalters
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Neben der Creative Suite mit dem mächtigen Werkzeug Photoshop gibt es noch eine ganze Reihe anderer Produkte zur Bearbeitung von Bildern. Netzwelt stellt heute Lightroom vor, das von Adobe als virtuelle Dunkelkammer konzipiert wurde.
http://www.netzwelt.de/news/85089-adobe-lightroom-dunkelkammer-digitalen-zeitalters.html
2010-12-19 11:52:00
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2010/adobe-photoshop-lightroom-33-vereint-bildverwaltung-entwicklungsprogramm-bild-netzwelt3945.jpg
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