Protest gegen Casting-Wahn
Jedem Otto seine Brigitte: Werbe-Aktion auf Facebook endet überraschend
Facebook-Nutzer haben einen Model-Contest des Versandhändler Otto boykottiert. Zum Gewinner kührten sie einen Koblenzer Studenten, der in billiger Frauenverkleidung posierte - inklusive blonder Perücke und roter Federboa.

Mitte November startete Otto auf Facebook einen Model-Wettbewerb. Nutzer sollten Bilder von sich hochladen, die andere Facebook-Mitglieder dann bewerten. Zwei Wochen lang wird der Sieger dann an prominenter Stelle der Otto-Fanseite bei Facebook eingebunden.
"Der Brigitte" gewinnt mit großer Mehrheit
Insgesamt nahmen etwa 50.000 Frauen und Männer an der Aktion teil, allerdings hatten sie gegen "Brigitte" keine Chance. Sascha Mörs, ein BWL-Student aus Koblenz, hat ein Foto von sich in schlechter Frauenverkleidung ins Rennen geschickt und mit großem Abstand gewonnen.
Der Versandhändler Otto war zwar überrascht von dem Ergebnis, nimmt die Geschichte aber mit Humor. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, da Sascha die Aktion erst richtig populär gemacht hat. So sagt der Pressesprecher von Otto Thomas Voigt: "Was Sascha mit seinem Foto ausgelöst hat, war gigantisch. Täglich wuchs unsere Fangemeinde um rund 10.000 auf am Ende 160.000 Fans." Sascha selbst hat einiges zu seinem Sieg beigetragen. Dank seines Freundeskreises hatte er innerhalb von vier Stunden bereits über 500 Stimmen. Damit es noch mehr werden hat Sascha Flyer gedruckt und sie an der Universität verteilt. Außerdem hat seine Mutter auch noch für ihn geworben.
Sascha war von der Otto-Aktion genervt
Die Kunstfigur Brigitte war eigentlich aus einer Art Protest-Gedanken entstanden. In einem Interview mit Spiegel Online erklärt Sascha, dass er genervt war, als er gesehen hat, dass seine ganze Facebook-Pinnwand von der Otto-Aktion voll war. Zuerst habe er das Bild ohne große Hintergedanken hochgeladen, im Nachhinein sei die ganze Aktion ein Statement gegen den Casting-Wahn. Er geht davon aus, dass die Nutzer mit ihren Stimmen für Brigitte zeigen wollten, dass sie davon genervt sind.
Immer wieder locken Unternehmen mit speziellen Aktionen auf Facebook. Sie wollen dadurch mehr Fans gewinnen. Vor kurzem hat beispielsweise die Deutsche Bahn das "Chef-Ticket" nur über Facebook verkauft.
