Auslieferung an Schweden und die USA?
Wikileaks: Scotland Yard verhaftet Gründer Assange (Update)
Wikileaks-Gründer Julian Assange ist von Polizisten des Scotland Yard am frühen Morgen verhaftet worden und wird noch heute, 7. Dezember, dem Richter vorgeführt. Dem gebürtigen Australier droht nun die Auslieferung nach Schweden, wo er wegen dem Verdacht der Vergewaltigung gesucht wird.

Weiterhin ermitteln die schwedischen Behörden gegen den 39-jährigen wegen sexueller Belästigung und Nötigung. Alle Vorfälle sollen sich im August 2010 ereignet haben. Nähere Angaben zu den Umständen der Verhaftung machten die britischen Behörden nicht. Am frühen Morgen machten Medienberichte die Runde, nach denen sich Assange freiwillig stellen wolle. Ob Assange aber sich wirklich freiwillig in Gewahrsam begeben hat, ist unklar. Die Enthüllungsplattform Wikileaks kündigte unterdessen bei Twitter an, auch ohne ihren Gründer und Chefredakteur weiterarbeiten zu wollen. Bereits heute Abend würden neue Unterlagen des US-Außenministeriums im Netz erscheinen, schrieben die verbliebenen Aktivisten.
Assange noch heute vor Gericht
Julian Assange wird dagegen noch heute vor dem City of Westminster Magistrates Court erwartet. Unter anderem muss das Gericht in den nächsten Tagen über eine Auslieferung an Schweden entscheiden. Fans der Enthüllungsplattform haben auf einer eigens eingerichteten Webseite bereits zu einem stillen Protest vor dem Gericht aufgerufen. Auch ehemalige Projektmitarbeiter wie die isländische Abgeordnete Birgitta Jonsdottir solidarisieren sich mit Assange. Bei Twitter schrieb sie: "Es liegt an uns sicherzustellen, dass er nicht an die USA ausgeliefert wird." Im September hatte sie ihm noch nahegelegt sein Amt als Wikileaks-Sprecher ruhen zu lassen, bis die Ermittlungen vorbei seien.
Assange selbst hatte die Vorwürfe gegen ihn stets zurückgewiesen und als Kampagne eines Geheimdienstes abgetan. Bei der Wahl zur Person des Jahres hat der Australier mittlerweile auch den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan überholt und liegt nun auf dem ersten Platz.
Update 8. Dezember: Keine Freilassung auf Kaution
Wikileaks-Gründer Julian Assange bleibt bis zum 14. Dezember in Haft. Der zuständige britische Richter lehnte eine vorläufige Freilassung auf Kaution ab, berichtet die britische Tageszeitung "The Guardian". Unter anderem hatten der Journalist John Pilger, der Filmmacher Ken Loach und Milliardärstochter Jemima Khan angeboten, Kaution für Assange zu stellen. Mitte Dezember folgt die nächste richterliche Anhörung des 39-jährigen Australiers, dem in Schweden unter anderem Vergewaltigung vorgeworfen wird. Assange kündigte der Zeitung zufolge vor Gericht bereits an, sich gegen seine Auslieferung juristisch zu wehren, was zu einem längeren "Tauziehen" vor Gericht führen könnte.
Über den Kurznachrichtendienst Twitter verkündete Wikileaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson, dass die Plattform trotz der Verhaftung von Assange weitere Dokumente des US-Außenministeriums ins Netz stellen werde. Assange selbst hatte sich in einem just am Dienstag veröffentlichten Text in der australischen Tageszeitung "The Australian" noch einmal ausführlich zu Wort gemeldet. Dort verteidigte er Wikileaks als eine neue Form des Journalismus. Einem Journalismus, in dem die Leser Zugang zu den Original-Quellen hätten und die Korrektheit der Berichterstattung prüfen könnten. Er kritisierte zudem, dass US-amerikanische und auch australische Politiker mehr oder minder offen dazu aufgerufen hätten, ihn zu töten. Solche Drohungen habe es gegen keine der Wikileaks-Medienpartner gegeben.






